Freitag, 30. September 2011

Freitag, 04. Juni 2010 - Entspannt ins Wochenende

Heute ist so ein lahmer Tag. Im positivsten Sinne, im Philipp Lahm Sinne. Ein perfekter Tag, um Geld auszugeben. Ich kaufe mir endlich einen eigenen Wischmop und für Mallorca eine schwarzweiß gestreifte Badeshorts. Die Einkaufstour geht im Supermarkt weiter.

In der Innenstadt beobachte ich wie ein Vagabund oder ein Penner, wie Vincent Vega solche Leute nennt, mit seinen fünf Hunden redet. Er wird sogar richtig laut als sie nicht hören wollen oder gerade etwas typisch animalisches machen. Er redet mit ihnen, als ob er eine Antwort erwartet. Bei Hunden habe ich da noch ein wenig Verständnis für, aber wer sich ernsthaft mit Katzen unterhält oder sie zurechtweist, der sollte die Kontaktanzeigen in der Tageszeitung mal näher betrachten. Gut, dieser Kandidat hier kennt die Tageszeitung wahrscheinlich nur unter den Begriff Tagesdecke, zudem sind die Referenzen eh nicht so Top bei ihm. Der Anspruch an den modernen Mann ist ja so hoch, wer soll da noch mitkommen?
Die Hunde reagieren auf das Gebrüll ähnlich wie der Mensch auf die Stille, denke ich. Solange man den Stimmen nicht antwortet, ist man okey im Kopf.

Auf MTV läuft den ganzen Tag über Rock am Ring.

Abends schaue ich mit Paul Der talentierte Mr. Ripley und Baseketball, mit dem wieder mal genialen deutschen Untertitel: Die Sportskanonen. Beide Filme kann ich uneingeschränkt empfehlen.

Donnerstag, 29. September 2011

Donnerstag, 03. Juni 2010 - Hoch, Maloche, Muckibude, Fusi, Schnorcheln

Aufstehen, Arbeiten, Fitness, Länderspiel, Schlafen.

Das könnte man so stehen lassen. Aber: einen habe ich noch, wie mein Role Model Otto Waalkes sagen würde.

Zum Aufstehen: Das ist mir ganz gut gelungen.

Zum Arbeiten: Ich war pünktlich da (s.o.) und bin auch wieder pünktlich gegangen.

Zum Fitness: Unter dem Wellblechdach ist es so was von heiß. Deshalb ist kaum was los in dem Laden. Ist ja logisch, die trainieren nur aus dem einen Grund, nämlich bei schönem Wetter draußen anzugeben. Am liebsten oberkörperfrei. Soweit bin ich leider noch nicht. Wenn man jetzt, wie ich zum Beispiel, eine gestandene Stunde radelt, als hätte man Jan Ullrichs Epo-Vorräte geplündert (immerhin 170 Watt im Durchschnitt), dazu läuft auf dem Fernseher das Christina Aguilera Video zu Candyman, ist man danach nasser als Lemmy. Wie das aussieht! Die Schlüsselübergabe für die Schließfächer belastet mich zusätzlich.

Ich: „Ich hätte gerne ein Schließfach mit einer ungeraden Nummer!“
Rezeptionstussi: „Wieso das denn?“
Ich: „Weil die ungeraden Schließfächer oben stehen.“
Rt: „Ob oben oder unten, wo ist denn da der Unterschied?“
Ich: „Na… oben oder unten halt.“

Einmal habe ich mitbekommen wie ein scheinbar beliebtes Clubmitglied ein Schließfach mit einem Vorhängeschloss verlangte. Wieso das? Ich hätte direkt nachfragen können, wollte aber selber draufkommen. Die Position kann es nicht sein, die Schließfächer mit Vorhängeschloss sind willkürlich verteilt. Sicherer ist es auch nicht. Jedes zweite Schloss ist hier bereits verbogen und wenn diese Hulk Hogan Verschnitte etwas klauen wollen, dann nehmen die eh gleich die gesamte Wand mit. Einziger ersichtlicher Grund wäre die Größe des Schlüssels. Der Schlüssel zum Vorhängeschloss ist kleiner und lässt sich bei einer taschenlosen Hose, Leggings zum Beispiel, eleganter am Schnürsenkel oder im Socken verstauen. Also in Zukunft immer auf einen Spint mit Vorhängeschloss und ungerader Nummer bestehen. Ich sehe zwar nicht so aus, aber eigentlich bin ich ein ziemlicher Fitness Pro.

Zum Länderspiel: Die erste Halbzeit war wirklich bedenkenswert, die zweite Halbzeit lief dafür wie ein Länderspiel. Top Badstuber, Top Müller.
Während des Spiels verdrückte ich drei Hanutas. Wie alles zur WM, werden auch die Haselnusstafeln mit Fußball verkauft. In jeder Packung gibt es jeweils ein Sammelbildchen eines deutschen Nationalspielers. Und jetzt ratet mal… genau! Beschiss! Wer da noch von Pech redet, ist dumm.
Mit dem Hanuta auf der Arbeit habe ich insgesamt vier Bildchen „gesammelt“. Fotobeweis!

             zwei Assistenztrainer und nicht nominiert                        nicht nominiert

Also bitte!
Ich würde alle vier sogar gegen einen Klose tauschen!

Zum Schlafen: Ich kann erst einschlafen, wenn ich bei Angry Birds den nächsten Level schaffe! Gegen 0:30 ist es dann soweit.
Einen habe ich noch:

Kind: "Du Otto, möchtest du auch einen Kaffee?"
Otto: "Nein danke, wenn ich Kaffee trinke, kann ich nachts nicht schlafen."
Kind: "Komisch, bei mir ist es umgekehrt, wenn ich nachts schlafe, kann ich keinen Kaffee trinken."

