Freitag, 23. Juli 2010

Funky for you III

„I'm gonna make it real funky for you“ Nice & Smooth

An Zufall glaubte ich bei ihr schon lange nicht mehr. Inszeniert wirkte es aber auch nie. Es passte einfach. Mit solchen Dingen wie einer Affinität zu Anime Serien oder allgemein zum Comic hält man lieber hinter dem Berg wenn man sich als potenzieller Geschlechtspartner etablieren möchte. Zum Glück hat sie damit angefangen. Aus Langeweile mal erwähnt, dass die neue Dragonball Z Staffel ziemlich lahm und außerdem bereits jedem aus den Mangas bekannt sei. Ich kannte den Kram, weil ich zu jener Zeit täglich den Bus am Bahnhof nehmen musste und zum Zeitvertreib die Manga Hefte im Bahnhofskiosk las. Das ging schnell und war unterhaltsam. Sie kannte die Serie von einem befreundeten Comiczeichner. Na toll, sie hängt mit interessanten Super Urban-Typen ab, während ich am Bahnhof rumlunger. Mittlerweile stand es 3:0 für sie.

Verrückt was einem so durch den Kopf geht während man vom Beifahrersitz aus versucht die komplette Gangschaltung wieder in die dafür vorgesehene Halterung, ich glaube Getriebe heißt das, zu bekommen. Beim Hochschalten hatte sie den Knauf samt Hebel plötzlich in der Hand. Ich rühre in der Mittelkonsole rum wie ein Irrer. Um die Dramaturgie zu unterstreichen, schlingert sie demonstrativ mit dem Lenkrad umher und schreit dabei gekünstelt. Was ist das denn für ein scheiß Spaß? Jetzt rühren wir gemeinsam. Einer sollte besser mal lenken. Irgendwann rastet der Hebel wieder ein, alles gut. Ich selbst habe keinen Führerschein, kann mir aber denken, dass so ein Verhalten nicht der Straßenverkehrsordnung entspricht.
Sie fährt einen unkaputtbaren, trotzdem ziemlich verschlissenen, Pick up Truck (4:0). Nicht so einen übertrieben coolen Pick up wie Colt Sievers ihn fährt, eher so das Modell Howie Munson. Dennoch verliert man schnell den Respekt vor gegnerischen Autos und Straßengräben.

- Was war das denn eben?
- Das hat der manchmal. Schlimmer ist, wenn das Tape-Deck Anstalten macht.
- Aber du hättest doch wenigstens vom Gas gehen können.
- Das ist nicht gut für den Motor, wenn man so rumschleicht. Komm, ich lade dich zum Essen ein. Also McDonalds…

Yes, mit einem Pick up durch den Drive In. Ein Kindheitstraum, den ich erst seit ein paar Wochen habe, erfüllt sich. Es ist tatsächlich so cool wie man sich das vorstellt. Auf dem Parkplatz stellen wir uns in die einzige freie Parklücke, die genug Platz bietet. Die Burger teilen wir akribisch in Fleisch und nicht Fleisch unter uns auf (4:1). Es lief, wie die meiste Zeit, Soulmusik. Sie ist schon länger dabei (5:1), für mich hingegen eröffnete sich ein ganz neues Genre. Frauen, die Soulmusik hören und etwas damit anfangen können, sind per se klasse. Erst dachte ich, sie will auf das Erwachsenenimage raus und Jazz sei ihr dafür zu verkopft, aber sie lebt das. Egal wie das klingt.
Barry White, Al Green, Marvin Gaye, Curtis Mayfield und wie sie alle heißen, zeigen einem stilvoll auf wie das funktioniert, so zu zweit. „Komm Baby, ich mache dir den Barry White.“ Immer noch einer meiner favorisierten Körbe.

