Mittwoch, 29. April 2009

Phrasenschwein

"zu wahr, um schön zu sein" Bastian Sick

Mal Hand aufs Herz, wer kennt schon die Bedeutung aller Sprichwörter, die im Alltag so kursieren? außer Pawel Gurasijewitsch. Ich persönlich kann die Bedeutung nur erahnen und den Hintergrund, sowie den Ursprung nur raten.

Redewendungen sind mir oft ein totales Rätsel. Aus dem Kontext kann man sich denken was gemeint ist, aber wieso?

„Da lasse ich mich nicht hinter die Fichte führen“ ist einer der wenigen Aussprüche, die ich von der Bedeutung her gut nachvollziehen kann. Böse Männer verstecken sich gerne hinter Fichten. Alles klar und dann wird man über den Tisch gezogen.
"Das stinkt wie ein Iltis". Bitte was ist ein Iltis und wie genau riecht so ein Tier? war das Stinktier nicht mehr interessant genug?
„Klappe zu, Affe tot“ verstehe ich nicht. Klingt für mich wie ein missglückter Kinderreim eines besoffenen Vierjährigen. Bedeuten soll es wohl „Schluss aus vorbei!“ Warum weiß ich nicht! Weiß Niemand. Benutzen tue ich es deshalb nie, verbreiten schon!
„Da beißt die Maus kein Faden ab“. Beißen Mäuse gerne Fäden ab? Noch nie was davon gehört und was soll das Fäden abbeißen Bewirken, das dieser Spruch so alltagstauglich ist. Angeblich.
Aus zusammenhängenden Sätzen kann man raushören, dass damit wohl „nicht kleinlich sein“ gemeint ist. Der Zusammenhang erschließt sich mir aber nicht. Bisher dachte ich auch, dass aus Böhmischen Dörfern die Musik käme. Schließlich sang einst Peter Alexander „Aus Böhmen kommt die Musik“. Trugschluss.
Mit dutzenden Redewendungen kann ich nichts anfangen und wenn ich diese bei meinem Gegenüber hinterfrage, muss ich feststellen, alleine bin ich damit nicht.

Sprichwörter verhalten sich ähnlich. Obwohl ich darin sicherer bin, könnte ich nicht immer die Hintergründe der einzelnen Sprichwörter wiedergeben. Dafür sind wiederum viele Selbsterklärend. „Den letzten beißen die Hunde“. Klarer Fall und empirisch nachgewiesen.
"Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“. Nachzuvollziehen beim ersten Gedanken. Was aber nur wenige wissen, ist, dass das Sprichwort auf zwei Schneider beruht. Der eine namens Sommer, produzierte qualitativ Hochwertige Kleider und die Konkurrentin Schwalbe setzte auf Quantität. So machte eben eine Schwalbe noch keinen Sommer. Funktionierte für mich mit dem Vogel und der Jahreszeit auch ganz gut bisher.
„Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“. Das wird sich Isaac Newton auch gedacht haben, hat aber was mit der Genealogie zu tun. „Ich stand auf Messers Schneide“ (Ullstein Tb. 43204, Berlin, 2004) von Pawel Gurasijewitsch ist ein Buch das sich hiermit beschäftigt. Die perfekte Lokuslektüre. Gelesen habe ich es allerdings noch nicht.

Ich finde es ganz witzig Sprichwörter zu mixen. Beispiel: Ein geschenkter Gaul springt nur so hoch wie er muss! Absolut schlüssig. Auch gut, aber leider nicht von mir: Zeit ist Gold!
Ob Zeit nun Geld oder Gold ist, ist ja inhaltlich egal. Meinetwegen kann Morgenstund auch Geld im Mund haben! Put your Money where your Mouth is… Morgenstund!
Besonders schön ist es, wenn man dabei klugscheißerisch korrigiert wird.