Mittwoch, 28. September 2011

Mittwoch, 02. Juni 2010 - Seriöses Abliefern

Endlich bin ich mal wieder im Auftrag der Stadt Bremen in einem Außendienst verwickelt. Meine Kollegin und ich Begehen eine Kita in Oberneuland. Dem Viertel der Reichen und Schönen, sagt man. Reich: ja, Schön: naja. Oberneuland ist grün und ein schickes Haus reiht sich an das nächste. Weshalb es trotzdem so grün ist, liegt an den großen Gärten. Irgendwie unpassend hier mit lauter Musik (DJ Format) und runtergelassenem Fenster (Sonne) entlang zu irren. Meine Kollegin hält die ausgedruckten Google Map Landkarten gerne falsch herum.

Einmal drückte ich ihr mein iPhone mit GPS-System in die Hand. Unser virtuelles Auto, dargestellt durch einen Punkt auf der Straßenkarte, sollte eigentlich der vorgegebenen blauen Linie folgen. Da ich zu der Zeit das iPhone gerade neu hatte, wollte ich wissen, ob denn die Versetzung des Punktes mit unserem Fortschreiten ungefähr in Echtzeit hinkomme und ob der Punkt auch flüssig der markierten Strecke folge. Ihre Antwort: Nee!
Sie gaffte die ganze Zeit auf das Gerät und beobachtete wie wir uns kontinuierlich von unserem Ziel entfernten. Später rechtfertigte sie sich damit, dass sie dachte, bei der markierten Strecke handele es sich um einen Fluss. Das machte es auch nicht besser.

Doch heute ist das nicht weiter schlimm. Wie gesagt, die Gegend ist ansehnlich und die Extrazeit für den Hinweg planen wir bereits im Vorfeld mit ein.

Ich: „Links oder rechts lang?“
Sie: „Links, denke ich.“
Ich: „Denkst du? Das macht mich misstrauisch. Was steht denn neben dem Bild? Da ist doch Text mit bei.“
Sie: „Der Text steht auf dem Kopf, den kann ich nicht lesen.“
Ich: „Na dann kann es ja nur links sein.“

Sie: „Dreh dahinten Mal um.“
Ich: „Hatte ich vor.“

Nach der Arbeit räume ich die Wohnung auf. Ich schaffe sogar richtig was, nur der Herd bleibt erstmal so wie er ist. Das muss einweichen, rede ich mir ein.
Beim emsigen wegräumen, drüberwischen und einsortieren, höre ich Pink Floyd Platten. Die Alben folgen einem Konzept, es gibt keinen Grund einen Song zu überspringen, das sowieso nicht. Perfekt um nebenbei etwas anderes zu machen. Um 21:30 Uhr kommt auf 3Sat Bauerfeind. Die Frau kann ich ja gut leiden.

Dienstag, 27. September 2011

Dienstag, 01. Juli 2010 - Rechenschieber

Erst vor kurzem habe ich noch rumlamentiert, es gäbe keine positive Post. Heute habe ich die Endabrechnung der Nebenkosten für meine alte Wohnung bekommen. Etwas spät, wenn man bedenkt, dass ich seit dem April umgezogen bin. Aber das warten hat sich gelohnt. 241 € Nebenkostenrückerstattung. Wie sparsam habe ich denn gelebt? Die Kosten für die SWB waren schon recht niedrig angesetzt. Da kann man mal sehen, wie selten ich zu Hause bin.
Die Kaution ist ebenfalls auf mein Konto überwiesen worden. Ein warmer Geldregen, der teilweise in IKEA Krams investiert werden muss. Das komplette Bad und der Flur müssen ausgestattet, sowie Vorhänge und andere Accessoires rangeholt werden. Der Rest wird dann in der Sonne Mallorcas verbrannt.

Mein digitaler Kontoauszug liefert mir eine weitere gute Nachricht. Die Hampelmänner vom Fitnessstudio haben meinen Vertrag wieder auf die sparsamste Variante zurückgesetzt. Vorletzten Monat ist mein vergünstigter Vertrag aufgewertet worden, was ich nur durch einen rechtzeitig veranlassten Antrag auf Verzicht dieser tollen Serviceleistung hätte verhindern können. Unfreiwillige 35 € zahlte ich letzten Monat für eine Getränke und Solarium Flatrate. Laut dem Kleingedruckten sind die sogar im Recht mit ihren Gaunermethoden. Jedenfalls habe ich mich da mal kleinlaut beschwert und mit wenig Hoffnung auf Erfolg an die Sportlerehre appelliert. Siehe da, diesen Monat sind es wieder 16,90 €.
In der Waschmaschine finde ich drei blitzblanke Cents.

Dass sich im Universum alles ausgleicht, daran hat mich Karstadt netterweise erinnert. Ich wollte mir für den Sport neue Kopfhörer kaufen. Nichts großartiges, Standard Dinger, die man sich ins Ohr probt. So richtig schön schädigend für die Gehörgänge. Drei Euro kosten die billigsten Kopfhörer, die es bei Karstadt zu erwerben gibt. Schon viel Geld, dementsprechend unterstelle ich den Dingern eine gewisse Qualität. Noch im Karstadt-Gebäude stöpsel ich die Kopfhörer in mein iPhone und mal von der miesen Qualität abgesehen, wackelt der Kontakt bei jedem Schritt. Ein Umtauch ist nicht möglich, weil Kopfhörer Hygieneartikel sind. Die hatte ich im Ohr und die sind nun verpegt, so der Verkäufer. Wenigstens für den Wackelkontakt konnte ich ihn in die Verantwortung ziehen. Er testet das Exemplar an einer Anlage.

