Donnerstag, 30. Dezember 2010

Silvester

Wenn ihr privat feiert und nicht wisst was ihr auflegen sollt und sowieso schon immer genau dasselbe am Silvester hören wolltet wie ich, dann lasst ab 18 Uhr DeinLieblingsmensch laufen. Von 18 Uhr bis 9 Uhr läuft auf Shuffle ein angenehmer Musikmatsch aus vielen guten Stücken.

Freitag, 24. Dezember 2010

Vierundzwanzigstes Türchen

Ich kann ja mal erzählen, wie Weihnachten bei uns früher ablief. Vergangenheitsform deshalb, weil vieles mit dem Alter an Magie eingebüßt hat. Vorweg, wir sind eine Kartoffelsalat mit Knackwurst Familie. Das Gericht ist ja so was von unspektakulär, ganz besonders, weil ich es essen musste. Den Satz: Komm, nimm noch eine Wurst, empfand ich damals als eine reine Provokation. Hätte ich den Spruch zu jener Zeit bereits auf der Pfanne gehabt, ich hätte Vaddern zu gerne mal gefragt, was die Knackwurst genießbar macht (A: das n).
Der Kartoffelsalat und die Wasserwurst sind bis heute, wie in so vielen Familien, fester Bestandteil am Heiligabend. Meine Einstellung dazu hat sich jedoch geändert. Heute müssen alle auf mich warten, bis ich restlos aufgegessen habe.

Besinnlichkeit können wir bei uns nicht. Natürlich wird versucht mit Kerzenlicht, Fensterbildern, Kunstschnee und schrecklicher Panflötenmusik eine versöhnliche Atmosphäre zu simulieren, auf Dritte muss das auch so wirken, aber wenn man hautnah den vorangegangenen Aufwand und den dazugehörigen Stress mitbekommen hat, gibt einem das nichts mehr. Die Weihnachtsvorbereitungen waren damals der Horror. Bei einer Saukälte durfte ich Vaddern dabei helfen die Lichterkette an die Giebelseite des Hauses anzunageln. Oft hatte ich dabei nur eine Jogginghose und ein T-Shirt an, weil ich seine beiläufig gestellte Frage, ob ich mal eben mit anfassen könnte, auch genau so interpretiert hatte. Für "mal eben mit anfassen", würde ich mich nicht umzuziehen brauchen, dachte ich jedes Jahr wieder. Es dauerte natürlich ewig bis die Lichterkette an der Wand angebracht war. Aus der Entfernung sollte es wie ein großer Weihnachtsbaum aussehen, also ein nach oben hin spitzes Dreieck bilden. Das hat Vaddern irgendwann mal woanders gesehen und für gut befunden. Recht erbärmlich sah das in meinen Augen aus. Nicht selten wurde der „Baum“ auf dem Schulhof zum Zentrum des Spotts.
Ich stand also in der Kälte, hielt die Leiter fest, fror, reichte Lichterkette nach, peinlichst bemüht, dass die Lampen dabei nicht an die Hauswand schlugen und nachdem dann endlich mal alles fertig war, durfte ich die eine kaputte Lampe suchen, die den gesamten Stromkreis unterbrach. Eine Situation, die soviel Slapstick Potential bot, eigentlich schade dass ich nie etwas daraus gemacht habe.

Schlimmer war nur noch das gemeinsame Keksebacken mit Muddern. Die Maschine, die den Teig in eine lange Sternchenwulst presste, war in einem geschmacklosen 70er Jahre Orange gehalten und lauter als der zweite Weltkrieg. Kennt ihr die Knetpresse von Play Doh? so müsst ihr euch das vorstellen. Nur mit hydraulischer Unterstützung. Trotzdem war es ein Knochenjob den Teig durch die viel zu kleine Öffnung zu drücken. Das Stromkabel teilte, in einem Meter Höhe schwebend, die Küche in zwei Bereiche auf. In dem einen Bereich wurde was getan, in dem anderen rumgeschrien. Meine Mudder war in dem Bereich, in dem rumgeschrien wurde. Eines ihrer Mantren lautete: Finger aus der Teigschüssel. Uns wurde mit Übelkeit und Bauchschmerzen gedroht, bekommen haben wir aber immer nur Schellen. Dass hinterher jedes Mal zuviel Teig übrig war, zumindest an der Schokoladenglasur gemessen, hier herrschte ebenfalls strengstes Naschverbot, durfte auf gar keinen Fall hinterfragt werden. Widerworte kurz vor Weihnachten, das traute selbst ich mir nicht zu.
Die fertigen Teigwürste wurden zu Os und S`s geformt, wobei ich für die Os zuständig war, weil mir kein S zugetraut wurde. Mein Vorschlag etwas Abwechslung ins O-Business zubringen, indem man ein paar Is in die Produktion aufnehmen könnte, wurde mit einem: Mach das Vernünftig, einstimmig abgelehnt. Wenigstens wurde anerkannt, dass das Basteln von Fensterbildern zu weibisch für uns ist.

Die scheiß Sitte vor dem Einlass ins präparierte Wohnzimmer Blockflöte zu spielen, setzte sich aufgrund mangelnden Talentes zum Glück nicht durch. Kein Wunder dass wir den Weihnachtsmann nie zu Gesicht bekamen, bei solch einer grausigen Performance wäre ich auch durch den Schornstein getürmt. Im Wohnzimmer lief wieder Panflötenmusik. Das gute, alte Geschenk aufreißen, ignorieren, nächstes Geschenk aufreißen, in der Hoffnung das Gewünschte sei dabei, wurde irgendwann durch ein langatmiges Würfelspiel ersetzt. Wer eine Sechs würfelte, durfte ein Geschenk auspacken. Ihr könnt euch vorstellen, was das für ein zäher Mist war. Gefreut hat sich eh keiner auf den Kram und wir sind grauenhafte Schauspieler. Ich bekomme seit Jahren regelmäßig Duschgel von Axe. Fehlt nur noch ein Kärtchen mit dem freundlichen Hinweis: Dusch! das Jahr ist um.
Zudem gibt es irgendetwas, dass ich mir nie im Leben gewünscht habe, aber laut Krisenmanagement unbedingt für ein gesellschaftlich anerkanntes Leben benötigt wird. Falls der Nachbar mal durch das Fenster schaut. Eine Sofadecke, Handtücher, eine Armbanduhr, Socken, Unterwäsche, ein Buch mit dem Titel: Richtig Sprech machen, hässliche Pullover von S.Oliver, einen akkubetriebenen Rasierer, halt alles so Dinge, die ich bei Ausbruch eines Krieges gut gebrauchen kann. Meine Geschwister hingegen haben da mehr Glück. Obwohl sie weder Hobbys, noch irgendwelches Talent besitzen, das solche Ausgaben rechtfertigt, sind bei ihnen wenigstens richtige Sachgegenstände dabei. Mir kann man schon mit irgendetwas, das eine Steckdose benötigt, eine Freude machen. Unfair läuft es aber nie ab. Ich bekomme den Gegenwert der Geschenke in selbstgemachten Keksen aufgewogen.

Früher war das anders. Da gab es Transformers, Actionfiguren von den Masters oder Mask, eine ganze Mülltonne voller Legosteine, einen Amiga 500+, einen CD Player, Michael Jacksons History, Super Mario Brothers 3, Das Playmobil Fort, Cowboy Pistolen mit Halfter, eben Dinge von Wert. Früher brachte ja auch noch der Weihnachtsmann die Geschenke.



Allen Lesern einen besinnlichen und lohnenden Heiligabend, wünscht Dein Lieblingsmensch.

Ich denke, ihr habt es euch verdient. Die meisten sehe ich dann später in der Gartenlaube.
Ihr könnt dann ja raten, welches Axe zurzeit aktuell ist!

Montag, 20. Dezember 2010

Zwanzigstes Türchen

Früher habe ich auch immer so einen Schwachsinn wie Uhren oder anderen Gedöns bekommen, von dem meine Eltern dachten, das sei lebensnotwendig da draußen in der brutalen Welt. Arthur spricht mir aus dem Herzen. Heute bekomme ich nur noch so Kram, der höcchstens ein Jahr hält.



und weil es so schön ist Alvin and the Chipmunks

Sonntag, 19. Dezember 2010

Neunzehntes Türchen

Mich nervt es, dass ich die Aufzählung der Türchen nicht numerisch vollzogen habe.
Türchen #1, oder so in der Art. Die Ordnungszahlen sehen im Nachhinein Scheiße aus. Ich möchte halt sowenig Zahlen wie möglich in meinen Texten unterbringen. Ich selbst lese nämlich nie Ziffern, sondern Blicke drauf. Das hilft mir bei mathematischen Anwendungen, aber wenn ich zum Beispiel ein Datum in einem Text lese, passiert es schnell, dass ich es überspringe oder nicht dem Inhalt des Textes zuordne. Also lieber neunzehnhundertfünfundneunzig als 1995. Gefundenes Fressen für diejenigen, die meine Verhaltungsweisen gerne demontieren. Ich höre es schon die Spacken von den Dächern pfeifen: Dyskalkulie! Im Gegenteil, mit Zahlen kann ich gut. Im Gegensatz zu den Buchstaben gibt es ja nur zehn Stück davon.

Was ich eigentlich erzählen wollte: Wo andere ein inneres Auge haben, habe ich eine innere große Fresse. Da stehe ich heute vor dem China Restaurante und schaue mir die Tafel an. Beim lesen der einfallslosen Gerichte ersetze ich die Rs durch Ls und schmunzele in der Kälte vor mich hin. Dabei habe ich mal gehört, dass Chinesen in Wirklichkeit das L wie ein R aussprechen, also genau umgekehrt. Sie lieben angeblich den Buchstaben R und übertreiben deshalb absichtlich mit dem Gebrauch. Kurz gesagt: Chinesen klingen mittlerweile wie Russen. Jedenfalls entscheide ich mich für die Sechzehn, Hühnchenfleisch mit Leis.
Ich betrete den Laden oder das Restaurante, wenn man so möchte und bestelle. Leider vergesse ich vom Vollidioten-Modus zurück in den Idioten-Modus zu schalten und plappere dieses Lucky Luck Klischee Chinesisch runter. Einmal Nummel Sechzehn mit Leis und Süß Sauel, bitte.
Zum Glück sind die Chinesen so saugastfreundlich, dass sie sich nichts anmerken ließen.
Erstmal gibt es kein Chinesisch mehr.

