Dienstag, 25. November 2008

Amerikanische Sitcoms

"Fehlt jetzt nur noch ein Zeitungshut und dann muss ich irgendwann von der Leiter direkt in den Eimer treten und dann wird gelacht vom Band. Aber ist ja keine Komödie ist ja scheiß echtes Leben." Benjamin von Stuckrad - Barre



Früher habe ich nur zu gerne amerikanische Sitcoms gesehen. Al Bundy kann ich heute noch mitsprechen. Wie oft sollte das abgesetzt werden und hat es auf irgendeinen Sender wieder ins Nachmittagsprogramm geschafft? Die schwarzen Sitcoms waren, bis auf „der Prinz von Bel Air und Bill Cosby“, einfach nur schlecht. Ob es an der Übersetzung lag oder daran, dass ein Steve Urkel nicht ausreicht für 25 Minuten… LL Cool J hatte auch mal eine eigene Serie. Nicht witzig.

Ich fand die Gestaltung der Häuser beeindrucken. Alle gleich. Die Eingangstür führte direkt ins Wohnzimmer, das meterhohe Decken zu haben schien, von da aus ging eine Treppe nach oben zu den Schlafzimmern und eine Schwingtür nebst Durchreiche in die Küche und da war dann auch schon wieder der Hinterausgang. Das Verhalten der „Freunde der Familie“ war bemerkenswert. Sie hatten jederzeit zutritt über den Hintereingang zum Kühlschrank und dem Fernseher im Wohnzimmer. Sie kamen immer uneingeladen und wurden mit Jubel vom Band empfangen. So muss es doch sein. So was ist im echten Leben selbst auf dem Dorf eine Seltenheit. Was auch noch typisch war, waren die kleinen Badezimmer neben dem Schlafzimmer. Alle hatten eins. Eigentlich eine super Idee, wer will morgens schon über den kalten Flur müssen. In deutschen Sitcoms wäre neben dem Haupteingang ein Gäste WC gewesen. Die Ausnahme bildeten diejenigen, die in einem Apartment hausten.

Eine kleine Lektion bekam man neben den Lachern zusätzlich vermittelt. Wenn man was gelernt hat, dann dass man seine Frau nicht anlügt, um ehelichen Ärger zu umgehen. Denn früher oder später (25 Minuten später), kommt es heraus und dann hieß es: Nie wieder Nacktbar. Auch nennen Amerikaner ein Spiel (Football oder Baseball oder Basketball) immer DAS Spiel. „Wo schauen wir DAS Spiel?“. Solche Dinge habe ich mir gemerkt, leider hat es keinen Zweck in Deutschland von DEM Spiel (Fußball) zusprechen. Jeder denkt dann an eine andere Begegnung. Wenn unsere Nationalmannschaft spielt, sage ich es Zutreffenderweise auch, nur fällt es keinem auf. Man kann noch so cool daher reden, auffallen muss es schon jemanden. Dafür haben Seriendarsteller ihre Sidekicks. Mein Favorit war, neben Woody Harrelson in Cheers, Alfonso Riberio (Carlton Banks). Bei Gelegenheit vollführe ich heute noch auf Partys den Sugarhill Gang Tanz zu „Jump on it“. Ankommer.





Meine Lieblingsfolge aller Sitcoms war die Bill Cosby Folge, in der die gesamte Familie zu dem Michael Jackson Konzert fährt. Sowieso hatten die Cosbys Musikalisch immer die Nase vorn.