Er: „Also ich höre damit klasse.“
Ich: „Ey, nicht ins Ohr stecken, das ist ein Hygieneartikel.“
Er: „Wenn die bei Ihrem Handy nicht funktionieren, dann liegt das daran, dass der Plug in bei Ihnen verdreckt ist. Zudem sollten Sie das nächste Mal welche kaufen, bei denen der Klinkeanschluss nach vorne weggeht.“
Ich: „Ja, aber nicht hier. Falls ich noch Fragen haben sollte, wie lange gibt es Karstadt denn noch?“

Die Kopfhörer liegen jetzt bei mir rum. Viele, gerade ältere Menschen, rechnen ja gerne den Euro immer noch in D-Mark um, besonders wenn etwas zu teuer erscheint. Ich rechne alles gerne in Nahrung um und den Döner hätte ich mir sparen können. Jetzt nehme ich wieder meine Sony Kopfhörer mit dem über zwei Meter langem Kabel. Das Kabel rubbelt beim Fitness zwischen Shirt und Muskelmasse hin und her, weshalb es sich so komisch kräuselt. Das schränkt die Funktion zwar nicht ein, aber es nervt mich total. Weiß entkräuselt man sowas wieder?
Ich koche Kartoffelauflauf vor. Leider benutze ich zu viele Zutaten, zu denen ich auch Wasser zähle, sodass die ganze Geschichte im Ofen überläuft. Eine riesige Sauerei. Ich ahne schon wer das morgen wegmachen darf.

In Göttingen explodiert während der Entschärfungsvorbereitungen eine 500 Kilo Bombe aus dem II Weltkrieg. Tragischerweise sterben dabei drei Angehörige des Bombenräumungskommandos. Allen mir wichtigen Menschen ist zum Glück bis auf des Schocks nichts passiert.

Montag, 26. September 2011

Montag, 31. Mai 2010 - Day Off

Heute ist einer der nutzlosesten Tage in diesem Leben. Am liebsten würde ich mich neben die Penner vor McDonalds legen und mitmachen. Auf der Arbeit halte ich es nur sechs Stunden aus und das liegt noch nicht einmal daran, dass heute Montag ist. Zu der Katerstimmung passt die Geschäftsaufgabe von Back Factory am Brill, weshalb ich spontan auf McDonalds ausweichen muss. Bei McD am Brill werden die Penner regelmäßig vertrieben, dann bin ich für heute eben nochmal Kunde.

Zu diesen McD gehe ich sonst nie hin. Nirgends sind Schulklassen so ausgelassen wie im Wasser oder bei McDonalds und jener am Brill ist ganz besonders schlimm. Die überstylten Kids quaken in allen Tonlagen wirres Zeug, Rihanna singt dazu S.O.S. von zwei riesigen Flachbildschirmen und genau jetzt geben meine Kopfhörer den Geist auf. Kabelbruch, nehme ich an.

Die nächste Enttäuschung wartet an der Kasse auf mich. Elvis, mein Lieblingsangestellter aus der kleinen Eckvideothek bei mir gleich um die Ecke, arbeitet nebenbei in dem McDonalds. Es kommt noch schlimmer, eine um vieles jüngere Angestellte befiehlt ihn umher. Vermutlich arbeitet er hauptberuflich hier und nebenbei in der Videothek. Eine kleine Welt, wie man sie aus Clerks kennt, bricht in mir zusammen.

Der elegisch veranlagte Elvis Presley Look-a-Like weigert sich seinen schlurfenden Gang aufzugeben, weshalb er sehr deplatziert wirkt. Eigentlich ist er der perfekte Videothekenangestellte. Er hat Ahnung und beleidigt Unwissende, wenn er überhaupt mit ihnen redet. Man kann sich richtig vorstellen wie er aufgewachsen ist: Star Wars, Tarantino, Vinyl, VHS, Elvis Presley, Gitarrenunterricht, Pepsi Crystal. Verrückt, wir leben in einer Welt, die all diese Dinge vergöttert, allerdings kommt man im Leben nicht besonders weit mit ihnen.

Ich: „Mathe ist auch wichtig.“
Elvis: „Was?“
Ich: „Sorry, ich war in Gedanken. Du weißt, dass jemand seine EC Karte bei dir im Slot vergessen hat?“
Elvis: „Nee. Sieh an, der kommt noch nicht einmal aus Bremen. Was die Leute alles so in ihren Köpfen haben, wenn die so etwas wichtiges schon vergessen…“
Ich: „Das könnte mir heute auch ohne weiteres passieren. Zwei Cheesburger und eine kleine Pommes, bitte.“
Elvis: „Mayo?“
Ich: „Ja los, mach mal. Vielleicht hilft das.“

Wenn man täglich einen Blogeintrag mit Tagebuchcharakter schreibt, bzw. es darauf anlegt, dann geht man analytischer durch den Tag. Am Ende fällt einen auf, dass man es fertig gebracht hat, einen ganzen Tag über nicht gelacht oder zumindest geschmunzelt, oder überhaupt nur einen einzigen positiven Gedanken zustande gebracht zu haben. Selbst ein aufgesetztes Eisbrecherlächeln, für die Leute, denen man im Fahrstuhl begegnet, fiel heute aus.