PS: Ich sehe gerade, die Jungs von Ravensburger hatten die Idee schon... schau!
PPS: "Spieldauer: 15-20 min", so ein Quatsch, wohl eher 15-20 Jahre!
PPPS: "Speziell für Menschen ab 50 Jahren", der Grund steht oben

Sonntag, 26. April 2009

Was für Draußen

„Mal sehen ob das Ding Power hat. Du bist dran, roter oder blauer Draht?“ Dendemann

Nichts für Draußen Teil 2


Es ist 9 Uhr als ich wieder zu Hause ankomme. Gelohnt hat sich das jetzt nicht. Erstmal Schlaf nachholen und danach überlegen, wer denn Zeit und Lust hat mit mir mein Auto vom 35 Kilometer entfernten Disco Parkplatz zuholen. 13 Uhr. Begeistern konnte ich Niemanden mit der Idee, dennoch erbarmt sich irgendwann Fab Four Five (Name originell geändert) meiner.

Weil es Samstag ist und Niemand die Wege zu Großraumdiskos besser kennt als seine kleine Schwester, kommt J Dilla (Name ebenfalls originell geändert) gleich mit. Als ich erkläre, weshalb ausgerechnet ich, gerade derjenige, der von sich behauptet aufgrund einer Temposünde den Verlust seines Führerscheins in Raten an Wochenenden absitzen zu müssen, mit dem Auto in eine Großraumdisko fährt, fällt mir auf wie lächerlich das ganze gestern war.
Ich muss an die Worte von Peter denken, der Vater eines Freundes, der einst eine Autoladung voll halbstarker Jugendlicher zur nächst gelegenen Veranstaltung kutschierte. Er meinte damals, wir seien alle zu dämlich uns an Wochenenden mit dem Fahren abzuwechseln. Es ist wirklich selten, dass jemand so dermaßen recht hat.

Mein Vectra steht noch auf dem Parkplatz und wie es aussieht, war ich gestern nicht der einzige, der das Auto hat stehen lassen. Kurze Abschiedsfloskel und Fab Four Five und J Dilla sind vom Hof. Passend zum Verlauf des Wochenendes, ach, des ganzen Lebens überhaupt, springt der Karren nicht an! Das kennt man ja von Oldtimern, stehen lassen ist nicht gut. Wenigstens funktionierte das im Auto befindliche Handy noch. Fab Four Five dreht um und ich suche schon mal die Zange aus dem Handschuhfach, mit der man an dem Stift ziehen muss, dessen Mechanismus die Motorhaube öffnet. Was jetzt kommt ist für viele Männer bestimmt peinlich, aber am meisten Ahnung vom Automotor (aber nicht Sport!) hatte J Dilla. Eine Situation, wie Brilletragende Frauen, mich stört das absolut nicht.

Diagnose: Batterie leer. Geil! Endlich erfüllt das in meinen Augen dümmste Geburtstagsgeschenk aller Zeiten, ein Überbrückungskabel von meinem Onkel zu meinem 18., einen Zweck. Eine Frau der Praxis ist JD nicht. Schlimme Stromschläge (wie in den Police Academy Filmen) konnte sie nicht ausschließen. Gefährliches Halbwissen.*

Ich übernehme den Job, kann ja nicht so schwer sein. Plus zu Plus, Minus zu Minus und auf gar keinen Fall die Kabel kreuzen, sonst Protonenexplosion. Ich würde lügen, würde ich behaupten es mache mir im Moment keinen Spaß. Nur einmal den Zündschlüssel gedreht und das Auto läuft tatsächlich wieder. Wenn der Schluren mal nicht anspringt, dann doch bitte mit den Beiden. Was für Draußen. Während die einen eine Siegerzigarette rauchen, krame ich unter den Sitzen nach den Fruchtsektflaschen. Die bleiben schön hier. Als Mahnmal.

Ich bedanke mich und fahre zu meinem Cousin, Scarface schauen und erklären warum ich meinen Handyspeicher unbedingt um eine Nummer erleichtern muss.


*An dieser Stelle sei angemerkt, dass es mich aufregt, dass das neue Bühnenprogramm des Mr. 100.000 Valium Oliver Pocher genauso heißt wie das Debütalbum der Lieblingsgruppe Eins Zwo.

Samstag, 25. April 2009

Nichts für Draußen

"Es gibt nun mal Fälle in denen Menschen nicht zusammen passen
deshalb sage ich schluss mit all den krampfhaften Bekanntschaften
Beziehungen und Ehen
ich will sowas nicht sehen
es gibt eine simple Lösung für dieses Problem" Samy Deluxe

"Du fragst dich warum ich dir diese Story erzähl? Na, vielleicht finde ich sie einfach nur originell" Dendemann

2006. Ein Freitagabend. 19 Uhr. Wahlheimat. Ich versuche es kurz zu machen. Ich sitze bei meinem Cousin in der Küche, trinke ein Staropram und rede über The Pharcyde und darüber, dass jeder das Tré Hardson Album haben sollte, bis mein Handy klingelt. Es sind Denise und Chantal (Namen unoriginell geändert).