Es läuft gerade der Klassiker Respect von Aretha Franklin. Neben uns im Auto beißt ein etwas korpulenterer Herr in seinen Big Mac. Schön genüsslich im Zeitlupentempo, als ob er dafür bezahlt werden würde. „Just a little bit, just a little bit“, singt Aretha. Wie wahr und einen Lacher wert. Von oben herunter fühlt man sich nicht so beobachtet und kann sich richtig auslassen.
Ich will meine Füße auf das Armaturenbrett verfrachten, nur bin ich zu groß dafür. Die Sitze lassen überhaupt kein Spiel zu. Peinlich wie das aussieht.

- Was ist eigentlich in der Kiste drin? Die, die auf der Ladefläche steht?

Ich kann es mir denken. Eine Abdeckplane und darunter bestimmt Maschinengewehre.

- Meine Liebhaber.
- Na, viele können das ja nicht sein.
- Klein gehackt.
- Ohh. Kay.

Wir unterhalten uns darüber wie peinlich es ist, jemanden Liebesgrüße via Laken oder Sonstigem das man so an Straßenbrücken befestigen kann, zu übermitteln. Joa, finde ich jetzt nicht. Um ehrlich zu sein, entsprach das schon meiner Vorstellung von maximaler Romantik. Abgesehen von der Barry White Nummer natürlich. Dann kann ich das ja von der Liste streichen. Auf Ewig. 6:1, der Tag geht deutlich an sie.

Donnerstag, 22. Juli 2010

Der Sommer ist für alle da

"She's got the look
What in the world can make a brown-eyed girl turn blue
When everything I'll ever do I'll do for you" Roxette

Das mit dem etwas kühleren Wetter kommt mir eigentlich entgegen. Ich habe mir vor ungefähr einem Monat zwei Pullover für insgesamt 90 Euro gekauft. Wie alle meine Sachen: runtergesetzt. Einen schwarzen Hilfiger Pullover und einen schwarzen Hugo Boss Pullover. Fühlen sich beide grandios an. Allein der Boss Pulli hätte 90 Schleifen gekostet. Jedenfalls trage ich die jetzt während der dunkleren Phase des Rekordsommers.

Apropos Sommer. Wie die Leute mit der Sonne umgehen kommt mir etwas affektiert vor. Als ob die sämtliche Vorgaben aus der Werbung 1:1 übernehmen. Frisuren, Look, Freizeitgestaltung. Das wird jetzt kein beleidigter Artikel über Flip Flop Idioten oder Sonnenbrillen Affen. Keine Panik.
Nur, was mir aufgefallen ist, blondierte Typen tragen immer gelb. Auf Mallorca hätten wir fast den falschen Kameraden in unsere Gruppe eingeschlossen, weil jener identisch aussah wie unser, von zu Hause mitgebrachter, Freund der Haartönungen. Was ebenfalls gar nicht geht, ist der V-Auschnitt bei T-Shirts oder überhaupt. Das sieht so schmierig aus. Die passende Hühnerbrust dahinter kombiniert meist Slipper dazu und ist auch ansonsten schlecht beraten.
Gut finde ich die Römersandalen bei den Frauen. Sieht gut aus. Röcke bleiben hingegen diesen Sommer wohl aus. Dabei ist die Versuchung doch groß einen Legionärs-Look nachzuahmen. Oder darf man das nicht? Ich kenne mich in der Hinsicht nicht genügend aus. In der Fußgängerzone entdecke ich beim hinterher schauen jedenfalls nur Hotpants, die im Winter wahrscheinlich wieder als Gürtel ihre Verwendung finden.
Aber warum nicht? Kann man anbieten. Und da diese Seite gerade dabei ist völlig zu einem Fashion Blog zu mutieren… liebe Leute, seht doch zu, dass das Kopfhörerkabel UNTER eurer Kleidung entlangläuft, anstatt freizügig vor euch herzubaumeln. Das sieht ziemlich spackig aus. Ich vermute sogar, dass überhaupt gar keine Musik aus den Kopfhörern kommt. Genauso gut könnte man mit einem Butterbrot in der Hand durch die Fußgängerzone latschen. Neben Leuten, die mit Pizza, Bürger, Gebäck oder Eis in ihrer Hand aufwarten, sieht man aus wie auf einem Schulausflug. 8. Klasse. Das traut sich ja auch keiner. Also bitte.
Über Frauen, die sich mit den Gurten ihrer Umhängetaschen die Möpse spalten, darf man womöglich nichts sagen. Ist der Situation geschuldet. Pure Ästhetik, dieser Sommer.