Durch Schlafentzug simulierte Altersbeschwerden, treiben mich früh ins Bett. Oder ist es das Alter himself? Die Sonne hat sich heute Abend etwas spät dazu entschlossen hell zu machen, die ist ebenfalls nicht besonders gut gestellt, soweit ich das von hier unten aus beurteilen kann. Aber noch kann ich im Bett Lesen. Meine Nachttischlampe wird nämlich im Bad benötigt.
Vielleicht war es heute ein Reizthema zuviel. Läge ich nicht bereits mit einem unguten Gefühl im Bett, würde ich jetzt mit einem hinein steigen.

Sonntag, 25. September 2011

Sonntag, 30. Mai 2010 - Immer wieder sonntags...

Was bin ich froh in Bremen aufzuwachen. Mindestens genau so froh bin ich darüber, dass heute Sonntag ist. Sonntag! Fussball! Treffen! High Noon! Fuck! Es ist 11:45 Uhr, um 12:00 Uhr ist Treffen, das wird eng. Ich schreibe mal lieber eine Absage an den Trainer. Das hatte ich eigentlich gestern schon vor, aber man kommt ja zu nichts.

Im Flur liegen meine Klamotten verstreut. Mal schauen, Cap ist da, Hose, Shirt, Hemd und Schuhe auch. Mehr hatte ich nicht am Mann. In meinem Portemonnaie sind 50 Euro übrig, dafür sind die Schnürsenkel meiner Schuhe noch zugebunden. Kombiniere, kombiniere: Als ich in Bremen ausstieg, war ich scheinbar schon reichlich angeperlt. Ich räume etwas auf, versuche mich an der Waschmaschine und lege mich auf das Sofa.

Mein Laptop ist hinüber. Eine Kerze die von beiden Seiten brennt. Windows XP, sowie die Stromversorgung hängen sich ständig auf. Vielleicht liegt es auch nur an Windows, jedenfalls muss ich da mal rangehen und Paul bescheid geben, dass der da mal rangeht.

Die außerplanmäßig eingesparten 50 Euro werden teilweise in Essen investiert. Bei dem Regen geht es nicht weiter als bis zum nächstgelegen Dönerladen, was in meiner Gegend immer noch eine große Auswahl bedeutet. Ein Rollo soll es sein. Irgendwann hinterfrage ich noch mal vor Ort, ob der Rollo wirklich Rollo heißt oder für uns dumme Deutsche einfach assoziativ zum Rollo gemacht wurde. Nur 3,50 €, im Verhältnis Preis/Leistung top.

Im Bett wird mir schwindelig. Lesen geht nicht und Augen zu erstrecht nicht. Ist das unangenehm, wieso rächt sich denn der gestrige Tag so spät? Plötzlich bin ich nicht mehr froh darüber, dass heute Sonntag ist. Es kann aber auch an Lena Meyer-Landrut liegen, die in den Medien mehr Aufmerksamkeit bekommt als Michael Jackson vor einem Jahr. Dieses affektierte Kind. Overacting macht so unsexy. Solche Frauen betreten Räume tanzend und benutzen Mimiken und vollen Körpereinsatz anstatt Adjektive. Normal kann die bestimmt gar nicht. Eine Mischung aus Heidi Klum und Nora Tschirner. Das wäre ein Grund Nora Tschirner nicht toll zu finden, wenn so etwas dabei herauskommt.

Samstag, 24. September 2011

Samstag, 29. Mai 2010 - One Love Festival

Die Vorfreude ist groß. Der Stress zuvor auch, zumindest in meinen rastlosen Augen. Spontan wurden für mich zwei V.I.P. Tickets beim One Love Festival in Hannover hinterlegt. Eine feine Sache, nur müssen Judith und ich zusehen, wie wir unsere ordinären Eintrittskarten nun loswerden. Ob eine Aufwertung der Karten möglich ist, bleibt fraglich. Der Deal verlief bisher über das überschätzte Web 2.0, also zeitversetzt. Jede Anfrage setzt voraus, dass der Angeschriebene das Geschriebene rechtzeitig liest, versteht und darauf richtig antwortet. Handynummern wurden nicht ausgetauscht. Nicht besonders clever, aber ich gehe ja auch davon aus, dass meine Handynummer an jeder Bahnhofstoilette verewigt ist.

10:18 Uhr fährt mein Zug nach Hannover. Viel zu früh stehe ich im Bremer Bahnhof. Ich nutze gerne solche Gelegenheiten, um mich dort etwas umzusehen. Nicht die Geschäfte, sondern die Menschen interessieren mich dabei. Leider ist der Bremer Bahnhof im Verhältnis Stadt/Bahnhof einer der unattraktivsten Deutschlands. Es ist sehr eng und bietet kaum Gelegenheiten dem Treiben, von einem neutralen Beobachtungsposten aus, beizuwohnen. Man kann da nirgends gut sitzen und gaffen.

Auf gewisse Figuren ist in Bremen verlass. Da wäre zum einen Klaus – Bärbel, der androgyne St. Pauli Fan vom Bahnhofsplatz. Zum anderen der Marktschreier in Lederkluft auf dem Domshof, der Woche für Woche eloquent die Apokalypse ausruft und meine Favoritin, die etwas verlumpte, weißhaarige Frau mit der Turmfrisur und der Weinflasche in der Hand, ebenfalls immer in Bahnhofsnähe. Bei ihr kann ich mir nicht vorstellen, dass sie sich schon immer am Rand der Gesellschaft aufgehalten hat. Sie hat etwas skurril Anmutendes, Elegantes. Das kann an der Weinflasche liegen oder daran, dass sie die Fresse hält, ich weiß es nicht. Irgendwann gebe ich ihr mal eine Flasche Wein aus. Ich wette, dass sie sich mir mit Dina vorstellen wird. Ach ja, die Bremer Stadtmusikanten am Domshof gibt es auch noch.