DENISE [gutgelaunt]: „Hier ist Denise, hast du Lust heute mit Chantal und mir in die Disse zu fahren?“

ICH [skeptisch]: „Ja, warum nicht?“ Bin dabei! Wer fährt denn?“

DENISE [mal ehrlich]: „Tja, das wissen wir noch nicht. Du kennst doch so viele Leute, ruf die doch mal an! Von uns sollte keiner fahren, wir sollten schon alle trinken!“

ICH [nachdenklich]: „Ich kann es versuchen. Bin Gerade noch in...“

DENISE [fordernd]: „Mach schnell, um 20 Uhr wollten Chantal und ich schon bei Dir sein und etwas Vortrinken.“

Bis eben war alles Stressfrei. Tatsächlich finde ich jemanden, der uns heute Nacht aus der Disco abholen würde, aber hinbringen ist nicht. Denise entschließt kurzfristig, dass ich dann ja fahren kann. Mein Auto bleibt dort stehen. Also kein Bier mehr für mich. Ich fahre nach Hause und denke, dass bei dem Start der Abend es verdammt schwer mit mir haben wird.

Es ist 20 Uhr, keine Chantal, keine Denise. Ich schaue fern, schlafe fast dabei ein. Um 23 Uhr klingelt es an meiner Tür. Die drei Stunden will ich wieder haben.

CHANTAL [neckisch]: „Na, schlecht gelaunt oder was?“

ICH [saucool]: „Gar nicht.“

Die beiden schleppen jeweils eine unangebrochene Flasche Fruchtsekt mit sich rum. 10. Klasse Klassenfahrt Erdbeere, steht auf dem Etikett. Na die wollen es ja wissen.

ICH [verwundert]: „Habt ihr noch nichts getrunken?“

CHANTAL [ehrlich]: „Nö, vergessen.“

Ich hätte die Zeit auch super Bier trinkend vor der Glotze meines Cousins verbringen und mich abholen lassen können.

Angekommen in der Disse, frage ich was denn der Anlass sei. Keine Antwort, ich ernte Achselzucken und dumme Gesichter. Der Fruchtsekt landet angebrochen auf meinem Rücksitz. Kaum dass wir den Laden betreten haben, sehe ich nur noch Chantals Scheitel und ihre Nase illuminiert vom blauen Schimmer ihres Handydisplays. Denise rennt zum erst besten Tresen. Hier ist alles so billig. 50 Cent für ein Mixgetränk. Nicht zu glauben. Ich Stelle mich neben Denise an den Tresen. Tragen helfen.

DENISE [besorgt]: „Sag Chantal bloß nicht, dass hier Beck´s Lemon auch so billig ist. Sonst trinkt die heute nur noch das Zeug und wird nie betrunken.“

ICH [unbeteiligt]: „Wird gemacht. Also nicht gemacht. Chantal abfüllen, verstanden!“

Das Gesicht von Chantal ist immer noch über ihr Handy gebeugt und das sollte sich auch den ganzen Abend nicht ändern. Die sagt bestimmt gerade zu Hause ab, lüge ich mich an. Viel geredet wird nicht. Jedes mal, wenn mich ein Mädel grüßt oder rüberschaut, darf ich mich rechtfertigen. Wer war das? Woher kennst du die? Jahrgang? usw. Party ist woanders.

Schon um 2 Uhr soll ich die organisierte Abholgelegenheit anrufen. Mein Handy liegt im Auto… ups. Chantal dreht durch. Sie schreit rum ich solle sofort die Nummer besorgen. Zufällig geht gerade eine Freundin vorbei, sie hat die Nummer.