Eingestreut: an diesen Text möchte ich gerne diesen Text von Christoph Schlingesief anhängen. Christoph steht über der Rechtschreibung und die Zeit, sich nochmals einen Text durchlesen, hat er nicht. Wie aus dem Text hervorgeht. Aber wieder mal dankenswert wahre Worte. Der Schlingensief Beitrag funktioniert übrigens unabhängig von dem anderen Geschmiere.

Mal was anderes. Seitdem ich nackt schlafe, muss ich stets zu einer bestimmten Uhrzeit auf die Toilette. Sieht da noch jemand einen Zusammenhang?

Dienstag, 20. Juli 2010

Das Streben nach Glück

"Wenn ich zurück könnte, Zeiten zurückdrehen,
würd ich so viel von der ganzen Scheiße zurücknehmen.
doch es führt kein Weg zurück.
darum, blick ich nach vorn und streb nach Glück." Curse

„Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied und Pizza ist wie HipHop weder schlecht noch recht beliebt.“ Dendemann

"Ich bin ganz mein sonniges Selbst." Patrick Bateman

Lieben und Lachen, mehr braucht der Mensch nicht zum glücklich sein. Stimmt erstmal. Glück ist zum Glück kein Dauerzustand, das ist klar. Darauf möchte ich auch gar nicht hinaus. Was mir abhandengekommen ist, ist ein Leitgedanke, eine von vornherein klare Ideologie, so etwas wie ein persönlicher Hedonismus, der die seelischen Talfahrten adaptiert, etwas, das mir was gibt, voran man festhalten kann. Früher habe ich mich sehr auf den HipHop und Fußball gestützt. Es steckt natürlich mehr als nur Musik und Sport dahinter, das sollte klar sein. Mit Gewissheit kann ich nur sagen, die Arbeit ist es nicht, die diesen Platz einnimmt. Zurzeit lebe ich ganz gut mit einem: nur weil ich nicht weiß wohin es wie weitergeht, heißt das noch lange nicht, dass es scheiße wird.

EDIT

Zum Beispiel fuhr ich letztens über die Autobahn, die Sonne war da, drängte sich aber nicht unangenehm auf, im CD-Player lief Gang Starr mit I´m the Man. Es fühlte sich alles richtig an. Ich höre HipHop seit der zweiten Stunde, also ab dem Moment, ab dem ich alt genug war, um diese Musik zu würdigen. Es war aber eben nur ein nachvollzogenes Glücksgefühl. Vor einer Woche stand ich auf dem Balkon, wieder Sonne, und ich hörte das Instrumental von Curse Hand hoch. Eine absolut stimmige Konstellation. Aber erst die Erinnerungen an bessere Tage ließen die Situation so stimmig erscheinen. Wirklich festhalten konnte ich den Moment natürlich nicht. Das Glück dahinter lässt sich nur zeitweilig simulieren. Ich würde diese Momente gerne mit einer Idee davon wie es weitergeht verbinden können. Überflüssig zu erwähnen, dass es mir nicht gelingt. Ich halte Nostalgie für eine gefährliche Sache. Gerade mit 27. Es ist ja ganz schön, wenn Erinnerungen einen aufheitern, aber es ist leider die falsche Richtung. Dasselbe Gefühl würde ich gerne mit nach vorne nehmen.

Musik ist für mich ein wichtiger Indikator für das Glück. Das behauptet wahrscheinlich jeder der etwas auf sich hält. Musik darf ja jeder für sich beanspruchen. Musik hat einen durchweg guten Ruf, da lehnt man sich gerne an. Man kennt das von Leuten, die auf ihrer Facebook Seite ständig ihren derzeitigen, möchtegern individuellen, Musikgeschmack kundtun. Musik ist halt hyper inflationiert.
Bei mir ist das schon ernst gemeint, weit weg von angestrebten Images und Attributen. Mein Vorteil ist es, dass ich von vornherein immer etwas mit Musik und den einzelnen Songs verbunden habe. Viel mehr als nur aktuell, beliebt oder interessiert zu sein.
Ich dachte tatsächlich mal vor dem Release eines heißbegehrten Albums: Ab dann wird alles besser. Wurde es nicht. Verrückt.