Schnell noch einen Weihnachtsbezug herstellen. Wusstet ihr, dass die Schreibweise X-mas nicht nur ein typisch amerikanisches Abkürzung-Coolness-Ding ist. Das X, oder wie es im griechischen heißt Chi, steht für Christos. So sieht das nämlich aus. Gestern kam die Frage bei unserem X-mas Quiz. Vierzehn von Sechzehn Fragen hatte ich richtig. Unter anderem die mit dem Chi. Ich wusste nicht, dass Maria bei der Empfängnis erst dreizehn bis vierzehn Jahre alt war und dass der erste Adventskalender im neunzehnten Jahrhundert entstand. Obwohl ich es hätte ahnen müssen, aufgrund der Industrialisierung kann der Brauch kaum vorher entstanden sein. Deshalb auch nur Platz zwei für mich. In einem X-men Quiz hätte ich mit Sicherheit gewonnen. Schönen vierten Advent!

Samstag, 18. Dezember 2010

Achtzehntes Türchen

Ich haue nur noch Links raus. Links raus hauen, was nach Landtagswahlen klingt, ist eigentlich ein einfaches Mittel sich der Arbeit anderer zu bedienen, in der stillen Hoffnung etwas Glamour fiele dabei auch auf mich ab, dem Blogger. Jetzt werden manche sagen, willkommen in der ersten Liga, aber keine Angst, im Gegensatz zum FC St. Pauli halte ich mein Wort und bleibe für immer zweitklassig. Sich jeden Tag Gedanken machen, das kann ich normalerweise recht gut, manchmal verbringe ich sogar ganze Nächte damit, aber wirklich jeden Tag ein Thema breittreten, dafür habe ich schlicht keine Zeit.
Obwohl, manches würde mich dann doch interessieren. Haben die Eskimos wirklich so viele Wörter für Schnee? Als ich das zum ersten Mal hörte, hatte ich gleich ein schlechtes Gewissen. Mangelt es mir an Eloquenz? Schnee, Schneematsch… ich komme nur auf zwei Begriffe. Hoffentlich bringt nie jemand das Thema auf Schnee! So dachte ich damals.

Ich bin ein zutiefst moralischer Mensch, wenn ich irgendwo etwas über eine erneute Waldbrandkatastrophe lese, mache ich mir Sorgen, dass das mit meinem Engagement in der Willy Brandt-Stiftung zu tun haben könnte. Jedem, dem es genau so ergeht wie mir, der Mehrheit, kann ich das Gewissen beruhigen: der Eskimo hat auch nur ein Wort für Schnee! Schnee nämlich.
Und keine brennenden Kippen aus dem Fenster werfen. Am besten gar nichts aus dem Fenster werfen.

Der (fast) Beweis!

Freitag, 17. Dezember 2010

Siebzehntes Türchen

Weil mir nichts Besseres einfällt Für diejenigen, die es verpasst haben sollten, hier noch mal die erste Sendung von Benjamin von Stuckrad Barres Late Night Show im ZDF NEO.
Ab dem 06. Januar soll er dann wöchentlich zuschlagen dürfen. Ich bin auf die Gäste gespannt, ist Stuckrad Barre eins gegen eins doch kaum zu überraschen. Produziert wird das Ganze übrigens von Christian Ulmen. Wer also mit dem einen nichts anfangen kann, vertraut vielleicht dem anderen. Für ein Debüt schon gut gelungen, jedenfalls besser als alles was Pocher jemals gemacht hat. Oder wie Harald gestern richtig sagte: Die leeren Hallen werden mit schwarzen Tüchern abgehängt, damit man die freien Plätze nicht sieht… das Verb dazu heißt übrigens pocher.

LINK zur ZDF Mediathek

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Sechzehntes Türchen

Aus aktuellem Anlass zeige ich heute dieses Interview aus der Sendung 10 vor 11.
Ein Kumpel von mir ist vor kurzem, sagen wir vor circa acht Monaten, umgezogen und hat aufgrund der umständlich operierenden Behörden den Gang zum Bürger Service Center im Kalender ganz nach hinten verschoben. Für mich absolut verständlich. Nun sind acht Monate schon eine gewisse Zeit, das muss der Kumpel mit Sicherheit erklären. Lügen wäre an dieser Stelle ein Versuch wert. Der Vorwurf, die Volkszählungen bewusst verfälscht zu haben, steht bestimmt unter Strafe. Gefängnis oder Geld. Das ist nur das halbe Problem des Kumpels. Seit dem Umzug hält die GEZ sich mit Zahlungsaufforderungen zurück. Sie bleiben gar ganz aus. Von zahlreichen Studentenpartys kenne ich die wildesten Geschichten, wie die GEZ an das Geld ihrer Kunden kommen möchte. Penetrante Rentner werden losgeschickt, klingeln an den Haustüren und fragen unter einem perfiden Vorwand nach dem letzten Tatort. Eine falsche Antwort und schon wird einem die Tür eingetreten.

Wenn nun dieser Kumpel, von dem hier die Rede ist, seinen Wohnsitz ummeldet, wird die Bande vom Bürger Service Center sicherlich bei den GEZ Menschen petzen gehen… ist doch alles ein Verein. Seit Tagen grübele ich schon, was ich ihm raten könnte. Komm wir trinken erstmal einen, ging die letzten acht Monate gut, aber machen wir uns nichts vor, irgendwann muss der Schritt gemacht werden. Gerade letzte Woche erzählte er mir, wie er sich ausweisen musste um ein an ihn adressiertes Paket abzuholen. Viel gutes Zureden und ein leeres Verspechen waren nötig, bis er das Paket entgegennehmen durfte. Das ist doch kein Zustand.

„würde würde würde, wo bleibt denn da die Menschenwürde?“ Fred-Rusi Müller Gehlhorn liefert noch so einige andere gute Argumente die Zeche zu prellen.






Mittwoch, 15. Dezember 2010

Fünfzehntes Türchen

Schaut Phineas und Ferb. Dr. Doofenschmirtz ist super. Wer da nicht lacht ist doof. Weihnachtsfolge!
Kurze Einleitung, da die Serie aus vielen Running Gags besteht. Die beiden Eckköpfe wollen möglichst viel Spaß haben in ihren Ferien. Sie bauen Dinge im Garten, alles sehr spektakulär. Ihre große Schwester will sie auffliegen lassen und bei der Mutter verpetzen. Parallel arbeitet ihr Haustier Perry als Geheimagent. Alle Geheimagenten sind Tiere bis auf der Boss und dessen Praktikant. Tut nichts zur Sache, ist nur ein lustiges Detail. Der Bösewicht Dr. Doofenschmirtz will der Welt einen auswischen. Die Kinder wissen von all dem nichts. Am Ende verbinden sich die beiden Erzählstränge. Gesungen wird auch immer. Ach ja und gute Gags werden geliefert.



Dienstag, 14. Dezember 2010

Vierzehntes Türchen


Ich fauler Sack haue nur noch Links raus, wie ein A-Blogger. Der heutige Beitrag ist zwar weniger besinnlich, dafür sauinformativ. Heavy Metal Fans wurden bei mir bisher überhaupt noch nie angesprochen, wie feiern die denn Weihnachten? Womöglich ganz normal. Harald Schmidt erklärt alles, was man über Metal wissen muss.

Mein Nachbar hört gerne Metal. Natürlich laut. Er brachte mich damals dankenswerterweise auf Knorkator. Wir waren auf einem Geburtstag auf dem Lande. Wie alle Menschen auf dem Land, lebte auch dieser Kumpel auf einem Bauernhof. Während einer Pinkelpause unterhielten wir uns über Metal und wie das funktioniert mit dem Gekreische und was das alles soll. Zum besseren Verständnis setzten wir uns in sein Auto, drehten Knorkator auf und drehten auf den gefrorenen Wackersteinen des Hofes Achten. Ein Heidenspaß. Die Heiden haben immer den meisten Spaß, aber auch die meiste Arbeit. Kriege ich noch die Kurve zu Weihnachten…? Nee

Montag, 13. Dezember 2010

Dreizehntes Türchen

Wenn ich ziemlich betrunken bin und nichts mehr so recht gelingen möchte außer Platten aufzulegen, dann höre gerne diese Lieder...







Sonntag, 12. Dezember 2010

Zwölftes Türchen

Kennt ihr das auch? Der Adventskalender hängt über dem Heizkörper, dem Bett oder der Kommode und beim öffnen des widerspenstigen Türchens ruckelt man das Schokoladenstücken aus seiner Form und es fällt unwiederbringlich hinter die Möbel, in den Staub. Beschissener kann ein Tag nicht anfangen. Das soll heute nicht passieren. Auf dem letzten Drücker, schnell komponiert, eingespielt und drüber gesungen: Tegan and Sara – Back in your Head


Mittwoch, 8. Dezember 2010

Achtes Türchen

Als Kind habe ich mich gefreut, wenn ich morgens mehr als ein Türchen am Adventskalender öffnen durfte, weil ich die Tage zuvor zu beschäftigt war, um dran zu denken. Die Zeit bis Weihnachten vergeht schneller, wenn man die Tage bis zum Vierundzwanzigsten mit Schlittenfahren oder Iglubauen verbringt. Möglichst abgelenkt durch die Vorweihnachtszeit zu kommen, war das Geheimnis. Sonst war die Spannung nicht auszuhalten. Die Geschenke vorab im elterlichen Schlafzimmer zu suchen, konnten wir vergessen, viel zu riskant. Wir hätten auf den gemachten Betten Spuren hinterlassen, die wir aufgrund unserer schlampigen Einstellung zu gemachten Betten nicht hätten vertuschen können. Und eine plausible Erklärung was wir sonst in dem Zimmer zu suchen hatten, fällt mir bis heute nicht ein. Wenn die Geschenke nicht im Heizungsraum lagen, konnten wir die Suche eigentlich aufgeben. Stattdessen: Freizeit.