Top Five der besten Ami Sitcoms:



- Scrubs

- ALF

- Cheers

- The Bill Cosby Show

- Mad about you



Mittwoch, 19. November 2008

Das Parfum


"Mein grösster und in Wirklichkeit einziger Wunsch: mit nacktem Oberkörper Holz hacken, ohne dass es scheisse aussieht." Heinz Strunk

Ich suche seit geraumer Zeit ein Parfüm für mich. So wie Frauen zu IHREM Frisör laufen, suche ich MEIN Parfum. Bisher habe ich Probeflaschen geklaut, mich mit dem Playboy eingerieben oder habe die Mittagspause bei Douglas verweilt. Ich bin, aufgrund des vielen Sports, ein Duschgel / Deo Typ geworden. Wer in die Gruppenduschen der Sportvereine ein teures Produkt mitbringt, ist selber schuld.
„Hm, du, ich habe mein Duschgel vergessen, kann ich deins mal eben borgen.“ - Leer.
Solche Sätze sind nicht selten. Oder man achtet ganz einfach nicht darauf, ob das Duschgel auch in die eigene Tasche zurück wandert. Ich bin in der Angelegenheit wirklich kein Patrick Süßkind, aber warum benutzen Menschen ein Duschgel und danach ein völlig anderen Duft in Form von Parfum? Beißt sich das nicht oder explodiert sogar?
Im Internet recherchieren hat überhaupt keinen Zweck. Parfum ist so ein heikles Thema. Deshalb, weil jeder Typ, dank Metrosexualität, neues Männerbild usw., glaubt, er müsse davon Ahnung haben oder es trotzdem täglich benutzen, Hauptsache nicht negativ Auffallen. Dabei reicht es, wenn man beim Holzhacken mit freiem Oberkörper nicht scheiße aussieht. Resultat: Gefährliches Halbwissen. Im Internet stehen unter den Düften Kommentare wie:

- In die Haare nur 2-3 Sprüher, es soll ja dezent bleiben!

Wer haut sich das Zeug in die Haare? Womöglich noch zusätzlich zum, nach Fruchtgummi riechendem, Haargel.

- Der Geruch verfliegt schnell! Also nur auftragen, wenn man kurz aus dem Haus geht!

Dass man seinen eigenen Geruch nach wenigen Minuten nicht mehr wahrnimmt ist dem Menschen also nicht bekannt. Der Mensch atmet auch nur, alle Viertelstunde wechselnd, durch ein Nasenloch. Wenn ich schon mal dabei bin…
Und den nichts sagenden Produktbeschreibungen aus den Arbeiterminen diverser Werbeagenturen, kann man erstrecht nicht trauen, bzw. vertrauen. Meiner Nase leider auch nicht. Das Klientel sind die Frauen, sollten diese dann nicht am besten wissen, was gut, bzw. was eben nicht gut riecht? Vielleicht ja, aber einen guten Tipp konnte mir keine geben.

Ich war so naiv und bin mit vollem Magen in die Douglas Fiale gegangen. Männer die regelmäßig ihre Frauen mit Nutten betrügen, sollten ihr immer ein Parfüm mitbringen (der Frau). Der suggerierte Aufenthalt in einer Douglasfiale erklärt den Gestank Geruch und das "zu spät kommen". Preise und Marken sind deutlich ausgeschildert, was ich suche ist nicht dabei. Um die Gespräche der jungen Paare vor den Regalen zu belauschen, ist der Laden zu eng und auch irgendwie muffig. Hätte mich schon interessiert was deren Entscheidungskriterien sind. Der Duft sicherlich nicht. Man muss sich nur mal eingestehen, dass Parfüm kaufen nichts anderes ist wie Wein kaufen. Dasselbe Getue um die Flache, dabei schauen alle heimlich nur auf den Alkoholgehalt... Ich habe keine Ahnung davon und will auch nicht vor einer Verkäuferin Rumspinnen. Wenn der Duft die Frauen bewusstlos macht, vereinfacht das auch vieles. Designer, deren Klamotten schon scheiße sind, sollten kein Parfüm auf den Markt bringen. Teilweise rieche ich da unbehandelt besser. Was nicht abwertend den Designern gegenüber gemeint ist, sie geben sich ja Mühe.


Das Parfüm, das mir bisher immer gefallen hat, gibt es nirgends. Ich nehme dieselbe Marke, aber einen anderen Typ. Dazu auch gleich das passende Duschgel. Schnäppchen.