Die Assoziation mit filmischen Augenblicken macht mich ebenfalls kurzzeitig glücklich.
Es ist wie mit der inszenierten Musik, nur in bildlicher Form. Ich mag den Begriff Kopfkino nicht. Er wird von Menschen benutzt, denen ich gerne jegliche Fantasie absprechen möchte, zudem klingt der Begriff grenzdebil. Jedes Mal wenn ich Schauplätze oder Gegebenheiten antreffe, die ich trotz aller Übertreibungen aus Filmen als positiv, geschmackvoll oder richtig wiedererkenne, überkommt mich das Gefühl von „richtige Zeit, richtiger Ort“. Nehmt zum Beispiel Städte, wie sie in Filmen porträtiert werden. Trifft man so etwas in der Realität an, dann beschleicht mich eine unheimliche Zufriedenheit. Am besten singt dann noch Frank Sinatra That´s Life, aber muss nicht. Festhalten kann ich diese Momente leider ebenfalls nicht. Nur registrieren und bestenfalls mitnehmen.

Natürlich gibt es auch glückliche Momente, die weder inszeniert, noch auf Erinnerungen beruhen, die uneingeschränkt in der Gegenwart stattfinden. Nur erlebe ich diese selten alleine. Ich fühle mich vom Glück der anderen abhängig. Früher war das anders. Da bin ich mir sicher. Da habe ich die Dinge von einem anderen Standpunkt aus betrachtet. Außerdem war ich leichter zu begeistern. Es ist nicht so, dass der Pessimismus im Hause Lieblingsmensch eingezogen ist, es ist eher eine natürlich gewachsene Sichtweise, die mich darauf brachte mehr Leid auf mich zunehmen, mehr auf Verzicht zu setzen. Die Idee dahinter ist manchmal so einleuchtend, leider aber auch nur manchmal. Eins ist sicher, wenn das jeder tun würde, wäre alles um einiges leichter. Die Rechnung ist ganz einfach. Anstatt:

Ich – Leid = Glück

Dachte ich mir:

Leid / Alle = Glück

Nur doof, wenn keiner mitmacht. Alle setzen im Leben immer auf Sieg und wollen ganz vorne mit dabei sein. Verständlich. Da ist es besser, wenn man sich selbst von Enttäuschungen und sonstigem Gedöns frei machen kann, jegliches Risiko für die eigene Gefühlswelt delegiert. Irgendwo muss das Risiko ja hin, ganz nach der Zauberformel: Ich – Leid = Glück.

Dennoch bleibe ich dabei: alleine wird man nicht glücklich.
Jaja, Wahnsinns Erkenntnis, ich weiß, danke danke.
Loyalität geht vor Integrität. Als absolut integre Persönlichkeit, fiel mir das anfangs ziemlich schwer. Ihr merkt schon, mit mir kann man keinen Krieg gewinnen.
Ich teile es sogar mit, wenn ich einen Moment richtig feiern kann. Vielleicht ist mein: „Ich bin gerade, genau in diesem Augenblick, sauglückselig“, etwas übertrieben und peinlich, aber ich weiß ja, dass die anderen das genau so brauchen wie ich. Auch wenn sie es selbst nicht wissen. Wirklich Glück hervorbringen, kann man vermutlich nur so.



Mir geht es übrigens gut. All the Best.