Bereits vor dem Mittagessen verabredeten wir uns hinter Familie Göllners Haus. Dort konnte man super den Abhang runterrodeln. Ganzkörperschneeanzug, Teenage Mutant Ninja Turtles Winterboots, Schal, Handschuhe, Mütze, Holzschlitten und ab ging die wilde Fahrt. Christian wollte ständig schummeln und hat Zahngel auf seine Kufen geschmiert, in der Hoffnung, gefroren verliehe diese seinem Schlitten eine bessere Oberflächenspannung auf dem Schnee. Das Zeugs ist noch nicht einmal ansatzweise gefroren.
Paddy ritt auf einen Kunststoffschlitten ein, der verheißungsvoll nach Geschwindigkeit aussah. Langsam war das Biest jedenfalls nicht. Aber Kunststoff… Leute Leute, da lachte sich doch so ein Baum oder Weidezaun drüber kaputt und dass Paddy keinen Sinn für Gewichtsverlagerung besaß, hatte er bereits im Sommer auf dem Rad beim freihändig fahren unter Beweis gestellt. Immer schön geradeaus die Schleusenauffahrt hinunter, ab durch die Dornenhecke. Keine ernstzunehmende Konkurrenz also. Da hatte man schon mehr Respekt vor der Leibesfülle eines Volkers. Mittlerweile geht es bei ihm nur noch steil bergauf, aber damals halt rasendschnell bergab. Der war selbst im Tandemmodus nicht zu schlagen.

Eine der wichtigsten Komponenten zum Sieg, neben den gut geschliffenen Kufen, war das Seil vorne am Schlitten. War es zu kurz, zog man sich den Schlitten beim Aufstieg ständig in die Hacken, war es zu lang, war es schnell im Weg oder fesselte einen im Falle eines Zusammenstoßes an den Schlitten des Konkurrenten. Ben Hur gesehen? Irgendwer? Zerschellungen waren vorprogrammiert. Thomas Gottschalk hätte die Sache nach 20 Minuten abgebrochen.
Gewinner war derjenige, der nach dem Mittagessen wieder kommen durfte.

Siebtes Türchen

Lava Lava JAAAA JAAAA JAAAAAAAAA



Montag, 6. Dezember 2010

Sechstes Türchen

Ich habe mir heute ein Buch gekauft. Mängelexemplar. Nicht dieses schreckliche Werk von der hippeligen MTV Tante, sondern eins vom Grabbeltisch, eins mit Mängelexemplarstempel auf den Rücken der Buchseiten. Dazu noch am Bahnhof.

Der Verkäufer fragte mich, ob ich wüsste wieso man diese Bücher aussortieren würde.
Weils kapot is oder ne Seite fehlt? die sind doch nicht umsonst durchnummeriert, war meine verwunderte Antwort. Hätte ja sein können, dass ich bewusst unbewusst an einer Gameshow teilnahm und kampflos wollte ich mir den Gewinn nicht durch die Lappen gehen lassen. In einer Gameshow befand ich mich nicht, der Verkäufer war nur mitteilungsbedürftig oder ganz einfach ein strebsamer Verkäufer. Egal, die Antwort war eh falsch. Vor Augen hatte ich ein Teppichmesser, das beim öffnen des Bücherkartons den Buchdeckel der ersten Lage einen sauberen Cut versetzt. Die Wahrheit ist, so erklärte er mir, wenn sich ein Buch nicht gut verkauft oder es keine Publicity hat, dann kommt auf den völlig intakten Büchern der Mängelexemplarstempel drauf, weil man Bücher sonst nicht unter dem festgelegten Preis verkaufen darf. Soll heißen: Das ist es die einzige Möglichkeit das Buch vergünstig anzubieten.
Über die Qualität des Drucks sagt das gar nichts aus. Über den Inhalt eventuell schon. In diesem Fall bin ich mir aber sicher für die drei Euro ein Schnäppchen gemacht zu haben. Also kein schlechtes Gewissen mehr beim Verschenken von Mägelexemplaren. Die Erklärung kann man ja später betrunken anhängen.

Gekauft habe ich mir Aufforderung zum Tanz von Christine Westermann und Jörg Thadeusz. Beide kennt man aus der Sendung Zimmer Frei. Gelesen habe ich es noch nicht, aber beim ersten reinschauen fielen mir gleich die aus dem Kontext gerissenen Sätze auf, die dem charmanten Briefwechsel der beiden voraus gehen. Eine aufgelistet Auswahl hier vorab, bevor sie zu Facebook-Statusmeldungen verkommen.

Die linke Hälfte Deines Gesichts, die ernste Hälfte…

Und uns hin und wieder auch mal auf die Füße treten. Wahlweise mit Stiefeln oder Lackschuhen

Denn eigentlich bin ich ein ständiger Segen.

Völker, schaut auf diesen Gang!

Diese Unbeschwertheit untenrum findet sich in ihrem Lächeln wieder.

Als habe der Liebe Gott etwas Besonderes mit mir vorgehabt.

Ich habe ihn lange angeguckt und gebetet, dass der Funke zwischen uns Überspringt.

Die Wiedergeburt ist so sicher wie ein Elfmeterschießen beim DFB Pokalspiel nach 120 Minuten unentschieden.

„I will always Love you“ – so etwas kommt mir nicht ins Krematorium.

Wenn etwas zwischen zwei Menschen gründlich schiefläuft, kann es dann nicht daran liegen, dass einer von beiden eine ziemliche Pfeife ist?

Die Liebe: Der Singular hält um die Hand der Moral an.

„Liebe ist vor allem Theater.“

Die Nullnummern waren immer ein großes Erlebnis.

Wir haben in allem recht – aber warum haben die hier mehr Spaß?

Schau mir in die Augen, aber hör nicht so genau hin…

Eine Hand am Colt, die andere in den Bohnen

Sonntag, 5. Dezember 2010

Fünftes Türchen

Fantastischer Song von Brian McKnight nach dem Dialog von Linus. Christmas Time is Here. Schönen 2. Advent.

Samstag, 4. Dezember 2010

Viertes Türchen

Ihr kennt das. Man hört einen Song und fragt sich: woher kenne ich dieses Sample? Wie der Interpret des gehörten Songs heißt, kann man schnell mit jedem modernen Mobiltelefon herausfinden oder auf den Playlists der Radiosender nachschauen. Falls dabei nichts rumkommt, fragt mich. Herauszufinden von wem das Original stammt, ist etwas komplizierter. Früher habe ich mich wundgegoogelt, bis ich, endlich endlich, diese Seite entdeckte: The-Breaks.com

Einfach den Sample Artist eingeben oder den gehörten Song und die Seite schmeißt das Original raus. Der umgekehrte Weg ist ebenfalls möglich. Falls man sich für Otis Redding interessiert, kann man nachschauen welcher Künstler welchen Redding Song verwendet hat. Für meine Bedürfnisse ist das Archiv etwas zu dünn, aber gängige Sachen findet man problemlos. Besonders lohnend ist das natürlich bei Rapmusik.

Irgendwoher muss das Wissen um die Musik ja kommen. Anlesen bringt gerade bei musikalischen Versatzstücken nicht viel.

Freitag, 3. Dezember 2010

Drittes Türchen

Heinser Heinser, du bist so oft alleine, warum eigentlich :)
Ich habe gelacht. Das erschließt sich nicht jedem. Egal. Hier. Heinz Strunk liest was.




Donnerstag, 2. Dezember 2010

Zweites Türchen

Fast alles Zitate von lebenden Deutschen, die man nicht ständig liest. Haltet euch an die Jungs, sind alles Waschechte.

„Wer sonst gar nichts hat, der hat doch ein Vaterland. Patriotismus ist die Religion der ganz armen Schweine.“ Wiglaf Droste

„Ich würde eigentlich gern gepflegt Drogen nehmen, aber ich habe so wahnsinnige Angst vor Sucht und schlechten Spritzen und Gesindel, das mich erpresst.“ Harald Schmidt

„Ich glaube, dass in der Anhäufung von Schwachsinn mehr Wahrheit liegt als in der Anhäufung von Wahrheit.“ Christoph Schlingensief

„Musik ist keine basisdemokratische Veranstaltung.“ Götz Alsmann

„Alles Mögliche kann einem im Leben passieren, und vor allem nichts“ Heinz Strunk

„Ich baue ganz auf die Kraft des Alkohols. Er und ich zusammen sind für eine Frau unwiderstehlich. Mich hat sich noch jede schöngesoffen.“ Rocko Schamoni

„Ich sollte eine private Zuckerstückchenedition herausbringen mit aphoristischen Definitionen, wie ‚Aufräumen ist, was man macht, bevor Besuch kommt’ oder ‚Die Überbevölkerung sind alle, die Dich nicht lieben’ oder ‚Wein ist, was man trinkt, wenn das Bier alle ist’.“ Max Goldt

"Auch Lesbische, Schwarze, Behinderte können ätzend sein" Funny van Dannen

„Frag mich nicht, woher ich komme, sag, du freust dich, mich zu sehen.“ Sven Regener

"Nee, ich trinke keinen Tee, ich bin 'Ateeist'." Helge Schneider

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Erstes Türchen

Top Five meiner unglücklichsten Pennplätze

Wo: Hofeinfahrt vom Nachbarn
Zugedeckt mit: Schnee

Wo: Feldweg
Zugedeckt mit: Fahrrad

Wo: Lunchmanns Matratzenende
Zugedeckt mit: Lunchmanns Füßen

Wo: Vor dem Handtuchwärmer
Zugedeckt mit: Handtuch

Wo: Feuerwehrübungsturm
Zugedeckt mit: Pfandflaschen

Dienstag, 30. November 2010

Haben wir Ihr Interesse geweckt?