Frühstück bei Burger King. Darauf freue ich mich schon den ganzen Tag, immerhin seit zwei Stunden. Es gibt in Bremen nur vier Burger Kings und am ehesten zu erreichen ist der im Bahnhof. Ein seltenes Vergnügen für mich.

Ich: „Hallo, ich hätte gerne zwei Cheesburger. 2 Euro, lege ich hier hin.“
Verkäuferin: „Die kosten jetzt aber 1,20 €.“

NEEEIIIIIINN!!

Ich: „Gibt es denn gar keine Neintineiners mehr?"
Vk: „Hamburger! Ey, am klügsten wäre es wenn du für 1,50 € einen Cheesburger mit Bacon nimmst. Cheesburger kostete früher 99 Cent und Bacon 50 Cent.“

Wenn man die Bedienung so reden hört, könnte man denken, das junge Mädchen hat richtig Lust darauf gerade hier zu sein. Zu recht und Preis/Leistungsmäßig Rumtaktieren ist eigentlich auch genau mein Ding, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Cheesburger mit Bacon schmecken soll.

Ich: „Zwei Hamburger.“

Die Sonne scheint und ich beschließe das erste Pils am Bahngleis zu trinken. Der Zug rollt. Ein. In Nienburg steigen Judith, Timo, Hendrik und Julian zu. In Hannover geht es mit dem Taxi zum Festival Gelände. Ich darf vorne sitzen. Aus Versehen entbrennt im Taxi eine heiße Diskussion über den schlimmen, schlimmen Kapitalismus und den anderen Sorgenkindern der westlichen Welt, wie zum Beispiel den Osten. Griechenland war der Auslöser. Der Taxifahrer ist voll bei der Sache, ob er vielleicht sogar ein Grieche ist? Wenigstens hat er selbstständig das Radio angemacht. Ich hätte mich in diesem Moment nicht getraut an den Drehknöpfen rumzuspielen. Aber NDR 1 aus dem Radio und Verschwörungstheorien aus dem Taxifahrer? da fällt es mir schwer irgendwo zuzuhören, besser mal aus dem Fenster schauen.

Das Festival ist bereits im Gange. Nicht im vollen Gange, lediglich ein paar No Names hüpfen unmotiviert auf der Bühne rum. Wir können tatsächlich problemlos unsere Tickets aufwerten lassen. Perfekt. We are V.I. -motherfucking- P. Baby. Freibier, Essen und das alles Backstage. Nur die Sonne scheint leider für jeden.

Zum ersten Mal sehe ich Olli Banjo live. Live Skills: klasse, aber warum nur eine gefühlte halbe Stunde? Denyo und Suave schaue ich mir Backstage an. Eine gute Gelegenheit Denyo zu fragen, ob in seinem Rucksack wirklich etwas drin ist, oder ob er das nur wegen des Backpacker Images macht. Ähnlich wie Kanye West in dem Dilated Peoples Video This Way. Seine Antwort: was?
Sowieso wirkte er ziemlich neben der Spur. Er grinste debil und machte HipHop Gesten für die Fotografierenden. Den habe ich schon mal fitter gesehen, das muss ausgerechnet ich sagen. Aber eben auch noch nie persönlich getroffen.


RA the Rugged Man ist ein Highlight, genau wie Sido. Es scheint so, als ob sich alle das Backpacker Image auf die Fahne geschrieben haben. Sido kam im Hoody und Baggy Pants und wurde von mir erst gar nicht erkannt, sah ich ihn doch erst letztens gestriegelt auf MTV.
RA the Rugged Man, der arrogante Sack, wollte mir, solange ich ihm nicht sein Album abkaufe, nur eine von zwei Wurstpappen unterschreiben. Man sieht sich immer zweimal im Leben und in Bremen sogar öfters. Junge. Die Atzen füllen das Bühnenbild mit Menschen auf und springen vergnügt umher. Da musst du echt Lust zu haben, sonst gibt einem das nichts.

RA the rugged Man

Olli Banjo

die Atzen

Bis zum Zug zurück nach Bremen fehlen mir ein paar Minuten. Den Fotos zufolge, waren wir noch In-Door und sind dort abgehottet. Okay, mag stimmen.
Es ist ein netter Zufall, dass in Hannover gerade wieder Vorausscheidungen für die Feuerwerks WM stattfinden.


In Eystrup steigen Patrick und Konsorten dazu. Sie wollen nach Bremen in den NFF Club. Ich komme spontan mit. Danach noch Tower.

Türsteher: „Ihr kommt hier nicht mehr rein.“
Ich: „Wieso das denn bitte?“
Ts: „Ihr seid zu besoffen!“
Ich: „Na, könnte denn ein Besoffener sich noch so klar artikulieren?“
Ts: „Was?“
Ich: „Artikulieren!“
Ts: „Na gut, kommt rein.“

Was war das denn eben? Ich meine nicht die Inkonsequenz des Türstehers, sondern meine sprachliche Meisterleistung. Ich war so muff, die hätten mich in keine Ausnüchterungszelle mehr reingelassen. Selbst Schuld.

Freitag, 23. September 2011

Namaste

„Glückliche Tage sind kurz.“ indisches Sprichwort

Diana und ich werden in der Zeit in Indien das Internet nutzen und intensiv einen interessanten Reiseblog inszenieren. Wie das Wetter dort ist und so.

Da ich mir wie gewohnt beim Bloggen keine Zwänge auferlege, wird dies recht unregelmäßig passieren und die Beiträge vermutlich hauptsächlich schnoddriges Geschwafel über nicht nachvollziehbare, kulturelle Unzulänglichkeiten Unterschiede enthalten. Alles aus der Ich-Perspektive mit einem leidvollen Unterton, um sicherzugehen, dass es nach mir klingt. Aber keine Sorge, Diana zaubert allen am Ende wieder ein Lachen ins Gesicht. So ist es abgemacht.