Freitag, 7. November 2008

Fast Food

Was soll ich euch noch erzählen, was ihr nicht selber wisst? Im Zweifelsfall immer das Lieblingsthema rausholen. Essen. Oder genauer: Fast Food.
Vorweg, Burger King ist besser als McDonalds! Und Kentucky Fried Chicken schmeckt nicht. Nur weil es seltener vorkommt, ist es nicht automatisch besser, weil cooler. Aber darum soll es nicht gehen. Ich habe für mich Fast Food der gesünderen Art entdeckt. Man fährt einfach in den Super Markt und kauft dort Bananen (kg für 89 Cent, ein Witz), kernlose Weintrauben (2 € eine Packung), Äpfel (kg für 2 €) und kleine, zum essen fertige Möhrchen. Dazu kann man sich ja noch einen beliebigen Dipp zubereiten. Brauch ich aber nicht. Flüssiges gibt es Bio Säfte, 100 % Fruchtgehalt (1,39 € für 1 Liter, geht). Die Vorteile dieser Ernährungsrevolution liegen auf der Hand, ich zähle sie aber trotzdem mal auf…

Es ist gesünder
Weniger Kalorien
Weniger Emission, ha
Man hat länger was davon
Man spart sich die langen Wege
Das Gewissen hält mal die Schnauze
Es schmeckt tatsächlich, auch ohne Fett
Man kann sogar schneller essen, weil nicht heiß

Also in Zukunft gibt es zum Fernsehabend oder zur Champions League, statt Chips mit Cola und Pizza, einen Gang an die Obsttheke! Man muss nur auf die Öffnungszeiten achten!

Mittwoch, 29. Oktober 2008

Teilzeit Part VII - The final Cut

Das war der letzte Tag. Als ich zu Hause ankam, war es 5 Uhr morgens. Perfekter Zeitpunkt um bei der Teilzeitfirma anzurufen. Ich erklärte denen meine Sicht der Dinge und war nach Abgabe der letzten Stundenzettel und der Klamotten wieder ein freier Mann. So muss sich Jesus am Ostermontag gefühlt haben. Aber erstmal war ja Weihnachten. Irgendwo ziemlich schwach von mir die gesamten drei Monate nicht durchgehalten zu haben, aber mir nahm es auch niemand aus meiner arbeitswütigen Familie übel. Das soll schon was heißen. Die Kohle reichte gerade mal um das Semester mit allen anstehenden Besorgungen zu finanzieren. Ein Witz und auch im Nachhinein keine schöne Erfahrung. Die Leute von der Teilzeitfirma ließen mich nur schweren Herzens ziehen. Verständlich bei dem Gewinn den ich eingefahren hatte. Vom Chef der Müllmänner erfuhr ich, dass die für mich 44 Euro bezahlen, davon bekam ich 8 oder 9 Euro. Weiß nicht mehr. Ein Euro mehr jedenfalls, weil ich Hochschulreife hatte. Reif für die Hochschule war ich danach wirklich.

Teilzeit Part VI - Run like hell

"You better run like hell
You better run all day
And run all night
And keep your dirty feelings
Deep inside" Pink Floyd

Ich hatte die Fresse voll von der Teilzeitfirma und ihrer Angewohnheit mir erst im letzten Moment meine Missionen mitzuteilen. Mein Plan war es, am kommenden Mittwoch meinen Kofferraum ordentlich mit Weizenkornflaschen aufzufüllen. Entweder schmeißen sie mich raus, für den Fall würde ich noch zwei Flaschen Korn in meiner Jacke verstecken, oder ich kündige und mache mich als Schnapsbaron selbstständig. So war der Plan. Am Dienstag um 16 Uhr klingelte mein Handy und ich wurde an eine andere Firma ausgeliehen. Genau das meinte ich. Auf nach Minden, Nachtschicht. Für mich war klar, dies ist mein letzter Arbeitstag, also konnte ich die Sache ruhig angehen lassen.