„Wir riefen Gastarbeiter und es kamen Menschen“ Max Frisch

In der einen Stunde, die ich täglich für außer strukturelle Angelegenheiten entbehren kann, feile ich an meinen Bewerbungen, frage mich wie man die Berufe nennt, die mit meinem Interessen übereinstimmen und übe vor dem Spiegel einen Gesichtsausdruck, der mehr aussagt als: mir egal, oder: bin geil.

Bewerbungsfotos werden nächste Woche angefertigt, wenn mein Haar nach dem letzten Friseurbesuch wieder eine herzeigbare Länge aufweißt, in die man auf gar keinen Fall eine politische Gesinnung hineininterpretieren kann. Schwieriger wird es, sich in diese beklemmende Vorstellungsgesprächsatmosphäre hineinzudenken, wenn es wieder heißt: haben sie auch Schwächen? Alle Fragen und Gesprächsansätze wirken wie auf Arbeitgeberseminaren auswendig gelernt und wiederholen sich bei jedem Vorstellungsgespräch.

Die Anforderungen an die Person sind in allen Stellenausschreibungen ebenfalls recht ähnlich. Die Flexibilität und die Berufserfahrung dürfen nie fehlen. Das mit der Berufserfahrung ist nicht ganz unbelastet. Nach Beendigung meines Studiums bekam ich ein latent schlechtes Gewissen wenn ich las, für die Einstellung sei Berufserfahrung vorausgesetzt. Mehrjährige. Damit konnte ich mit meinen 25 Jahren nicht dienen. Auch war ich nie beim BUND oder habe nebenbei einen Doktortitel gemacht. Wie es da überhaupt jemals zu einem Arbeitsverhältnis kam, ohne vorher "lebenslang" Praktikant gewesen zu sein, ist mir ein Rätsel.

Heute weiß ich, wer Berufserfahrung hat, muss nicht erst lange eingearbeitet werden, das spart Zeit und Geld. Die ausgeschriebene Stelle ist nämlich in der Regel befristet. Sucht ein Betrieb dringend einen erfahrenen, qualifizierten Angestellten, dann hat er meist schlecht gewirtschaftet und eine befristete Stelle bedeutet, er hat auch nicht vor, dies in Zukunft zu ändern. Ausnahmen wie Blitzschwangerschaften oder jemand kündigt innerhalb der Vierwochenfrist kommen ja nun nicht allzu häufig vor.

Deutschland fehlen die Ingenieure heißt es, jetzt wisst ihr warum. In meinem Berufszweig kommt es mir nicht so vor, als ob da welche fehlen. Um das Potenzial deutscher Ingenieure auszuschöpfen, müssten die Betriebe so wirtschaften, dass die Einarbeitung und die Trainee Programme sich über eine dauerhafte Beschäftigung rentieren, anstatt die sich plötzlich auftuenden Aufgabenfelder kurzfristig mit einer „qualifizierten Arbeitskraft“ zu stopfen. Der Grund warum eine langfristige Planung nur die großen Konzerne hinbekommen, die deshalb so gut wie nie kurzfristig etwas suchen oder befriset einstellen, liegt wohl letztendlich in der Politik.
So wie das da unten, sieht dann der Bedarf aus. Befristet, natürlich.

Ihr Profil: abgeschlossenes Studium Bauingenieurwesen (FH oder Uni) oder eine Ausbildung als Technikerin/Techniker im Bauhauptgewerbe, mehrjährige Berufserfahrung bei der Planung, Ausschreibung und Bauleitung im Bereich Sanierung bzw. Modernisierung von Wohngebäuden, EDV-Kenntnisse der gängigen Standardsoftware, sicheres Auftreten und Verhandlungsgeschick, kostenorientiertes Handeln, angenehme Umgangsformen, Flexibilität, hohe Einsatzbereitschaft, Freude am Umgang mit Menschen und teamorientiertes sowie selbständiges Arbeiten, Führerschein und PKW.
Haben wir Ihr Interesse geweckt?

Mir kam schon der Gedanke, das in die Erste Person Singular umzuschreiben und mich damit bei Single-Börsen zu bewerben. Denn: „Ich brauch` nur eines auf der Welt, ne`schöne Frau mit Geld“. Das wäre IDEAL. Dann bräuchte ich auch keinen dritten Gesichtsausdruck mehr.

Dienstag, 23. November 2010

I was born by the River

"I've been so many places in my life and time
I've sung a lot of songs I've made some bad rhyme
I've acted out my love in stages
With ten thousand people watching
But we're alone now and I'm singing this song for you" Herbie Hancock

Herbie Hancock, Jazz Legende und Vollblutmusiker, gastiert in Bremen und ich habe eine Karte. Günstigste Kategorie zwar, aber als Sitzriese sehe ich kein Problem darin in den hinteren Reihen zu hocken, zudem erwarte ich nicht mehr besonders viel Bühnenshow von einem Siebzigjährigen. Wie so oft zu bedeutsamen Ereignissen, bin ich viel zu früh vor Ort. Wohlwollend könnte man meinen: wie ein ehrgeiziger Reporter. Bleibt man aber bei der Wahrheit, ist es bei mir gar nicht die Angst wie Clark Kent die Action zu verpassen , die mich so früh aufschlagen lässt, es ist viel mehr der Gedanke, andere müssten wegen mir noch mal aufstehen, damit ich zu meinem Sitzplatz komme oder das Licht im Saal könnte bereits aus sein wenn ich die Seitentür aufreiße, Licht flutet herein, alles guckt, nein danke.


Um 19 Uhr 20 bin ich in der Glocke. Auf den hier veranstalteten Plattenbörsen kam mir der Laden nie so geschmackvoll vor. Mit meiner Jeans, dem gestreiften Pullover und meinen Sneakers passe ich dennoch gut ins Geschehen. Der Jüngste bin ich nicht. Einige Eltern oder Großeltern haben ihren Nachwuchs mitgeschleppt, der ständig etwas in sein Smartphone tippt.
Neben den älteren Herrschaften, sind einige Biertrinkende Pärchen anwesend, dessen Alter man nicht richtig einschätzen kann. Aussehen tun sie wie kinderlose 35, in Wirklichkeit sind sie bestimmt jünger. Das übliche Bild. Die Dünnen sind trashig bis hip angezogen, was die mondäne Vorstellung, den Abend betreffend, bei den adretten Damen und Herren bestimmt etwas nach unten korrigiert, die dickeren sind in Hemd und Seidenhose gekommen.

Um 19 Uhr 30, genau nach dem ersten Gongschlag, sitze ich bereits auf meinem Platz, der nur knapp einen Pfeiler verfehlt. Kurz habe ich die naive Hoffnung, das Konzert sei nicht ausverkauft und ich könnte mich später platzieren wo ich möchte. Um 20 Uhr rum betreten die letzten den Saal. Es ertönte bis dahin bereits viermal der Gong. Neben mir nimmt ein junger Herr in Hemd und Seidenhose mitsamt Freundin seinen Platz ein und duzt sofort los. Ob ich noch genügend Platz hätte neben seinen breiten Schultern, ob das denn ginge mit meinen langen Beinen, ob er mal kurz durch könne, wäre auch das vorletzte Mal, ob ich alles sehen würde, es sei doch ganz schön knapp mit dem Pfeiler. Ja, ja, ja und ja, was hilft es denn?

Hinter mir sitzen ein paar halbstarke Jugendliche, vor mir, ein völlig verschwitzter, unrasierter Herr, der ständig an seinem rechten Mittelfinger nuckelte. Erst als er aufstand um jemanden durchzulassen, sah ich, dass seine weiße Hose voller Blutstropfen und zudem die Naht an seiner Gesäßtasche großflächig aufgeplatzt war. Der ist bestimmt irgendwo auf der Straße abgeglitscht. Unter seinem Baumwollpullover trägt er ein hellblaues Poloshirt und darunter zusätzlich ein langärmeliges, weinrotes Hemd. Der würde heute nicht mehr aufhören zu schwitzen.

„Na, so langsam wird die Luft hier auch schlechter, was?“
Wieso redet der Dicke denn nicht mal mit seiner Freundin, die hat ihn doch extra dafür hierher geschleppt? Zehn nach acht betreten, von einem Bassriff begleitet, nach und nach die Künstler die Bühne. Als letztes erscheint selbstverständlich der Meister persönlich. Die fünfköpfige Band jamt erstmal vor sich hin, bevor sie uns vorgestellt wird. Dabei beweißt Herbie humoristisches Talent. Er liefert einige Lacher und erklärt das Konzert zu einem Spiel. Die Richtung ändert sich ständig, niemand weiß was hinter der nächsten Ecke auf ihn zukommt, je nachdem welcher Musiker gerade am Steuer sitzt. Kein Abend sei wie der andere und Kein Song so wie er ihn geschrieben hat. Das versprach schon mal viel. Die Gesangparts werden hauptsächlich von Kristina Train übernommen, die nebenbei noch wunderbar Geige spielt. Als sie die Bühne betritt, lässt Herbie sich zu dem Satz: ja, sie kann auch singen, hinreißen. So richtig glauben möchte man ihm das nicht, so schön ist die. Was soll ich sagen? Er hatte recht.