Mir wird der Umstand den Rest des Jahres bei 30° Celsius und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit zu verbringen, wohl erst mit meinem letzten Arbeitstag am Dienstag so richtig bewusst. Meine Recherchen beschränkten sich bisher auf ein paar Erfahrungsberichte und Filme. Nicht Bollywood! Ich habe gelernt nicht mit der linken Hand zu essen und mich geistig bereits damit abgefunden eine Woche krankheitsbedingt durchausfallen zu lassen. Das wird unumgänglich sein, wie mir aus diversen Erzählungen scheint. Ich habe eine Liste mit Besorgungen, die Laufe ich nächste Woche ab. Das wichtigste ist vorhanden. Das Adressbuch füllt sich langsam, obwohl ich mir sicher bin, dass ich eher aus Indien wieder hier sein werde als die Post, dennoch, die Geste zählt, und dem indischen Dresscode muss ich auch noch entsprechen.
Vor dem Abflug schreibe ich einen letzten Schwank zur aktuellen Lage, danach geht es nach Mumbai/ Goa. So weit, so hippiesk.

Morgen gibt es hier aufgewärmte Vergangenheit serviert. Exklusive Tagebucheinträge von vor eineinhalb Jahren. Mit tollen Cameo Auftritten von Hendrik, Timo, Judith, Paul uva. Enjoy.

Mittwoch, 21. September 2011

I left my wallet in El Segundo

“Yo, it was a brown wallet, it had props numbers
Had my jimmy hats I got to get it man” Q-Tip

Ich sah die Aktion bei anderen Bloggern und dachte mir, das ist interessant und schnell niedergeschrieben. Der Inhalt meines Portemonnaies. Ich habe einen unheimlich pragmatischen, langweiligen Brieftascheninhalt.





Portemonnaie
Mein Portemonnaie selber ist aus schwarzen Echtleder. Es war ein Angebot bei Famila für 6 Euro. Vorher besaß ich eine beige Geldbörse, die war beim Fußball leichter in der Wertsachentüte wiederzufinden. Nach Grünspanbefall ist sie nun wieder klassisch.

Comdirect Visa Card
Bisher ausschließlich für Flüge und Amazon Bestellungen genutzt. Dabei soll man damit angeblich an gekennzeichneten Automaten im Ausland gebührenlos Geld abheben können. Ich werde es herausfinden.

Bahnkart 50
Hat sich schnell amortisiert. Für mich als Bahn Fan ein Muss.

EC Karte
Funktioniert nur kostenlos bei Banken, die der Cash Group angehören. Einmal zähle ich sie alle auf, damit man nicht mehr so verunsichert vor den Automaten steht: Bankhaus Neelmeyer AG, UniCredit Bank AG – HypoVereinsbank, Berliner Bank AG Co. KG, comdirect bank AG, Commerzbank AG, DAB bank AG, Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Privat- und Geschäftskunden AG, Deutsche Postbank AG, norisbank GmbH

Führerschein
B. Also Auto. Und das auch nur gerade so.

AOK Kassenkarte
Ich gehöre zu denen, die die Krankenkassenbeiträge mit ihrer Hypochondrie hochtreiben.

BoB Karte
Bremen halt. Alles leicht mit der Bahn zu erreichen. Wirklich sparen tut man nichts mittels BoB Karte, aber nicht selten reicht das gelangweilte hinhalten der Karte, um den Kontrolleur zu beschwichtigen. Dem interessiert nicht wirklich, ob du dir einen Fahrschein gelöst hast. Es kann natürlich auch das genaue Gegenteil eintreten.

Comdirect Infokarte
Alle wichtigen Bank Informationen auf einer Karte. Und der mahnende Hinweis auf gar keinen Fall seine Geheimnummer dort zu notieren.

Bibliotheksausweis
Oder Bibo Ausweis, wie man es in der Mensa manchmal hört. Wer keinen Bibliotheksausweis besitzt, ist mir suspekt. Für einen Obolus bekommt man ein riesiges Angebot an Medien gestellt. Wer da nicht ja zu sagt, ist womöglich dumm.

Fitnessstudio Mitgliedskarte
Und wo geht man hin, wenn nicht in die Bibliothek? genau, ins Fitnesstudio. Wie gesagt, man muss beides können, richtig zitieren und mit Autowracks um sich werfen.

Schlüssel Karte
Für die Eingangstüren im Bürogebäude. Einfach das Portemonnaie ranhalten, der Kartenleser funktioniert auch durch das fragwürdige Leder hindurch.

Cambio Car Sharing
Ebenfalls von der Arbeit gestellt bekommen. Bremen ist eine der wenigen Städte, die das Car Sharing testen dürfen. In meinen Augen funktioniert es. Für mich privat wäre es aber nichts.

Play City Videothekenkarte
Von dem kleinen Videothekenladen um die Ecke. Guter Service, gute Auswahl und man darf dort rauchen und alles mit seinen Nikotinfingern angrabbeln.

Personalausweis
Eine von vielen Identitäten. Eigentlich habt ihr schon zuviel gesehen…

Mc Donalds Essensrabattmarke
Ich dachte erst, es wäre ein Schnäppchen. 2 Cheesburger + mittlere Pommes und Cola für 3,99€.
Einzeln gekauft landet man bei 5,58€. Man spart also 1,59€, die mittlere Cola quasi, auf die man eh nie Bock hat. Den Schnipsel schmeiße ich Montag weg. Ürbigens ein Big Mac kostet 3,59€, das muss man sich mal vorstellen. 7 Mark, soviel wie ein Döner. Wo sind denn da die Relationen?