ICH [ruhig]: „Maike, von früher, 1985, hat die Nummer. Alles wird gut.“

CHANTAL [lauthals]: BEEIL DICH MIT DEM ANRUF, DAS KOSTET ALLES MEIN GELD!“

ICH [kleinlaut]: „Da nimmt keiner ab.“

CHANTAL [fast weinend]: „DU HAST DEM GAR NICHT BESCHEID GESAGT!!!“

Chantal ruft ihren Vater an. Ich bin 24 und muss mich von einem Elternteil abholen lassen. Fuck. Wir gehen in die angrenzende Dönerbude und warten dort. Ich lege mein -die gehören nicht zu mir Gesicht- auf. Denise und ich haben einen Döner in der Hand und versuchen uns gegenseitig den Abend zu erklären.

CHANTAL [drohend]: „EY, MIT DEM DÖNER DÜRFT IHR ABER NICHT INS AUTO!!!“

Ausgerechnet dieses Auto fährt gerade um die Ecke. Denise schmeißt ihren Döner ins Gebüsch. Ich nehme noch einen Monsterbiss und werfe meinen hinterher. Die Stelle präge ich mir instinktiv ein. Als ob es etwas bringe würde. Essen wegschmeißen soweit ist es mit mir gekommen. Tommy Jaud würde diese Chance nutzen und schreiben: In Afrika haben die nichts zu Essen und ich werfe es weg. Leider kann ich nicht bis nach Afrika werfen. Ich steige hinter dem Vater ein, die Backen voll Gammelfleisch, Gurke und Tzaziki.

VADDA VON DER CHANTAL [ehrlich gemeint]: „Guten Abend.“

CHANTAL [gereizt]: „WIRD AUCH ZEIT.“

DENISE [müde]: „Hey.“

ICH [mit vollem Mund]: …mmMmm…

CHANTAL [voll da]: „DER REDET NICHT MIT JEDEM!!!“

Brot klebt mir am Gaumen. Was hat die Alte bloß? Was stand denn in den 100 SMS die sie heute bekam? – Liebe Chantal, deine Wohnung brennt gerade herunter. HDGDL die Feuerwehr.
Es ist 4 Uhr als wir fast vor meiner Haustür stehen.

CHANTAL [diplomatisch]: „Morgen ziehe ich um, du kommst morgen mit meinem Auto zu meiner neuen Wohnung und hilfst. Um 8 Uhr geht es los.“

ICH [gereizt]: „Komisch, habe gar keine Lust.“

CHANTAL [erstaunlich cool]: „Du musst nicht wenn du nicht willst.“

ICH [verwundert]: Okey, dann komme ich nicht.“

CHANTAL [zurück]: „WAS BIST DU DENN FÜR EIN SCHEISS FREUND?“

ICH [nachgebend]: „Super Argument, eigentlich heute um 8 Uhr?“

DENISE [nebenbei]: Ich bin auch dabei und danach holen wir beide dein Auto weg.“

Ich nehme den Autoschlüssel entgegen und falle ins Bett.

Samstagmorgen. 7 Uhr. Ich torkele aus dem Bett, unter die Dusche, in die Hose, ins Auto. Das scheiß Ding fährt gerade so. In ihrem Kaff regnet es in Strömen. Keine Chantal, keine Denise. Schon wieder. Der Vater „Moin“, die Mutter „guten Morgen“ und so ein komischer Typ „höhö, guten Morgen Meister“ sind die einzigen vor Ort. Mein Cousin Ruft an.

COUSIN [Jenseits von Jedem]: „Meister, ich werde Drogendealer!“

ICH [wenig gesprächig]: „kannste damit bis heute Abend warten? Ich habe auch tolle Neuigkeiten.“
So lieblos hat noch Niemand Möbel in den ersten Stock geschleppt.

VADDA VON DER CHANTAL [aus dem Fenster]: "Chantal wird sich dann noch bei dir bedanken.“

Ich muss lachen wie ein Troll lachen würde. Muhähähä.

Die Mutter bringt mich nach Hause. Völlig durchnässt.
SMS von Denise: Ich hole dein Auto doch nicht ab.

Hört das denn nie auf? Das Schlimmste ist, ich wusste vorher schon, dass genau das passieren wird. Nichts für Draußen.