Herbie und Kristina live bei Jimmy Fallon

Die Band spielte und improvisierte inklusive Zugabe locker zweieinhalb Stunden. Ich empfand die Synthesizer Einsätze etwas unpassend, der Hall matschte im Hintergrund zu sehr mit. Zumindest konnte man so ausmachen, wenn es sich um einen seiner Filmsongs handeln musste. Außerdem rauschte Herbies Mikrofon bei Nichtbenutzung, was der Tontechniker etwas spät registrierte. Das störte aber alles nicht im geringsten, gerade wenn auf der Bühne musikalisch so gewirbelt wird. Jeder einzelne beherrschte sein Instrument bis in die Perfektion. Allein das Gehör und das musikalische Verständnis, sowas kann man nicht lernen. Noten erscheinen daraufhin völlig überflüssig.

Bei dem Song Watermelon Man klatschten und stampften die Jugendlichen hinter mir enthusiastisch mit. Leider völlig aus dem Takt. Könnte Ironie gewesen sein, oder es sind einfach nur unmusikalische Arschlöcher. Von wegen „Ruhe auf den billigen Plätzen“. Wenigstens schienen sie den Apple Joke begriffen zu haben. Am Anfang der Show zitierte Herbie Steve Jobs. Alles lachte, bis auf ich. Auf der Bühne standen gut sichtbar zwei große Apple Macs, auf denen die ganze Zeit über ein psychedelischer Bildschirmschoner lief. Auch als die Rede auf das iPhone kam, begriff ich nicht den Zusammenhang. Selbst seine Einstellung zu den iGeräten kam dabei nicht deutlich rüber. Keine Ahnung was das sollte.

Der Abend war sehr angenehm. Das muss man einfach mal erlebt haben. Noch ist Zeit dafür, er wirkte sehr fidel auf der Bühne und in seinem Spiel sowieso.
Jazz hat sich mir nie so richtig erschlossen. Die Vielfalt und die Tiefe des Genres machten mir immer etwas Angst. Sich damit zu beschäftigen würde Jahre in Anspruch nehmen und verstehen alleine reicht womöglich nicht. Jazz will gefühlt werden. Die Stimme in meinem Hinterkopf, die mich ständig dafür verurteilt, im Jazz dutzende von genialen Stücken ungehört liegen zu lassen, wurde nach diesem Abend wieder etwas lauter. Da ändert auch die Kenntnis über Miles Davis oder Luis Armstrong nichts.

Freitag, 19. November 2010

Hot News - Westerwelle tritt zurück!

Wie die Tagesthemen berichten:


Westerwelles Statement dazu auf N-TV:

Tascheninhalt

„Wer kommt aus Tash?! Wi-Wi-Wir!" Spezializtz

Der Fotograf Jason Travis hat von verschiedenen Durchschnittsamerikanern den fein hindrapierten Tascheninhalt fotografiert. Die passenden Gesichter leifert er gleich mit. Ich finde das recht interessant. Gerade weil bei mir so überhaupt nichts Spektakuläres zum Vorschein käme. Meine Jeans haben allesamt nur vier Taschen, einen Rucksack trage ich sehr selten in meiner Freizeit und kommt mir jetzt bloß nicht mit diesen Umhängetaschen. Bis auf die Geldklammer mit integrierten EC Karten Fach, das ich gerne besitzen würde, ist alles am Mann. Ich komme mit recht wenig aus. Selbst eine Armbanduhr ist mir schon zuviel. Vor dem Erwerb eines Mobiltelefons kaufte ich mir irgendwo in einem Laden eine Pepsi und las vom Kassenbon die Uhrzeit ab oder ich ging an einer Bank vorbei, die hatten meist eine digitale Anzeigetafel mit Uhrzeit und sogar Temperatur vor dem Eingang hängen.

Das Portemonnaie hat seinen Platz bei mir in der rechten, hinteren Hosentasche. Das Schlüsseletui ist in der linken, hinteren Hosentasche. Vorne rechts ist mein iPhone und vorne links steht für Sonstiges zur Verfügung. Kleingeld, Scheine, Kassenbons, Wochenendzigaretten, linke Hand, Tapes, Feuerzeug, Taschentücher usw.

Ist etwas nicht an seinem angestandenen Platz, denke ich sofort, es sei weg, begleitet von einem kleinen Schauder, der mich durchfährt. Das unauffällige Abklopfen meiner Hosentaschen in Menschenmengen habe ich mittlerweile verinnerlicht. Gerade wenn eine dubiose Gestalt um mich herumschleicht lasse ich die Hände besser gleich in den hinteren Taschen und stehe rum wie ein Calvin Klein Model. Eine kleine Panikattacke ereilt mich jedes Mal wenn jemand, aus meinem Rücken kommend, an mir vorbei rennt. Nicht, weil ich ihn aufgrund der Musik auf den Ohren erst spät wahrnehme, sondern, na klar, es könnte ja ein potenzieller Taschendieb sein. Diese Paranoia gegenüber meinen Mitmenschen rührt aus den Schuljahren, als es auf die ersten Ausflüge in die große, und damit böse, Stadt ging. Damals wurde uns zu Gürteltaschen geraten. Ich hatte eine mit Teenage Mutant Ninja Turtles Motiv. Nur so am Rande.
In Amsterdam bekam ich mit, dass es Martin nicht anders ergeht, weshalb ich diesen Tick gleichsetze mit einem völlig normalen Verhalten. In der Fremde umgeht er die Schrecksekunden, indem er sein gesamtes Hab und Gut in die vorderen beiden Taschen stopft.

Ein Foto meines potenziellen Tascheninhalts lohnt sich also nicht wirklich. Die Sennheiser Kopfhörer und im Winter die schwarze Nike Mütze kämen noch hinzu. Außerdem ist das einzige mir zur Verfügung stehende Fotogerät mein iPhone und das wäre dann sowieso nicht mit auf dem Foto drauf. Das scheint ein wichtiges Kriterium zu sein, vergleicht man die Bilder von Jason Travis.

Nicht wenige führen ein Messer bei sich! Einer hat sogar eine Handgranate auf Tash!! Schaut euch an, was da wildes abgeht. LINK. Organisiert wirken die Menschen trotz allzweck Krams nicht auf mich.
Zuerst gesehen habe ich das übrigens bei Damian.

Donnerstag, 18. November 2010

Ich wurde mal als geizig bezeichnet, weil ich in der Kantine der Schulmensa kostenlosen Senf auf die Pommes kleckste. Dabei wollte ich nur , dass mir niemand welche klaut. Geschmeckt hat es trotzdem oder gerade deshalb

Der Jojo Effekt ist jetzt auch im Kopf angelangt. Bisher konnte ich mir die Gewichtszunahme mit dem strebsamen Training im Fitnessstudio erklären, Muskeln wiegen mehr als Fett und so weiter. Auch mein übertriebenes Essverhalten wurde durch das regelmäßige Training gerechtfertigt. Ich war ja heute schon in der Muckibude, da kann ich mir ruhig noch was zu Essen machen. Dazu kommt, dass in der Nähe unseres neuen Bürogebäudes nur Restaurants oder Imbisse zugegen sind. Man kann in der Pause nichts machen, außer Essengehen. Kurz: Ich habe über meine Verhältnisse gelebt.

Apropos Verhältnis: Damit es mal wieder so weit ist, müssen mindestens 5 Kilo runter. In dieselbe Falte haut auch der Umstand, dass ich nicht mehr soviel Geld ausgeben möchte. Besonders nicht mehr so unverhältnismäßig. Um laufende Kosten werde ich mich nicht drücken können, ansonsten wird nur noch in Dinge investiert, die notwendig sind, bzw. die Lebensqualität erheblich steigern. Der gestrige Friseurbesuch, sowie die neuen Kopfhörer, die alten waren hinüber, waren so eine affirmative Investition. Heute kommen Hanteln dazu. Eigentlich habe ich die so nötig wie ein Auto Rallyestreifen, dennoch, die Intention ist klar: ein besserer Look. Zudem ist mir beim Fernsehgucken oft langweilig. Unnötig zu erwähnen, dass mir der Gedanke bei dem gestrigen Länderspiel kam. Außerdem kommt es, im Gegensatz zu Tanzschulen, bei Gary Numan Songs besser, etwas Schweres in den Händen zu halten.
Wirklich sparen kann ich in den Mittagspausen. Ich schmiere mir Butterbrote, dessen, von Helge Schneider losgetretenen, Hype ich nicht ganz nachvollziehen kann. Dazu gibt es Äpfel und Senf auf die Pommes. Langweilig, aber erfahrungsgemäß klappt das. Die Winterzeit macht es mir hoffentlich etwas leichter. Die übertriebenen Berge an Süßigkeiten wirken schon wieder grotesk und verachtenswert. Nichts animiert da zum zugreifen. Davon ab esse ich sowieso keine Schokolade. Eiserner Wille ist gefragt.

Apropos Brille. Vorgestern war ich beim Optiker. Ich lasse mich demnächst ausführlich in Sachen Kontaktlinsen beraten. Erst lese ich mir ordentlich Material an, befrage Bekannte und dann geht es auch schon in die Vollen. So richtig mit zwei Stunden Probetragen und im Auge rumpulen. Das schwerwiegendste Kontra wird auch der Herr oder die Dame beim Beratungsgespräch nicht wegargumentieren können. Es gibt dutzende Menschen, die nur darauf warten mich mal ohne Brille anzutreffen. Womöglich lauern sie bereits direkt vor dem Brillengeschäft, um mir eins zu verpassen. Ich muss Ole mal Fragen, ob er mir seine Brille leiht.

Apropos Leid. Die größten Leiden des Vergnügungsdampfers sind die Geselligkeit und die Langeweile. Am schlimmsten ist es, wenn ich mich in Gesellschaft langweile und selber draufkomme zu rauchen. Passiert ja eh nur muff, also am Wochenende, doch letztens erwischte ich mich bei dem Gedanken: Schade, dass ich weder alleine rauche, noch trinke oder rede. Es lief irgendein Chanson, ganz angenehm wenn man gerade aus dem Fenster schaut und mit der Zunge schnalzt. Rauchend sähe das bestimmt unheimlich gut aus. Für Dritte, aber ist ja keiner da.