Mittwoch, 7. Juli 2010

Vergnügungsdampfer

"I was looking for some action
But all I found was cigarettes and alcohol" Oasis

Schaust du auch hier
Warum fangen Menschen an zu rauchen? An der Schule, wo wahrscheinlich die meisten Raucher ihre erste Zigarette geraucht haben, sind sicherlich die Gründe die geliehene Coolness und das sozial auffällige Umfällt. In zahlreichen Anekdoten, die sich alle stark ähneln, geht es ums weglaufen und verstecken vor den Lehrern und manchmal wurde es sogar richtig brenzlig. Hui Hui. Anekdoten haben einen viel zu guten Ruf, als dass jemand mal darauf käme zu erwähnen, wie bekackt und anstrengend das früher alles war. Beziehungsweise gewesen sein muss.
Für mich war das nämlich nie etwas. Alle Raucherkinder auf meiner Schule waren auffällig schlecht in selbiger und bekamen Sonderurlaub, weil es familieninterne Schwierigkeiten gab.

Rauchen ist erstmal nicht besonders lukrativ. Es kostet ein Vermögen, macht die Organe kaputt und es hetzt einem die militanten Nichtraucher auf den Hals. Das schlimmste daran ist jedoch dieses schreckliche Suchtverhalten, wofür ich überhaut kein Verständnis habe. Einmal Raucher, immer Raucher. Zudem behaupte ich, dass es Männern nicht steht, wenn sie rauchen. Wirklich nur in den seltensten Fällen und Gegebenheiten. So wie die Pfeife erst ab einem gewissen Alter nach Genuss und Verdienst aussieht. Eine Gruppe von Rauchern zum Beispiel sieht immer verbannt und etwas traurig aus. Da kann dann selbst Johnny Depp rauchend dazwischen stehen. In Kneipen ist der Dunst ein wichtiger Faktor für das Flair, aber alleinig dafür verantwortlich sein, möchte ich auch nicht.

Die Uncoolen fangen also mit dem rauchen an, weil sie zu den Coolen gehören wollen, ok. Aber warum fangen die Coolen an zu rauchen?

Meine Bewunderung gegenüber Oasis ist der Grund, warum ich mit circa 25 Jahren angefangen habe zu rauchen. Martin und ich beschlossen nur zu rauchen, wenn auf Partys ein Oasis Song läuft. Als anerkennende Geste, so wie die Friedenspfeife. Alles andere wäre Verschwendung der kostbaren Kondition, die man zum Feiern und zum nach Hause wanken benötigte, gewesen. Zudem finde ich es wichtig, dass man rauchen kann. Also dass man es beherrscht, es gut aussehen zulassen. Lunge, Filmgesten usw. Auf gar keinen Fall darf man anfangen zu husten oder ähnliches. Das wäre so, als wenn man bei seinem ersten Tattoo anfängt zu weinen. Ich halte nichts von Tätowierungen, aber Schmerz sollte man kennen.

Es funktionierte prima. Die erste Zeit. Der richtige Augenblick für eine Zigarette wurde irgendwann auf das Stimmungsbild ausgedehnt. Betrunken ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Stimmung, dennoch wird immer darauf geachtet, dass die Geste stimmt. Wie mit dem Alkohol, wird mir beim Nikotin allein der "Rauschzustand" nie etwas geben können.
Über die Zeit hat sich für mich ein apodiktisches Schema eingependelt.
  • Ich rauche nur in Verbindung mit Alkohol, was oft gleichbedeutend mit Wochenende ist.
  • Ich kaufe mir nie Zigaretten aus der Reihe, sondern rechne die immer von meinem Wochenendbudget ab. Die Kohle, die du mitnimmst ist eh weg. Dann ist es auch egal wofür.
  • Ich schnorre möglichst, um den Gang zum Automaten zu vermeiden. Die Anstrengung steht nicht im Verhältnis zu meinem Konsum.
  • Ich spendiere gerne und ungefragt Zigaretten aus meiner Packung. Alleine schon um Punkt drei zu rechtfertigen, aber vor allem, weil mir Zigaretten nichts bedeuten.
  • Mir ist die Marke von geschnorten Zigaretten egal. Ich schmecke eh keinen Unterschied.
  • Es geht um die Geste. Zum Beispiel kaufe ich mir Malboro Light im Softpack mit weißem Filter. Allein wegen des Erscheinungsbildes.
  • Ich rauche nie wenn ich alleine bin
  • Beweggrund ist die Stimmung, nie der Moment.
Was wie ein selbst auferlegtes Regelwerk klingt, funktioniert für mich absolut Zwangsfrei. So wie es ist, bleibt es oder ich verliere das Interesse daran.
Ich bezeichne mich nicht als Raucher, genau wie ich mich mit meinem Dreitagebart nicht als Bartträger bezeichne.