Samstag, 18. April 2009

Captain N - The Game Master

„Zwei Hardcore Zocker mit viereckigen Augen
die ihre Zeit zwar verschwenden doch kein Leben verbrauchen“ Blumentopf

"Ich kenn 'nen Typen in der Nachbarschaft den jeder für'n Loser hält, doch daheim in seiner Computerwelt ist er'n Superheld. Macht locker jeden platt und toppt jeden Punktestand, aber im Alltag bleibt er unbekannt sein Name ungenannt" Samy Deluxe

Meine erste Konsole war das Atari. Meine Lieblingsspiele waren Astroiden und Ghostbusters. Ich habe den Kasten geliebt. Der Kontroller bestand aus einem Steuerknüppel und zwei Knöpfen. Einer für Linkshänder, der andere für mich. Es war schon sehr schwer für mich und vor allem für die einzigen beiden „Joysticks“, als der Heizkörper sie zerquetschte.

Zeitgleich war damals gerade der Amiga 500+ erschwinglich geworden. Meine Lieblingsspiele waren Monkey Island und X-Com Enemy Unknown. Ach, eigentlich war das die große Zeit der Spielentwickler. Ich mochte fast alles. Meine Kindheit habe ich mit Disketten wechseln verbracht. Wir hatten damals mehrere Diskettenboxen voll mit Spielen. 200 oder mehr. Kein Scheiß. X-Copy hieß das Zauberprogramm. Leider waren die Kopien auch schnell fehlerhaft.

Gerade als wirklich alles eimal durchgespielt war, kam das NES heraus. Meine Lieblingsspiele waren Zelda und Teenage Mutant Hero Turtles. Ich war leider sehr spät dran mit der Konsole und allen Altersgenossen hoffnungslos unterlegen. Am Anfang lief ich bei Mario Brothers nach links, drückte bei Tetris noch oben und verlor sogar mit Argentinien gegen Japan bei World Cup Soccer.
Ich war Joysticks nicht mehr gewohnt und brauchte wirklich ein Jahr um Prinzessin Peach zu befreien, danach war ich aber nicht mehr zu halten.

Ein Glück, dass der nächste Level schon in den Regalen stand. Das Super Nintendo Entertainment System. Zeitlos.
Meine Lieblingsspiele waren Secret of Evermore und Secret of Mana. Die Spiele haben heute einen unverschämten Wert bei eBay. Allein das beliebte Bomberman 2 wird hoch gehandelt. Bessere Partygames gibt es nicht. Tetris versus Dr. Mario, Unirally, NBA Jam… und dazu diese eingängigen Melodien. Sogar das Jump and Run Genre wurde revolutioniert. Alles geil und der Genickbruch für Sega. Mein Freundeskreis verdoppelte sich schlagartig und damit meine ich nicht Yoshi und Donkey Kong. Ich habe jedes Spiel, das ich besaß durchgezockt. Hätte ich mit derselben Intensität in der Schule gelernt, bräuchte ich keinen Blog für das Ego.
Ich weiß nicht warum, aber wir verkauften damals unser SuperNES und warteten darauf, was an den Gerüchten, Sony arbeite an einer revolutionären Konsole, dran war.

Das Nintendo 64 habe ich übersprungen, trotz Golden Eye. Ich kaufte mir recht früh die Playstation und ließ mir einen Chip einbauen, damit ich die gebrannten Spiele zocken konnte. Nicht nur das hatte die Konsole mit dem Amiga gemein, sondern auch die Spiele Vielfalt. Meine Lieblingsspiele waren Final Fantasy VII und Resindent Evil. Die Konsole war ein Alleskönner. Zum ersten Mal musste ich mir eine Konsole nicht mit meinem Bruder teilen. Er hatte nämlich irgendwann seine eigene PS. Wir kauften uns ein Linkkabel und dadelten Red Alert bis zu meinem Endsieg. Auch dieses Mal zockte ich jedes Spiel durch. Ich will gar nicht erst an die Zeit denken, die ich dafür investierte. Ein Wunder, dass aus mir nie ein Nerd geworden ist.

Die Playstation sollte meine letzte Konsole sein. Die sechs Knöpfe haben mich damals anfänglich überfordert, aber wenn ich mir die neuen Kontroller der High End Geräte anschaue, frage ich mich, ob ein Pad nicht eher für zwei Spieler gedacht ist.
Leider fallen das Gameplay und die Ideen der Spielentwickler mit der Anzahl der Knöpfe auf dem Pad. Dazu kommt, dass der Fernseher und die Anlage der Entwicklung angepasst werden müssen. Sehr teuer alles.