Apropos Kanada…

"Ich habe nie verstanden, warum Frauen an talentierten Männern zunächst deren Fehler und an Narren deren Verdienste sehen"

"Ganz unten gibt es auch nette Menschen.“ Benjamin von Stuckrad-Barre

 Was hat dich nur so ruiniert? Und wieso kommt das bei den Frauen so gut an?

Wir haben uns darüber unterhalten. Es ist eigentlich kein richtiges Thema. Für Männer ist das einfach nicht zu ergründen. Die Angelegenheit hatte sich deshalb nach wenigen Sätzen wieder erledigt. Unverständlich ist das, da waren wir uns einig. Wieso übt es auf viele Frauen so eine Faszination aus, Männer, die in der Gesellschaft etwas hinterher hängen, auf den rechten Weg zu bringen, zu bemuttern, oder wie man es auch immer nennen möchte. Die Rede ist nicht von Asiaten, sondern von solchen, die ihre schlechte Ausgangssituation selbst verschuldet haben. Abhängigkeit, Dummheit, Spielsucht, Gleichgültigkeit, Faulheit, Antriebslosigkeit, alles Eigenschaften, die dich scheinbar zu einem begehrten Typen machen.

Mir wurden selbst genügend Typen dieser Art vorgestellt und ihr werdet es nicht glauben, natürlich von tollen Frauen als ihr neuer Freund. Das Schlendertum hat ja was, wenn dem eine coole Art, überlegene Ruhe, eine gewisse Reife oder Bauernschläue gegenüber steht. Tut es aber nicht. Im Gegenteil, wenn es welche gibt, lauten die Zukunftspläne Profisportler, Deutschlands neuer Superstar, Kreativer, Künstler, Drogendealer oder sie haben einfach ein todsicheres System oder eine geniale Geschäftsidee. Die eigene aggressive Haltung verwechseln sie dabei mit Ehrgeiz und ihre Dummheit mit der Realität.

Es handelt sich um junge Erwachsene, die nichts von Charakterbildung halten, oder jemals davon gehört haben. Die korrekten Verhaltensweisen haben sie zwar alle drauf und können diese bei den Schwiegereltern in spe auch abrufen, keine Frage, jedoch verinnerlichte Gesinnungen sind das ja nicht. 

Ich erwähnte es bereits in einem anderen Zusammenhang: dass du zu den Guten gehörst, kannst du selbst nie mit Worten vermitteln, das müssen andere für dich Tun. Scheinbar zählt das nicht für die Schlechten unter uns. Die werden eher interessanter dadurch.  
Wer ein existenzielles Problem hat und es schafft davon loszukommen, ist wieder bei Null, wie Martin es treffend formulierte. Frauen sehen das anders. Ein Säufer, der in der Abstellkammer einer Achtmann WG haust und sich seinen Lebensstil illegal finanziert, macht nicht viel, bis gar nichts richtig. Aber nehmen wir mal an, er kann sich dem entsagen und findet einen beschissenen Job, säuft nur noch in Maße oder am Wochenende, wo es nicht so auffällt, und teilt sich mit irgendeinem Studenten eine Zweizimmerwohnung. Dann ist der doch nicht viel weiter, nur älter als jemand, der konventionell zu einem beschissenen Job gekommen ist, am Wochenende muff rumpöbelt und in einer Einzimmerbude oder bei seinen Eltern die Konsole stehen hat. Sein einziger Verdienst ist es, nach mehreren Jahren soweit zu sein wie jeder Schulabgänger. Super.

Wenn Frauen ihre Sympathien verschenken, dann immer nur an Unsinnspersonen. Ist es, weil die affektierten Bemühungen weggelassen werden? Das Fremdbestimmte haben die natürlich nicht. Was Frauen nicht wissen können, bringt jemand eine Gitarre mit in die Runde und es sind keine Frauen anwesend, dann wird auch keine Gitarre gespielt. Was ist da los? Sind Männer, die man sich erziehen darf, als eine Art Trophäe zu verstehen? Nach dem Motto: Schaut her, der war mal nichts und nun hat er einen Anzug an...?

Ich bin wirklich ratlos und muss aufpassen nicht in Mario Barth Mann/Frau Blödeleien abzudriften. Da kommt man daher, sieht nicht vollends beschissen aus, ist Akademiker, Existenzialist, ein einausgebildetes Bewusstsein ist entsprechend vorhanden, kokettiert mit einem gut ausgeprägten Musikgeschmack,  ist belesen, achtet auf seinen Körper, drängt sich nicht auf, hat Sinn für Humor und Humor, keinen Schirm, dafür Charme, ist interessiert und weiß so allerlei Dinge zu schätzen, aber das tolle Mädchen hat der Tätowierte Dreißigjährige, der während einer Ü 16 Party aus der Dorfdisko fliegt. 

Natürlich habe ich das mal ganz vorsichtig bei den Betroffenen hinterfragt. Man ist ja sofort doof, wenn man eine Beziehung und damit deren Gefühlsebene in Frage stellt. Wer da wohl doof ist... Wie kommt so ein hübsches Mädchen wie du, zu so einem Hintertüreintretenden Dummkopf? Die Frage etwas netter formuliert, brachte mir die immergleichen Antworten:
  • Wenn wir alleine sind, ist er ganz anders.
  • Du musst ihn ja nicht mögen.
  • Er ist nett.
  • Er tut mir so leid.
  • Er kann nichts dafür.
  • Hättest du so ein Pech im Leben, dann wärst du genau so – Nein!
Oder er ist die Jugendliebe. Klar, als Teenager wirkt die Degeneration wenigstens noch rebellisch. Jaja, Hintertürliebe, schon klar. Das könnte ich auch problemlos akzeptieren, wenn die besagten Frauen nach der Trennung nicht so geschlossen einsichtig reagieren würden. Plötzlich wird ihnen alles klar. War dumm nä. Wie konnte ich nur… und so weiter.
Vielleicht kann mir das mal jemand erklären? Bitte.

Die Überschrift ist ein Zitat von Pablo Picasso. Die Frage scheint schon länger im Raum zu stehen.

Montag, 8. November 2010

Der kleine Videothekenladen

"Ohne Kunden wäre das ein toller Job." aus Clerks

An diesem Wochenende lieh ich mir aus meiner Stammvideothek oder DVD Store, wie der Laden kleinlaut im Schaufenster nachweist, dass ihm wohl bewusst ist, nie wieder eine Mark Strafgebühr für nicht zurück gespulte Filme einkassieren zu können, das fünfzigste Video aus. Dies verriet mir der Angestellte, nachdem er mir den Film verlieh, als wäre es eine Auszeichnung. Als besonderen Service verlangte er keine Gebühr von mir. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich einen teuren Film genommen. Es gibt nämlich angenehmerweise nur zwei Preiskategorien. Ein aktueller Film oder eine aktuelle Serien Staffel kostet 2,50 €, jede andere DVD 2,00 €. Verleihdauer ist immer der rauffolgende Tag bis 20 Uhr, der Sonntag ist kostenlos. Drei aktuelle Filme im Paket kosten nur 6 €. Ein bisschen unglücklich, da drei alte Filme ebenfalls 6 € kosten und ich eher zu denjenigen gehöre, die sich darauf konzentrieren die Klassiker wegzuschauen. Für einen guten, aktuellen Film gehe ich ins Kino.

Aber fünfzig Filme! Ich bin dort Mitglied seit ungefähr 75 Wochen. Rechnet selber. Klingt nach einem erfüllten Leben. Alleine ins Kino zu gehen ist den meisten Leuten zu dumm. Was sie damit eigentlich meinen ist, sie wollen nicht, dass andere denken, sie seien vereinsamt. Alleine DVD schauen geht gesellschaftlich geradeso in Ordnung. Im Notfall kann man sich ja vor das Regal stellen und sich selbst hörbar Fragen: Wie hieß der Film noch mal den sie unbedingt schauen wollte? Ach ja, The Expandables.

Die Videothek ist, so wie es sein sollte, gleich um die Ecke. Gleich um die Ecke ist auch das Internet, aber Filme runter zu laden, bei Online-Videotheken zu buchen oder auf stotternde Streams zurückzugreifen, hat für mich nichts mit dem rituellen Videogucken zu tun, das mich schon durch dutzende verschneite Wochenenden gebracht hat. Auf dem Weg zum Einkaufen, schlendere ich manchmal in die Videothek und schaue mir an was es Neues gibt oder ob ich was Altes wieder entdecke. Geht man nämlich vorsatzlos durch den Eingang einer Videothek, fallen einem sofort ein paar Titel ein, die man schon immer mal wegschauen wollte. Betritt man den Laden mit der Absicht heute einen DVD Abend zu veranstalten, fällt einem nichts ein oder das Angebot qualifiziert sich nicht für den heuchlerisch geplanten Abend.

Ich hänge in dem Laden nicht ab, obwohl das gut möglich wäre. Die Angestellten haben alle einen Nerd-Faktor von über Fünf. Sie wirken wie Typen, die etwas zu spät aus ihrem verdunkelten Jugendzimmer ausgezogen sind. Elvis hat sich seinen Spitznamen aufgrund seiner Frisur und Plauze verdient. Ein sehr behäbiger Mann. Dann sind da noch der Oi Punk, Kevin Carrigan und der Chef. Er ist noch der normalste von der Bande, letztens habe ich ihn einen Kinderwagen durch unser Viertel schieben sehen. Es war ihm sichtlich peinlich. Ihre richtigen Namen stehen an einem kleinen Regal, in dem sie ihre persönlichen Favoriten präsentieren. Ich habe mir ihre Namen nie gemerkt. Ihr Filmgeschmack gab es nicht her. Je nachdem wer gerade Schicht hat, läuft die passende Musik und der passende Freundeskreis steht um den Tresen herum und unterhält sich über Fußball oder eben über Filme. Ich sagte ja, hier könnte man gut abhängen.