Zugegeben, Oasis oder andere Meinungsmacher als Begründung anzuführen ist schwach. Besser hat es ein Kumpel gemacht. Er hat aufgehört zu Trinken und wusste in Diskotheken nicht mehr wohin mit seinen Händen. Das war für ihn ein absolut einleuchtendes Argument mit dem Rauchen anzufangen. Übrigens, die bisher beste Erklärung ein Vegetarier zu sein, ist: das Fleisch steht mir beim Essen zu sehr im Mittelpunkt. Schön, wenn man sich davon frei machen kann. Zweitbeste Ansage: Meine Freundin ist Vegetarierin, was mich auch zu so eine Art Vegetarier macht.

Freitag, 2. Juli 2010

Die Wohnungen der anderen Teil I

"Für manch ein Mieter hats sich nie gelohnt
es wird kein Heim wo keine Liebe wohnt" Dendemann

Mein Job bringt es mit sich, dass ich hin und wieder in die Wohnungen von Privatpersonen einsteigen muss. Natürlich alles mit Termin und freundlichem Lächeln und so weiter.
Wer bei uns mietet ist entweder Hausmeister, durch das soziale Raster gerauscht oder nimmt bewilligend einige Unzulänglichkeiten an der Immobilie in Kauf. Bremen ist schon so ein kleines Königreich. Mit anderen Worten ich treffe in meinem Alltag nicht selten auf Extremfälle.

Einen Vorwurf kann man Niemanden machen, will ich auch gar nicht. Besonders die älteren Herrschaften, bei denen unsere Finanzabteilung gerne auf die natürliche Fluktuation setzt, stehen oft mittellos da und haben sich mehr oder weniger mit ihrer Situation abgefunden, bzw. kennen keinen Anspruch. Oft haben sich diese Menschen schon aufgegeben, sind verwitwet und geben sich keine Mühe mehr nach außen hin irgendetwas darzustellen, das sie nicht sind. Für wen auch?
Ihr Verhalten wird intern gerne als verloddert, oder etwas freundlicher ausgedrückt, als eigenwillig verschrien. Ich hingegen habe da volles Verständnis für. Na gut, einige Eigenwilligkeiten, gerade von den Damen jenseits jeglicher relevanten Zielgruppen, kann ich nur schwer nachvollziehen. Da wäre zum Beispiel die Sammelwut. Damit meine ich kein Messi-Verhalten, wie jemand der auf dem Hinterhof Übersteiger exerziert, genauer meine ich damit das Anhäufen von Puppen oder Werkzeug. Mittlerweile wetten wir vor jeder Begehung, hinter welcher Tür sich das Puppenzimmer der Omi oder die Werkstatt des Opis versteckt. Werkzeug: ok, aber Puppen? Die Dinger waren schon vor Chucky gruselig und ein ganzes Zimmer voll davon kann bei sensiblen Menschen Traumata auslösen. Das verfehlt den eh schon schwer nachvollziehbaren dekorativen Effekt jawohl völlig.
Man stelle sich mal vor, die hätten alle Namen und einen persönlichen Bezug. Woher kommt eine solche Leidenschaft?
Bisher waren alle Oldies nett. Ich habe auch kein Problem damit, mir Kriegsgeschichten anzuhören. Gerne auch zweimal hintereinander, in Bremen sprechen ja fast alle angenehm dialektfrei. Vielmehr tut es mir leid nichts an ihrer rudimentären Wohnsituation ändern zu können, insofern sie das überhaupt wollen.