Am Empfang hing ein Zettel für mich mit der Aufschrift: Meister, einmal ums Gebäude, dann Halle 3. Ich saß an einem Fließband einer Firma, die Aschenbecher von und vermutlich auch für Beck´s herstellte. Hier arbeiteten nur geheimnisvoll tuende Inder und Teilzeit Hausfrauen, die in ihrer Freizeit sicherlich von ihren Männern geschlagen wurden. Ich saß in einer Reihe mit zwei weiteren Arbeitern, am Kopf des Fließbandes. Die Aschenbecher köddelten im Schneckentempo aus der Maschine und schlichen an mir vorbei. Sechs Aschenbecher kamen in eine Verpackung. Ich alleine hätte bei diesem Intervall das Fließband jedes Mal Leerräumen können. Damit meine beiden Kollegen aber nicht untätig rum saßen, musste ich 2/3 der Aschenbecher an mir vorbeitrudeln lassen. Ich malte mir aus, wo einer der, oberflächlich leicht mit Terroristen zu verwechselnden, Mitarbeiter eine Bombe verstecken würde. Möglichkeiten gab es genug. Zum Beispiel hinter dem Getränkeautomaten. Dort hätte es mich jedenfalls erwischt. Die Zeit verging nicht. Es gibt einen Grund warum keine Uhren an die Wände solcher Fabriken gehängt werden. Mein perfekt geplantes Verbrechen und den damit verbundenen Lebensabend als Schnapsbaron, hatte ich schnell der Situation angepasst. Ich würde Aschenbecher mitgehen lassen. Okey, ich rauche nicht, aber es gab damals schon genug Idioten, die bereits weiter oben im Text gedacht haben: cool, Beck´s Aschenbecher!
Denen könnte man damit sicherlich eine Freude machen. Ich blieb gewohnt professionell und steckte pro Jackentasche nur einen Aschenbecher ein, sonst klimpert es. Das machte insgesamt drei Aschenbecher. Nur dank meiner Selbstauferlegten Scheißegal-Haltung, drehte ich nicht durch. Dazu kam die Müdigkeit. Als die Schicht vorbei war, ging ich, mitsamt meinem Diebesgut, zu den zuständigen Schichtleitern, oder wie die sich auch immer betitelten, und fragte ob sie mir eine Unterschrift für den heutigen Tag geben würden.
Schichtleiter: „Ich dachte, Du kommst morgen noch mal wieder.“
Ich: „Nein.“

Teilzeit V - It would be so nice

"And no one knows what I did today
There can be no other way
But I would just like to say
It would be so nice" Pink Floyd


Ich durfte ein Crewmitglied der geheimnisvollen Männer in Orange werden.
Nur nicht in Orange. Ich trug zum ersten Mal meine privaten Klamotten, also bis auf die Schuhe. Die Arbeit begann um 6 Uhr und endete in der Regel um 15 Uhr. Super Arbeitszeiten, man hatte endlich noch was vom Tag. Ich war in der Sperrmüllkolonne und fuhr bei einem Typen mit, der seinen Sperrmülllaster von oben bis unten mit nackten Frauen tapeziert hatte. Die Frauen auf den Postern sahen so aus, als ob er die passende Coupé oder Praline bei der Arbeit gefunden hätte. Auf dem Armaturenbrett war eine oben ohne Hawaiianerin, deren Brüste bei jedem Huckel wackelten, als wollten sie zu jedem Schlagloch „ja“ sagen. Den Fahrer nennen wir mal... Kowalski. Sein echter Name war unaussprechlich. Es ist allein deswegen unmöglich für mich ihn fehlerfrei aufzuschreiben und dazu noch der Datenschutz.