Über die Jahre entwickelte ich Prioritäten was das Ausleihverhalten angeht, basierend auf die verschwendete Jugend. Ich leihe keine Tom Hanks oder Nicolas Cage Filme aus. Bei den Frauen sind es Sandra Bullock und Meg Ryan. Finger weg von Komödien, in denen die Hauptrolle von Rob Schneider, Martin Lawrence, Adam Sandler, Steve Carrell, Chris Tucker oder Steve Martin gespielt wird.

Hin und wieder werde ich direkt angesprochen, was ich hier zu suchen hätte. Es werden mir Filmvorschläge unterbreitet, die ich in Zukunft freundlich zurückweisen werde oder sie fragen mich, wie ich den geliehenden Film fand. Sie machen den Job gerne und das merkt auch die durchschnittlich junge Kundschaft. Es würde mich nicht wundern, wenn sie auf Familienfeiern ihren Job damit rechtfertigen, dass der Kultregisseur Quentin Tarantino auch mal in einer Videothek gearbeitet hat und der Rest der Familie würden sie, um des Haussegens willen, fragen, ob der schon mal bei Wetten dass zu Gast gewesen sei.

Die Auswahl ist trotz der eher kleinen Stellfläche sehr groß. Erst zweimal konnte man mir nicht dienen. Noch nirgendwo sonst habe ich eine so kundenfreundliche Kategorisierung gesehen. Dass nach Genres unterteilt wird, ist klar. Das Besondere ist, dass immer ein Schauspieler oder ein Regisseur hervorgehoben und dessen Filmographie in dem Regal fortgeführt wird. Das wird bis zu einem gewissen Aktualitätsgrad gemacht, sodass man direkt auf ältere und damit oft unterschätze Filme von, sagen wir Robert De Niro, hingewiesen wird. So bekommt man auch sofort eine gute Übersicht über das Machwerk eines einzelnen Regisseurs, wie zum Beispiel Stanley Kubrick.

Früher waren Videotheken noch ein Mysterium. Unsere Familie besaß nie einen Videorekorder. Der musste erst viel später selbst angeschafft werden. Es kam viel zu selten vor, dass meine Eltern sich von Nachbarn einen schweren, silbernen Videorekorder ausliehen, womöglich um uns ruhig zustellen. Wenn es daraufhin zur Videothek ging, durfte ich im Auto warten und hoffen, dass meine Mutter Star Wars nicht mit Star Trek verwechseln würde. Was ging in dem Laden so unheilvolles vor, dass ich nicht mit rein durfte? Die Frage blieb, wie alle anderen auch, unbeantwortet. Wenn ich heute sehe, wie stoisch die Kunden aus der Pornoecke der Videothek kommen, denke ich mir, dass es wohl besser war im Auto Jan Tenner Kassetten zu hören.

Mein 50. Film: Hot Fuzz
Die beiden Filme, mit denen die Videothek nicht dienen konnte: Michael und Doppelpack
Erster Film, der auf meine eigene Verantwortung ausgeliehen wurde: Die BMX Bande
Erster gekaufter Film: Waynes World

Sonntag, 7. November 2010

Acht Ideen für eine bessere Außenwirkung ohne viel zu lügen

"Eigentlich bin ich ganz anders, ich komme nur viel zu selten dazu" Udo Lindenberg

Was für einen Aufwand manche Menschen anstrengen um zu wirken. Ich habe das jahrelang völlig unterschätzt. Man könnte soviel beliebter, cooler und verhasster sein, als eh schon. Man muss einfach den Dritten, den Fremden, den Zaungast in sein Tun mit einbeziehen. Wie Hans Kruppa schon schrieb: benehme dich stets so, als ob man dich permanent beobachten würde. Er hat was anderes geschrieben, aber inhaltlich kommt das in seinem Buch ungefähr so vor. Ehrlich.
Jedenfalls habe ich jetzt damit angefangen mein Umfeld in den Glauben zu versetzten, ich sei ein Guter.

Schritt 1: Ich zitiere Dinge, die ich aus dem Fernsehen kenne und behaupte sie gelesen zu haben.

Schritt 2: Nachdem ich eine Übungseinheit an einem Fitnessgerät vollendet habe, stecke ich den Pinökel zur Gewichtseinstellung ganz nach unten in den dreistelligen Kilobereich, damit der nächste Trainierende denkt: krass.

Schritt 3: Isst meine Arbeitskollegin etwas Gesünderes als ich, tausche ich nach Feierabend unsere Papierkörbe aus. Dann bin ich für die Putzfrau der Mann mit der Salatbanderole und den Äpfelkernen und meine Kollegin die Frau mit den Snickers Papier.

Schritt 4: Bei Buchverfilmungen behaupte ich, der Film hätte gegenüber dem Buch seine ganz eigene Dynamik. Das Buch finden eh alle besser, das will keiner hören und anbiedernder geht es ja kaum.

Schritt 5: Wenn ich nachts S-Bahn fahre, binde ich mir die Schnürsenkel zusammen, damit Frauen und ältere Herrschaften keine Angst mehr vor mir haben müssen.

Schritt 6: Ich habe nie und werde nie die Hupe eines Autos benutzen.

Schritt 7: Wenn ich einen guten Lacher lande, behaupte ich, der sei von jemand anderem. Stimmt nicht, macht mich aber selbstloser.

Schritt 8: Ich schüttele nach jedem Toilettengang für alle sichtbar im Flur oder in Gaststätten meine Hände trocken. Die Hände sind zwar schon trocken und gewaschen, aber die Geste suggeriert nochmal unmissverstädlich: Hygienegott.

Wohin mich diese Schritte führen werden, weiß ich nicht genau. Hoffentlich zu einem besseren: kennste den?

Edit:
Schritt 9: Immer wenn ein Gespräch zum erliegen kommt, seufze ich: Ach, ich vermisse das Meer.

Schritt 10: Ich muntere Werder Fans mit den Worten: jeder hat mal eine schlechte Saison, auf.

Samstag, 6. November 2010

Blogkette

„Ich habe mehr Ketten als ein Fahrradhändler“ Samy Deluxe

Eine Kette ist immer so stark wie sein größtes Glied. Mit anderen Worten, ich bin von Verena in die Pflicht genommen worden und darf heute einen weiteren Blog in die Kette eingliedern. Als Bedingung las ich zwischen den Zeilen, dass es schön wäre, wenn nicht jeder Blog lesende Mensch sowieso schon dutzende Male über den Namen gestolpert ist, was mir sehr entgegenkommt, finde ich die bekannteren Blogs eh doch ziemlich dümmlich.
Als weitere Bedingung habe ich mir selbst auferlegt, keine attraktive Dame zu wählen. Die haben schon genug Lobby. Da ich eher wenige Blogs lese und wenn, dann bevorzugt von attraktiven Frauen, ist die Auswahl sehr beschränkt.

Aus meiner übersichtlichen Blogroll brauche ich keine Namen zu nennen, da könnt ihr auch so draufklicken. Lohnt sich. Manchmal.

Uneingeschränkt empfehlen… hm… schwierig… eigentlich unmöglich… wer gibt das her…
Blogs von Bekannten sind alle tot oder zu still oder saulangweilig… hm… vielleicht der Arsch, der mir meine erste Domainidee gemopst hat… Shaquille O´Neal hat immer gut gebloggt… hm… mir fällt niemand ein… vielleicht doch jemand aus der Blogroll… hm… den kann ich nicht empfehlen… da schreibe ich immer ab… hm… ich weiß schon warum ich diesen Blogger Kumpelquatsch nicht gerne mitmache… hm... ich könnte die Kette auch wieder schließen, aber dann hätte Monogo bestimmt einen zu dicken Hals... hm... nun ist auch egal… DERBE...

Silvester schreibt Quatsch und das kann er unheimlich gut und amüsant. Aber Vorsicht, ist etwas derbe der junge Mann. Ich kam auf den Blog, weil ich nach der Homepage der gleichnamigen Klamottenmarke Derbe suchte, seitdem habe ich nicht wieder danach gesucht. Zudem könnte es sein, dass die Blogkette hier zum erliegen kommt. Er ist so zurückhaltend.

Freitag, 5. November 2010

Beziehungsstatus

„Sie hat Würmer und er angelt gerne.“ Heinz Strunk

Mit Beziehungen, Ehen oder anderen Arrangements wie Langeweile werde ich zwangsläufig jeden Tag konfrontiert. Wenn man sich mit etwas beschäftigt, taucht es plötzlich überall auf. In der Stadt kann man sie beobachten, aktiver am Bahngleis und sowieso an den Abenden auf Partys oder im Bekanntenkreis. Es ist eine leidige Angewohnheit geworden, Paare zu kategorisieren. Nicht selten wird es einem auch einfach lautstark aufgedrängt. Es ist ja nicht so, dass ich es mir immer aussuchen kann, was um mich herum passiert.

Ich frage mich im vorübergehen, sowie im stillen Beisein, wie die sich wohl kennengelernt haben, was finden die aneinander, wie sind sie zusammen gekommen, was verbindet sie und wieso sind sie dann noch zusammen? Die Fragen beantworte ich mir anhand ihrer gegenseitigen Bemühungen umeinander, ihren verschiedenen Charakteren, ihrem Umfeld, dem gemeinsamen Stil und der Attraktivität natürlich, falls vorhanden. Falls nicht, ist der Fall auch klar.
Und findet man wirklich keine Antwort auf diese Fragen, kann man ja immer noch resignieren und feige von Liebe sprechen.