In meiner vorlesungsfreien Zeit lieh ich mir eine PS 2 aus. Die einzigen Spiele, die ich ernsthaft gespielt hatte, auch weil es keine PS 1 Sequels waren, waren God of War 2 und Mortel Kombat Adventure. Durchgezockt, versteht sich. Die Grafik ist so gut, dass man gar nicht mehr erkennt was zum Hintergrund gehört und was man aktiv im Spielverlauf nutzen kann. In Zeichentrickfilmen ist die Schublade, die sich gleich öffnet oder der Fels, der gleich abstürzt wenigstens immer noch etwas heller gemalt. Bei God of War nicht! Mensch, wie mich das nervte. Sowieso hat mich bisher keiner der neueren Titel gefesselt. Alles zu schwer oder kompliziert. Mir ist mein Spieltrieb abhanden gekommen. Einzig auf Spielabenden im kollektiv kann ich mich noch begeistern. Dann aber richtig.
Zum Glück gibt es noch das SuperNES in der Hütte.

Rad versus Stadt

"Freie Fahrt für den Typ auf dem Rad, mit dem iPod am Start, Volume auf Anschlag, Berg ab, Vierspurig, ich fahre Schlangenlinien, so kann es weiter gehen, von mir aus bis Argentinien" Jan Eißfeld

Aufgrund meiner geographisch vorteilhaften Wohnsituation brauche ich in Bremen kein Auto. Der Stress, der mit dem Auto in Verbindung steht, ist auch zu groß. Das ständige Parkplatzsuchen und nicht finden, dann das anstrengende Fahrverhalten der Eingeborenen und natürlich die rücksichtslosen Radfahrer. If you can´t beat ´em, join ´em.

So mein naiver erster Eindruck, bevor ich nach Bremen zog. Heute, als Radfahrer lautet mein Motto: if you can´t join ´em, beat ´em

Auf meinem morgendlichen Weg zur Arbeit wurde ich von kleinen Studentinnen überholt, die kerzengerade auf ihren zu großen Damenrädern sitzen und Omis, die als erstes das Nonfood Angebot bei Aldi oder so abgreifen wollen. An jeder roten Ampel traf ich sie dann wieder. „Hallöchen… GRÜN!“ Haha, die Idioten sind so geil darauf einen Kickstart hinzulegen, dass sie auf jedes Muskelzucken des Nachbarn reagieren. Der Fluch der Pole Position.

An meinem Alu Kettler Herren Rad (Bike) funktionieren nur noch 2 von 5 Gänge, aber das reicht. Brücke hoch (2. Gang), Brücke runter (3. Gang). Ätzend ist es, wenn Fußgänger, in der Nahrungskette ganz unten, einen mit einem Ausfallschritt den Schwung nehmen. Die Klingel brauche ich selten, mein Rad klappert so laut, dass jeder denken muss, ich würde unbereift durch die Straßen eiern.

Wenn man sich langsam an den Verkehrsfluss und die bösen Blicke der gegnerischen Fahrradfahrer, weil man auf der falschen Seite der Straße fährt, gewöhnt hat, kann man seine Skillz an der Profistrecke durch das Viertel testen. Das Viertel verzichtet stellenweise ganz auf Radwege und man teilt sich das Kopfsteinpflaster mit der dazu gehörigen Bahn. Nachts und betrunken… ein Debakel.

Mittlerweile halte ich mich für einen relativ fortgeschrittenen Bremer Radfahrer. Ich balanciere 12 Liter Wasser am Lenkrad, weiche dabei erfolgreich Außenspiegeln aus und kenne die meisten Ampelintervalle.

Wenn ich anfange entgegenkommende Radfahrer den bösen Blick zu zuwerfen, bin ich Bremer. Vorausgesetzt die beiden größten Feinde des Radfahrers kommen mir nicht vorher in die Quere.

Zum einen der Fahrraddieb. Es gibt in Bremen eine unheimliche hohe Fahrraddiebstahlquote. So hoch, dass eine Fahrradversicherung teurer ist als eine normale Hausratsversicherung.