Leergutbons vom Shopblogger Björn Harste im Gesamtwert von 1,77€
Ich bin zu faul für die Pfennigbeträge mich an der Kasse anzustellen und zu sparsam um beim Sparmarkt einzukaufen. Der Spar ist aber der einzige Laden in der nähe, dessen Leergutautomaten alle Flaschentypen annimmt. Wenn er denn funktioniert.

Leergutbon vom E-aktiv
Einmal war ich auch im vorbeigehen beim Edeka.

Den Döner Pass habe ich bereits entsorgt. Das Döner Kartell hat den Laden aufgrund von Dumping Preisen (2,50€ für einen vollwertigen Döner) geschlossen, noch bevor ich einen Gratis Döner abgreifen konnte.
Visitenkarten schmeiße ich grundsätzlich direkt in den Müll oder gebe sie weiter, falls jemand seinen Kaugummi loswerden möchte. Geld war auch mal drin.

Freitag, 16. September 2011

Eintrag aus den Kriegstagebüchern

"Dieser Zustand ist nicht tanzbar
ich schlage Wurzeln und das nicht aus Verlegenheit
sondern aus Angst davor,
daß es, weil es immer so war, auch so bleibt" Blumfeld

Ab nächster Woche, Samstag den 24. September erscheint hier eine ganze Woche aus dem Tagebuch von Dein Lieblingsmensch: Adoleszenz Nightmare. Ich wollte die sehr privaten Texte nicht liegen und Rost ansetzen lassen. Dafür halte ich sie für zu okay. Außerdem bekomme ich so viel Beitrag für wenig Aufwand. Die Woche, um die es sich handelt, geht vom 29. Mai bis 04. Juni 2010 und startet furios mit dem Ex-Festival One Love in Hannover.

Dienstag, 6. September 2011

Dein Lieblingsmensch in Indien

"Come back to the middle, Come back to the middle
Don't make no mind about falling down
'Cause it's when you're in that valley
You can see both sides more clearly" India Arie

Der Flug ist gebucht, das Visum beantragt, der Impfstoff bereitgestellt und eine Zwischenmieterin ist ebenfalls gefunden. Es geht ab Oktober für zehn Wochen nach Indien. Genauer nach Mumbai und Goa. Vorerst. Was ich dort genau will, kann ich nicht sagen. Jedenfalls nichts Konkretes. Da sein, oder besser: weg sein, ist der hauptsächliche Beweggrund. Falls sich jemand wirklich für solche Nebensächlichkeiten im Detail interessiert, dem kann ich gerne erzählen was ich dort gemacht habe, wenn ich wieder hier bin.

Was weiß ich über Indien? Das Klischee von überladenen Bussen, an deren Dächern sich die Inder festhalten um mitzukommen, von mitnehmen kann nicht die Rede sein, das scharfe Essen, der Hinduismus, Bollywood, Hitze wie in einem Backofen, Armut, Armut, Armut, Menschen, Menschen, Menschen… und Montezumas Rache ist mir letztendlich auch ein Begriff. Was Christian kracht über Goa geschrieben hat, habe ich bereits vor Jahren gelesen, genauso wie einen Roman über das Backpacker Reisen in Indien. Beides von 1998. Was ich weiß, ist also nicht besonders viel.

Klar ist, es wird sehr belastend und alles neu sein. Ich werde mich vermutlich nach den Zeiten zurücksehnen, in denen ich es für umständlich hielt ein Visum für Indien zu beantragen. Aber darauf lege ich es ja an. In Deutschland kann jeder umschalten wenn es ihnen zu elendig wird. Wenn sie es mal täten.
Ich verspreche mir von der Reise weder die Welt, noch Indien. Das einzige was ich mir verspreche, ist eine gute Zeit. Gut im Sinne von intensiv und aufschlussreich. Die Neugierde ist sehr groß, ob die über Jahre gewachsenen Ideologien überall so gut funktionieren oder nur am Ort der Inspiration. Zudem traue ich es mir zu, den einen oder anderen Eindruck mitzubringen.

Warum ausgerechnet Indien kann ich nicht sagen. Für mich sollte das Reiseziel auf gar keinen Fall ein dämliches Machtland sein, aufgrund dieser Bedingung fallen ja schon viele Länder weg.
...
Im Grunde werde ich von Diana mitgenommen. Sie ist es auch, die in den vorangegangenen, stressigen Wochen die Vorfreude hochhielt und sich mit Kultur, Land und Menschen genauer beschäftigte, während ich ein bisschen um mich selbst kreiste.

Zu selten rede und schreibe ich mit Leuten, die bereits Erfahrungen in Indien gesammelt haben. Was mich beruhigt, ihnen sieht oder merkt man diese Erfahrung nicht auf Anhieb an. Das ist ja bekanntlich das Schlimmste und Langweiligste an Menschen, wenn sie aus ihrem Auslandsaufenthalt wiederkommen und nur noch landesspezifisch denken, jedes Thema auf ihre kleinen Einblicke zurückführen und meinen, sie hätten es nicht nur begriffen, sondern sich davon sogar freigemacht. Was auch immer mit es gemeint ist. Der böse Kapitalist womöglich.

Ich nehme Tipps gerne entgegen. Der Dialog ist angenehmer als zu versuchen sich etwas in schlecht geschriebenen Reiseblogs anzulesen. Selbst die Stechmücken und Hitze Themen sind noch Thema genug.