Das genaue Gegenteil sind die jungen Menschen, die mit dem sozialen Raster. Jedes Mal beim betreten einer dieser Wohnungen, beschleicht mich das Gefühl, die Wände wurden um den Plasma Fernseher herumgemauert. Ein Jugendlicher, nennen wir ihn Kevin, angelehnt an den Film Kevin allein zu Haus, hat den Vogel abgeschossen. Sein Bruder und gleichzeitig Nachbar hatte uns die Wohnung aufgeschlossen. Kevin sollte später nachkommen. Anhand des Nachnamens war uns von vornherein klar, dass hier einer auf den Koran schwört. In der Regel sind gerade diese Wohnungen aufgeräumt. Man erkennt halt, dass zumindest ein Familienmitglied 24 Stunden am Tag den Haushalt führt.
Anders bei Kevin. Er wohnte zwar bei seiner Mutti, nur waren die Eltern gerade im Urlaub. Scheinbar schon seit längerem.
Optisches Highlight war die Treppe. Auf jeder Stufe stand jeweils ein Paar Nike Air. Geputzt.
Die Küche war hingegen nicht geputzt. Überall lagen Pizzaschachteln herum, im Ofen wurde die Wäsche getrocknet und das Spülbecken wurde scheinbar zum Schuhe putzen benutzt.
Das Esszimmer wurde zum Poker Room umfunktioniert. Fressalien, Zigarren und Bier standen noch neben dem Pokerkoffer. Im Wohnzimmer war dann auch der erwartete Plasma Fernseher. Davor stand eine Couch mit Decke und davor platziert ein Heizstrahler. Die Wände waren nicht gedämmt und im Winter, den wir zu der Zeit hatten, ist das ziemlich ungenehm. Auf dem Boden lagen etliche Gangster und Jet Li Filme, auf dem Couchtisch eine kleine, sehr sensibel wirkende Waage und ein halbes dutzend abgepackte Tütchen. Habe ich schon erwähnt, dass wir nur bei terminlicher Absprache zu Besuch kommen? Der Großteil stellt netterweise seine Peinlichkeiten vorübergehend in den Schrank oder sonst wohin.
Die Rede ist von Marihuana. Für ganz dumme ist auf den Tütchen noch ein Hanfblatt abgebildet. Ob er dealt oder wie wir alle einfach nicht gerne beschissen wird, bleibt unklar und war mir auch völlig egal.

Der zweite Stock lieferte uns Kevins Zimmer. Bereits auf dem Flur kamen uns Stapel von Klamotten entgegen. Boss, Diesel, Hilfiger. Ich kenne mich nicht genügend aus um zu sagen ob die alle echt waren oder ob die Eltern die aus dem Türkei Urlaub mitgebracht hatten. Gefälschte Markenklamotten: ja, Steine: nein.
Kevins Zimmertür ging nicht ganz auf. Ein Klamottenberg verweigerte mir den Einlass. Ich musste mich schon reinkämpfen, weshalb meine Kollegin keine Lust hatte nachzukommen. Selber Schuld, so hatte sie das Bräute-Kabinett verpasst. Die Wände hingen voll von namenlosen, nackten Amerikanerinnen. Als Poster, natürlich. Ein Regal, ausgestattet mit einer beeindruckenden Pornosammlung, bedeckte das letzte freie Stück Tapete. Reizüberflutung, zum Glück war das Zimmer nicht besonders groß. Das Schlafzimmer der Eltern war der einzige Raum, in dem ich beim durchqueren nicht auf meine Füße achten musste, dafür stieß ich mir den Kopf an.
Wenn mal keine Pornographie, dann eben Slapstick. Kevin kam nach Hause, allein, und entschuldigte sich mehrmals bei uns für die Unordnung. Jaja, egal. Nach außen hin schien der Typ wie einer der gerne irgendwo öffentlich abhängt. Chillen und so. Er hatte Nike Air an, eine And1 Hose, ein Ed Hardy Shirt und ein buntes Trucker Cap, schief auf den Kopf drapiert. Vom Beruf bestimmt Blogger. Solche Typen scheinen ausschließlich in ihr Image zu investieren. Mein Vater würde uns jetzt über einen Kamm scheren und Luxus-Penner dazu sagen.