Zum anderen meine Hassliebe, die attraktive Fußgängerin. Irgendwann baue ich noch einen „Tödlichen“, weil ich einer von denen zulange hinterher schaue. Biester.

Donnerstag, 9. April 2009

Zeugen

„Jehova Jehova Jehova“ Monty Python`s Leben des Brian

Letztes Wochenende durfte ich zum ersten Mal im Leben den Zeugen Jehovas die Tür öffnen. Es war nicht meine eigene Haustür, aber wir erwarteten eh noch Freunde und da dachte ich, es mache nichts aus wenn ich die Tür öffnen würde. Was für ein Glück.
Oliver Pocher Himself war es leider nicht. Der hat jetzt ja theoretisch Zeit genug, um für seinen Verein an der Front aktiv zu werden, stattdessen stand dort eine ältere Frau mitsamt einem Kind an der Hand. Junge oder Mädchen konnte ich nicht genau sagen. Ein Kind, clever. Niemand wird einem Kind gegenüber ausfallend werden und ich schon gar nicht.

ZJ: „Hallo, haben sie eine Sekunde für Jesus?“

Schade, ich habe gedacht es gibt eine Standardbegrüßungsfloskel bei den Zeugen. Nämlich: Wir bringen Ihnen Jesus ins Haus. Meine Antwort darauf wäre gewesen: „Leider habe ich gerade keine Zeit, stellen sie ihn einfach in der Garage ab. Ich schaue ihn mir später an.“
Schlagfertigkeit ist das, was man 24 Stunden vorher weiß.
Zugegeben, erst jetzt wurde mir klar, dass diese Frau nicht aus der umliegenden Nachbarschaft kommen konnte und sich eventuell über die viel zu laute Musik beschweren wollte.
Das Kind guckte, als ob es für diese Aktion Süßigkeiten versprochen bekommen hatte.

Ich: „Halli Hallo und Klaro!“

Sie drückt mir eine Broschüre in die Hand. Es war noch nicht mal der Wachturm. Was ist die denn für ein schlechter Zeuge Jehovas? Gibt es bei denen mittlerweile auch schon Subkulturen? Zigeuner Jehovas, oder so.
Ich war enttäuscht.

ZJ: „Kommen Sie doch zu unserer Veranstaltung nächste Woche.“

Auf der Broschüre war ein Gemälde abgebildet. Mein flüchtiger Blick langte nicht aus, um den Inhalt dieser Veranstaltung auszumachen. Massenhochzeit? Selbstmordpakt mit anschließendem Büfett?

Ich: „Also ich bin dabei und meinen Freunden werde ich auch gleich bescheid sagen!“

ZJ: „Das freut mich. Jesus ist für uns gestorben und was tun Sie für ihn?“

Was war das denn für eine Frage? Interessant auf jeden Fall. Besser als das wertfreie „wie geht’s?“ oder „was gibt es zum Essen?“
An mein Gewissen appellieren… ich stelle mir einen angemieteten, verdunkelten Büroraum vor, dessen einziges Licht von einem Projektor stammt, der Pyramidensysteme an die Leinwand wirft.
Auf einem Tisch liegen Bibeln, die den Teilnehmern, und damit meine ich die Gläubigen, als eine Art Waffe des Glaubens nach der Gleichschaltung ausgehändigt wird. Immer wieder wird ihnen eingebläut, macht denen ein schlechtes Gewissen! Aber keine Hitler-Vergleiche!

Ich: „Da haben Sie recht! Bis dann… Tschöhöß.“

Tür zu. Da war ich etwas geistesabwesend. Ob die zufrieden sein konnte mit Ihrem Job? Und das arme Kind, hoffentlich löschen die dem nach dieser Tour der Peinlichkeiten das Gedächtnis. Gebrandmarkt auf Lebenszeit. Da zieht die Ausrede „Ich war jung und brauchte die Süßigkeiten“ auch nicht mehr.
Schlimmer ist nur noch als nackter Hampelmann für die Bravo abgelichtet zu werden.
Ich ging zurück ins Wohnzimmer, setzte mich, griff nach dem XBox 360 Pad und faselte apathisch vor mich hin: „Zigeuner, Du sollst zu deren Treffen kommen. Und bring ein Kind mit!“