Falls wer unleserliche, weil handgeschriebene Post (Brief) aus Indien bekommen möchte, der darf seine Adresse und seinen echten Namen! an meine eMail Adresse senden oder mich sonst wie kontaktieren. Sind ja hier unter uns.

Freitag, 2. September 2011

Wer kommt denn noch?

"Bist du auch alleine hier? Nee, ich auch nicht" Dendemann

„Wer kommt denn noch“ – Mädchen, so nannte ich damals eine überschaubare Gruppe von Mädels, die bei Einladungen oder einfachen Bescheidsagungen von anstehenden Gelagen oder gar bei den simpelsten Aktivitäten fragen mussten, wer denn noch alles so teilnehmen würde. Wir wohnten alle auf demselben Fleckchen Erde, nicht weit von einander entfernt. Für mich war es eine Selbstverständlichkeit, dass bei einem Ausflug an den See oder auf das nächste Dorffest bei den Kumpels angefragt wurde: wie, wo, wann, was. Der Event und das Zusammensein standen stets im Vordergrund. Allein die angesprochenen Mädels fragten zusätzlich noch: wer? Wer kommt denn noch?

Mal davon abgesehen, dass die Frage impliziert, man genüge nicht, war sie auf eine asoziale Art gerechtfertigt. Wir waren viele und selbst der Stamm bestand nicht grundsätzlich aus denselben Leuten. Traf mich die Frage, zählte ich genervt ein paar Namen auf, darauf bedacht genügend Frauennamen fallen zu lassen, damit das Verhältnis stimmte und jemand da war, mit dem sie auf die Toilette gehen konnte. Die Menge an Leuten war natürlich nicht entscheidend, man musste den richtigen Namen nennen, bzw. die falschen weglassen.
Richtige Namen: Typen, die gerade wieder solo waren.
Falsche Namen: Exfreunde oder Ranschmeißer.

Ich habe mir im Laufe der Zeit aus der Aufzählung einen Spaß gemacht, taktiert, welcher Name denn nun der ausschlaggebende ist, wer ist gerade aktuell. Wenn die Zeit knapp, die Party klein oder das Mädel zu dumm war, mein Augenverdrehen konnte sie am Telefon ja nicht sehen, fragte ich direkt nach den Namen, auf den sie wartete. Das wurde grundsätzlich mit einem „Ey, darum frage ich gar nicht, ich möchte nur nicht die einzige sein die mit dem Rad nach Hause muss.“, quittiert. Oder ähnlich interessante Begründungen, die übrigens nie eintrafen, sonst hätte man sie ja ohne weiteres geglaubt.

Was ich mir zu der Zeit fest vorgenommen hatte, aber nie zur Umsetzungen kam, war eine Party zu veranstalten auf der ausschließlich „Wer kommt denn noch“ – Mädchen erscheinen sollten. Durch geschicktes taktieren am Telefon hätte das mit Sicherheit hingehauen. Man muss halt nur die gegenseitigen Rückfragen unter den Mädels berücksichtigen. Es durften sich keine Widersprüche einschleichen. Das wäre doch was gewesen, die blöden Gesichter hätte ich gerne gesehen. „Die anderen haben abgesagt, dumm gelaufen, was machen wir denn nun?“

Hach, ich gebe zu, das habe ich versäumt. Die Gelegenheit einer Einladung eines der „Wkdn“ – Mädchen mit selbiger Frage zu begegnen, besteht dagegen weiterhin. Bei Hochzeiten, runde Geburtstagen oder Beerdigungen, sehe ich meine Chance. Da ist noch alles drin. Früher kam es nie dazu, die haben irgendwie nie großartig eingeladen… hm.

Zugegeben, mir ging das ständige Nachfragen ziemlich auf die Nerven. Zum einen, weil es eine einfache Sache vollkommen verkomplizierte, zum anderen das bereits angesprochene Abwerten gewisser Personen. Ihr Verhalten kam und kommt gerade wieder sehr divenhaft rüber, als wollten die Damen das nichtvorhandene Niveau mit Handtasche und Stöckelschuhen verteidigen, dabei waren sie vom Typ her eher grob - gesagt unterhaltsam, kumpelhaft oder einfach nur da. Das augenscheinliche Niveau, und im Nachhinein bin ich niemanden böse wenn er behauptet, dass es damals genau darum ging, wussten wir schon unten zu halten. Dafür waren wir bekannt.

Nachdem ich alle voraussichtlich anwesenden Personen an die „Wkdn“ – Mädchen denunziert hatte, war die schlimmste Reaktion darauf ein „Mal sehen“. Kein Ja, kein Nein. Das konnte nur eines bedeuten: Ich hatte einen Prozess in gang gesetzt. Die „Wkdn“ – Mädchen berieten sich untereinander, ob das Material denn auch genug Potenzial hat, um ihr Erscheinen zu rechtfertigen.

Wie gesagt, wir trafen uns schlicht, ein paar gesellige Menschen, die ihren Spaß hatten. Der planerische Aufwand war gering, bzw. schissen wir ins gemachte Bett. Eine einfache Sache. Nicht selten erhielt ich um 24 Uhr eine SMS, sie kämen eventuell noch vorbei, wer denn alles da sei? Reiner Hohn, zumal ich zu der Uhrzeit schon gar nicht mehr daran dachte. Grundsätzlich „Ich“ zu antworten, habe ich mich nie getraut, das verlegende Ausweichen, ja nun, du, du bist ja eh immer dabei…, wäre für alle Beteiligten peinlich geworden, aber vielleicht mal notwendig gewesen.

Der Grund weshalb ich trotzdem immer wieder bescheid gab, bzw. anfragte, ist so simple wie man sich das eben vorstellt.