Nachdem ich mich in den ersten Tagen akklimatisiert hatte und Fahrer Kowalski und ich uns scheinbar einig waren, dass während der Arbeit nicht geredet wurde, schaute ich jeden Morgen zuerst auf die Route und beschloss die paar Dörfer bis zum ersten Einsatzort zu verschlafen. Das ging in Ordnung, weil mir erstens die teilweise schwere Arbeit nichts ausmachte und ich zweitens immer gut gelaunt aufwachte. Da es langsam auf Weihnachten zuging, war das Trinkgeld recht üppig. Hin und wieder gab es auch Alkohol, den ich leider nicht immer zwischen den kaputten Sofaecken, Bettlatten und Kommodenschubladen gefunden hatte und ihn ausversehen mit in die Presse beförderte. Seitdem wurde ich bei jedem Klirren gefragt, was da gerade eben über meine Schulter, direkt in die Müllpresse geflogen kam. No look Entsorgung, quasi! Und ich sagte stets: Nachttischlampe. Neben dem Trinkgeld wurde die Kasse mit Kupfer aufgebessert. Kupfer ist das Gold der Müllmänner, es sei denn, jemand findet Gold. Kam aber meines Wissens nach nicht vor. Ich habe mir sagen lassen, dass ohne diesen Nebenverdienst das Gehalt nicht ausreichen würde. Die Gehaltseinsparungen waren natürlich auch meine Daseinberechtigung.

Im Gegensatz zu dem Trinkgeld, wollte er meinen Humor nicht mit mir teilen. Eines Tages mussten wir eine komplette Küchenzeile zerkleinern. Es war die hässlichste Küche, die ich je gesehen habe: Schachbrettmuster.
Ich: „Wer wohnt hier? Gottlieb Wendehals?“ – Nichts.
Als wir einen Berg kaputter Fernseher abholen mussten, antwortete ich auf seine Vermutung, dass hier wohl jemand leidenschaftlich Fernseher repariere, mit:
„Oder ein Schalke Fan wohnt im zweiten Stock!“ – wieder Nichts.
In einem eher herunter gewirtschafteten Stadtviertel wurde ich nach meiner letzten Tetanusspritze gefragt und ich antwortete mit:
„Beim letzen Haus hatte ich eine in der Hand!“ - Noch nicht einmal ein Schmunzler. Mensch Kowalski, mach es dir doch nicht schwerer als es ohnehin schon ist, dachte ich.

Das Ghetto war am besten. Die Leute dort warfen zeitgleich mit unserem Antreffen die Möbel aus dem Fenster. Remmi Demmi. Kinder spielten in den zwei Meter hohen und vierzig Meter langen Sperrmüllhaufen. Man musste aufpassen, dass man kein Nachtschränkchen auf den Kopf bekam oder eines der Kinder mit einlud. Die dachten vermutlich auch: Hauptsache raus hier, egal zu welchem Preis. Was dem Fahrer das Kupfer war, war für mich Vinyl. Ich habe tatsächlich tadellose Pink Floyd und Udo Jürgens Platten gefunden.
Kowalski: „Hast Du Müll mit in den Laster genommen?“
Ich: „Nee, nur ein paar Platten von Pink Floyd!“
Kowalski: „Sag ich doch, Müll.“ - Lustig Kowalski, saulustig.