Montag, 6. April 2009

Mach Schluss

„Ich seh, egal wohin ich komm, Menschen gefangen in Beziehungen bei denen nix geht und nix gehen wird und das trotz aller Bemühungen.“ Samy Deluxe

“Will nichts tun was du später mal bereuen wirst doch heute Nacht brauch ich bisschen mehr als Freundschaft“ Joy Denalane und Max Herre

"Weil ich in Dir die absolute Treue seh´, lösche ich meinen Account auf www neu de" MC-DJ Dagobert Fuck

Ein Wahnsinn alles. Single Generation, es wurde in den letzten Jahren ja genügend darüber geschrieben, war und ist für mich die bisher einzig gelungene Bezeichnung meines Jahrganges, meiner Generation. Für mich war es immer ein fabelhaft funktionierender Gegenentwurf zur Fußfessel Beziehung. Dazu sei gesagt, wer sich nicht bewegt, spürt auch seine Fesseln nicht.
Oft auf Langeweile basierende Zweckgemeinschaften, in denen gemeinsam verlernt wird alleine mit sich klarzukommen. Eine Beziehung wechselt nahtlos in die nächste und weil man bestimmt nicht die Katze im Sack kaufen will, bluten die Beziehungen bis zur endgültigen Trennung langsam aus, während zeitgleich anderweitig bereits die nächsten Gemeinsamkeiten gegenübergestellt werden.
Muss ja ein schönes Gefühl sein, man ist mit einer Person zusammen, weil diese dem vorigen Partner untreu war. Besonders wenn es keinen ersichtlichen Unterschied zwischen der alten und der neuen Beziehung gibt. Da kann man sich gleich wieder umsehen. Wird ja auch gemacht. Mal ernsthaft.

Eine Freundin von mir zum Beispiel hat das ganze für sich so ausgelegt, dass sie sich ihre Partner nach ihren aktuellen Interessen aussucht. Klingt erstmal logisch und vor allem harmlos, ist aber latent materialistisch. Jedes mal stelle ich ihr die Frage: Was war denn dieses mal zuerst da, deine lächerliche Affinität zu diesem Trendsport oder deine lächerliche Affinität zu dem Typen, der diese betreibt. Der Typ gewinnt eigentlich nie gegen ihre Hobbys. Es werden sich Eintrittskarten erschlichen, teure Parfüms und Ansehen und und und. Die Typen kriegen das nie mit, klar, die machen den Sport gerade weil es gut bei den Frauen ankommt und weil man als Roadie die Frauen mit Backstage Karten locken kann, den kann es ja egal sein, Hauptsache es kommt was dabei rum.
Wo die Liebe hinfällt, wird in diesem Fall mal besser nicht dem Zufall überlassen. Muss sie wissen.

So wie es wirklich sein sollte, so wie es sich einst Walt Disney vorgestellt hat, ist es natürlich sehr selten. Der Idealfall halt. In meinem Bekanntenkreis gibt es genügend Paare, bei denen ich dachte, die bleiben auf ewig zusammen, endlich punktet die Familie mal. Denkste. 2009 scheint das Jahr der Trennungen zu werden, da kann auch kein Boris Becker den Schnitt mehr hochreißen. Außerdem hat der nichts in meinem Bekanntenkreis verloren.
Heimlich habe ich schon geplant einmal im Monat zu einer Hochzeit eingeladen zu werden. Das Spiel setzt sich dann ewig fort. Grüne Hochzeit, Papierene Hochzeit, Baumwollhochzeit, Hölzerne Hochzeit, Silberhochzeit usw. Bis ins hohe Alter.
Leider hat die Ehe an Fame ganz schön eingebüßt. Da vergisst man einmal die Zahnpastatube zu zudrehen, schon kommt der Stein ins rollen. Zack! Single Generation.

Gerade die Beziehungen, bei denen man sich fragt, was denn die beiden zusammengebracht hat: Geld, Sex oder Macht? halten quasi ewig. Wer heiratet ist bei meinem „eine Feier pro Monat“ Masterplan zum Glück egal. Ob nun Homer und Marge oder Ike und Tina.

Um das ganze noch zu einem positiven Abschluss zu bringen, tendenziell sind Beziehungen natürlich eine feine Sache oder wie Moritz von Uslar es sagen würde: Ich werde auch bald heiraten, egal wen.