Was will die vom dem Spinner? ich bin doch ein viel größerer Spinner!
Diese Frage hat sich wohl schon jeder gestellt. Der Idealfall, und favorisiertes Hollywood Ende, schlecht hin, die große Liebe, lässt sich auf die wenigsten Beziehungen, die man so sieht und kennt, anwenden. Selbst ich bringe nicht soviel Kurzsichtigkeit auf, um den meisten Paaren das Bewusstsein für die ganz großen Gefühle bedingungslos zuzusprechen.
Letztendlich kann man heutzutage jede handelseinige Beziehung auf vier elementare Dinge herunter brechen: Geld, Sex, Macht und Langeweile.

Dreiecksbeziehung:

Hippie Scheiße. Man ist immer eifersüchtig, egal ob man es raushängen lässt oder nicht. Funktioniert also nicht, genau wie die...

Fernbeziehung:

Gemeinsam einsam. Im Grunde wie jede andere Beziehung, nur auf einem schwierigeren Level. Fangen wir leichter an.

Hauptschulbeziehung:

Du hast Zeit, ich habe Zeit, warum sind wir nicht zusammen? Ok.
Damit ist eigentlich schon alles gesagt. Ich nenne diese Form des Zeittotschlagens liebevoll Hauptschulbeziehung, weil der Anspruch an den Partner erschreckend gering scheint. Dumm und Dumm gesellt sich gern, für denjenigen, der es etwas aussagekräftiger mag. Halten diese wie zufällig zusammen gewürfelten Paarungen länger bis ewig, redet man davon, dass die beiden sich wunderbar ergänzen würden. Ich meine, es ist schlicht weg der Mangel an Alternativen. Alles ist besser als der Status Single. Als Single stimmt etwas mit dir nicht. Ständig ist man das fünfte Rad am, mit befreundeten Paaren beladenen, Familienwagen auf den Weg ins Vergnügen. Alles immer noch harmonischer als die…

Einbahnstraßenbeziehung:

Bei der Einbahnstraßenbeziehung ist noch nicht einmal der gemeinsame Faktor: viel überflüssige Zeit, vorhanden. Er und sie unterscheiden sich in jeglicher Hinsicht. Oft geht es schon damit los, dass er ein Mann und sie eine Frau ist. Einer der beiden dominiert gnadenlos. Der Begriff Partnerschaft hat hier nichts verloren. Entweder sieht sie viel zu gut für ihn aus oder er hat weitaus mehr in der Rübe als sie oder es besteht ein nicht zu leugnendes finanzielles Gefälle oder umgekehrt. Aus der Offensichtlichkeit der unpassenden Besetzung heraus, schäme ich mich nicht selten für das Paar fremd. Reiner Hohn! entfährt es mir zuweilen. Geld oder Sex, wie es so schön bei Jürgen von der Lippe hieß, sind die Indikatoren solcher Beziehungen. Dazwischen wird gestritten.
Kommt es zu Kombinationen der Gegensätzlichkeiten, zum Beispiel: sie sieht um einiges besser aus und er wiegt das in Gold auf, dann passt es zuweilen wieder und man spricht von der…

Prominentenbeziehung:

Bei der Prominenz zu Hause, jedoch abgeschwächt jedem aus seinem Bekanntenkreis bekannt, die magersüchtig anmutende Blondine an der Seite des BMW Fahrers. Der in die Jahre gekommene Taxiunternehmer mit der jungen Telefonistin usw. Die Anziehungskraft der F-Prominenz zählt ebenfalls dazu. Der Surf-Guru vom Baggersee, sowie der beste Fußballer der Bezirksliga oder jemand mit einer Klampfe im Hausflur, hat schnell damit aufgehört sich noch die Mühe zu machen sich nach oben zu orientieren. Die Musiker nehmen einem die ganzen tollen Frauen weg. Ein Satz, den man öfters als einmal am Abend hört, bei McDonalds oder vor der Konsole sitzend. Wenn beide Seiten so drauf sind, spricht man von einer…

Interessenbeziehung:

Wenn man sich für etwas überdurchschnittlich interessiert, sodass man behaupten kann: das ist genau mein Ding, dann ist es nicht abwegig wenn man mit jemanden zusammen ist, der dieselben Interessen vertritt. Eine gemeinsame Vergangenheit haut in dieselbe Kerbe.
Sei es die Musik und der damit verbundene Lebensstil, sei es das gemeinsame Arrangement für irgendwas, sei es das Essverhalten oder sei es nur die Tatsache, dass man immer gemeinsam hinter der Turnhalle heimlich geraucht hat, wenn man das durch zwei teilt, kommt merkwürdigerweise das Doppelte dabei raus. Ein gemeinsames Interesse an der Modemarke Ed Hardy, würde ich weiter oben einordnen.
Vorsicht Falle! Es kann vorkommen, dass das Interesse nur vorgetäuscht wird, um sich an die ehrliche Haut des anderen ranzumachen. Was uns zu dem letzten Beziehungsstatus bringt, die…

Kurzbeziehung:

Geschmäcker werden einfach ungefragt übernommen, Interessen geheuchelt, der Freundeskreis des anderen wird vereinnahmt, es werden einseitige Kompromisse eingegangen, also es wird im großen Stile verzichtet und das alles um sich freiwillig abhängig zu machen. Das Wort "Klammern" wäre durchaus angebracht. Auf Dauer wird das eine traurige Geschichte oder es bleibt eine Kurzbeziehung. Kurzbeziehungen sind auffällig oft auch die ersten Beziehungen.

Hollywood Ende:

Man beobachtet zwar ständig wie es nicht geht, kann aber leider nur hoffen, dass man es gemeinsam besser hinbekommt. Natürlich kann man mit wenig bis nichts, unglaublich glücklich sein. Auf meiner Habenseite stand eine ganze Weile lang nur: viel Zeit. Das ging auch. Ich hatte kein Handy, geschweige denn ein Auto oder einen Schlüssel für die Vordertür des Elternhauses, denke aber, die Zeit gut genutzt zu haben. Wenn man miteinander reden und lachen kann, wie über diesen Text zum Beispiel, und sich gegenseitigen Respekt erweißt, dann macht man schon sehr viel richtig. Geld, Sex, Macht und Langeweile können dann nur dienlich sein.

Mittwoch, 3. November 2010

Weltmännertag

“It´s a man´s world“ James Brown

Gestern war Weltmännertag. Mir ist gleich aufgefallen, etwas ist anders. Nein, im ernst, wie es bereits im Welt-Artikel von Hajo Schumacher hinterfragt wurde: wie schlimm steht es um den Mann, wenn dieser seinen eigenen Gedenktag braucht? Antwort: Sehr schlimm. Der Mann folgt dem allgemeinen Trend und schafft sich ab. Solange der FC Schalke 04 noch Fans hat, mache ich mir nicht die größten Sorgen, dennoch ist es auffällig mit was für weichgespülten Persönlichkeiten wir es in unserer Gesellschaft zutun haben. Zudem besteht für mich natürlich ein ganz besonderes Interesse an dem Thema. Wer will mich abschaffen?

Mann muss nicht unbedingt sofort so angestrengt heterosexuell rüberkommen wie Mitglieder der Hells Angels oder schottische Hooligans, denen fehlt ja vollkommen die Eleganz und ihnen geht oft das gewisse Flair abhanden, wie ihn die damaligen Leinwandidole hatten. Aber John Wayne, James Dean, James T. Kirk, Humphrey Bogart, Sean Connery oder mein persönliches Vorbild in Sachen Männlichkeit: Michael Caine, das waren noch Typen mit Charakter, die einfach nur da standen und ihr Ding machten. Was dabei rumkam, waren immer die hübschesten Frauen. Nach solchen Leuten konnte man sich richten.

Ich denke, es sind gar nicht mal die fehlenden männlichen Vorbilder. Die Männer haben sich nur zu sehr den Vorstellungen der Frau angepasst, anstatt ihr eigenes Ding zu machen. Selber Schuld, quasi. Als Beispiel: Seitdem sich Wayne Rooney die Brust rasiert, trifft er nicht mehr. Früher konntest du als Mann immer noch etwas darstellen, obwohl du scheiße aussahst. Heute solltest du besser Tanzen lernen oder zumindest nachdenklich gucken können. Oder du driftest gleich in die Hooligan Ecke ab.

Wenn man Single Frauen zuhört, am Nachbartisch sitzend oder beim Telefonieren, heißt es grundsätzlich: gepflegt muss er sein. Das Bild eines ungepflegten Mannes entspricht für mich die Sorte Ehemann, die auf RTL oder sonst wo am Nachmittag seine Meinung zur Rolle der Frau kundtun darf.
Aber jeder, der sich regelmäßig rasiert und täglich duscht mit allem Pipapo, ist doch schon im wahrsten Sinne des Wortes in trockenen Tüchern. Was ist denn sonst mit gepflegt gemeint? Gezupfte Augenbrauen? Geschminktes Gesicht? Lackierte Fingernägel? Gegeltes Haar? Hintrapierte Bärte? Kann es womöglich sein, dass mit "gepflegt" einfach ein Waschbrettbauch gemeint ist? Der Anspruch auf einen Waschbrettbauch die Frau nur viel unglaubwürdiger da stehen lässt, als der Anspruch auf ein gepflegtes Äußeres?
In meiner Vorstellung gibt der ungepflegte Mann sowieso einen Dreck auf die Möchtegern Starlet Tussis, denen das schwuchtelige Äußere so wichtig ist und zudem ist er eh meist mit einer ständig lamentierenden Frau, mehr oder weniger, glücklich verheiratet . Soweit meine Vorstellung.

Etwas, das mich ebenfalls an dem Trend der Metrosexualität beängstigt, ist, dass es vorwiegend humorlos zu geht. Wenigstens wirkt das nicht so scheinheilig. Welcher gutaussehende Typ hat schon Humor und wofür braucht er den, wenn er gut aussieht? Richtig...

Achtet mal drauf, die Besten haben immer körperliche Defizite. Dazu noch ein T-Shirt, Jeans, Sneaker, ein kräftiger Händedruck und fertig ist der Mann. Zeitlos gut, wie sein einziger Anzug im Schrank.