Eine weitere Affinität hatte Kowalski VHS Kassetten gegenüber. Ich fragte ihn, aus einem wiederholten Anflug von Humor, ob er eine Kopie von Dirty Dancing noch gebrauchen könnte. Kowalskis aufschäumendes Interesse verwunderte mich etwas.
Kowalski: „Dirty was?“
Ich: „Dancing!“
Ich wollte gerade anfangen „I´ve had the time of my life“ zu singen, als er mich unterwies, jeden Porno den ich finden würde zum Kupfer zu legen. Es war nie ein Porno dabei, obwohl man nie wissen kann.
Einen von fünfzehn Mülltagen wurde ich der Altpapierkolonne zugeteilt, was einen neuen Fahrer bedeutete. Dieser Fahrer redete, im Gegensatz zu Kowalski, ununterbrochen. Was für mich bedeutete: No Sleep till Feierabend. Dieser Mann hatte eine Angewohnheit, die ich bisher nur von Frauen kannte. Er band unbekannte Personen in seine Reden ein, die er weder mit einer kleinen Erklärung noch mit Nachnamen versah. Bei Prominenz ist das ja auch kein Problem... So kam es, dass er im vorbeifahren erwähnte: "und hier wohnte Jürgen Fliege!" Bevor er weiter schwadronieren konnte, hakte ich nach.
Ich: „ DER Jürgen Fliege hat da mal gewohnt?“
Fahrer: "Ja, ich habe mit dem frührer Volleyball gespielt!“
Ich: „Hätte nie gedacht, dass ein Pastor Volleyball spielt!“
Fahrer: „Ja, der ging immer richtig zur Sache.“
So ging das eine ganze Weile. Ich fragte und der Fahrer antwortete, zu meinem wachsenden Erstaunen, wie selbstverständlich. Erst eine halbe Stunde später, als ich auf Flieges Buchtitel „Sehnsucht nach Heimat: Entdecke die Wurzeln, die dich tragen“ zu sprechen kam, wurde er stutzig.
Fahrer: „Du meinst wohl den Fernsehprediger, Jürgen FLIEGE.“
Na klar meinte ich den. Später erfuhr ich, dass es um einen anderen, zivilen Jürgen ging, der fast genau so hieß… das kommt davon, wenn man nicht richtig zuhört oder man nicht vernünftig erklärt wer gemeint ist. Nach drei Wochen kam wieder ein Anruf aus der Teilzeitfirma. Ich hatte zwei unbezahlte Tage frei und am folgenden Mittwoch sollte ich in die Strothmann Brennerei. Weizenkorn ist gemeint, für alle mit einem besseren Geschmack.

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Teilzeit Part IV - Coming back to life

"While the days slipped by
from my window watching" Pink Floyd

Schon wieder musste ich sehr weit für meine Mission fahren. Erfahren hatte ich das um 5 Uhr morgens am Telefon. Viel zu kurze Wegbeschreibung für einen viel zu langen Weg und ab ins Auto. Ich kam nur eine Stunde zu spät zu meinem neuen Job als Fensterbauer. Die Kunststofffenster wurden am Rollband in Fließbandarbeit zusammengesetzt und letztendlich verladen. Es war wie damals im Werkunterricht. Über den großen Werktischen hingen Bohrer, Heißluftklebepistolen, Druckluftdinger und Stromverteiler herunter. Ich wurde fast ans Ende der Produktionskette eingeteilt. Meine Aufgabe war es, die Unterlegscheiben für das Fensterglas einzusetzen und wenn sie nicht hielten, eben auch festzukleben. Links neben mir stand ein Familienvater der hier seit geraumer Zeit arbeitete und Angst um seinen Job hatte. Er fragte mich sehr genau über die Arbeitsbedingungen bei der Teilzeitfirma aus. Ich erzählte ihm, dass die Arbeitsvermittler jeden Mitarbeiter primär in seinem erlernten Beruf einsetzen würden. Ihn, der schon so lange Erfahrungen auf dem Fenstersektor gesammelt hatte, würden die nicht, so wie mich, ins Moor jagen oder sonst wohin. Nachdem ich ihm erzählte, ich hätte mich von vornherein als Produktionshelfer ausgegeben, merkte er an, dass ich neben ihn stehen und dieselbe Arbeit verrichten würde wie er. Oh. Gibt es den Beruf „Fensterbauer“ überhaupt? Etwas Unruhe machte sich breit.

Zu meiner Rechten stand ein Mensch, selbst so groß wie die 2m Fensterelemente, die wir herstellten und mindestens genauso breit. Er hatte etwas von einem Indianer. Heute würde ich sagen, er sah aus wie der Wrestler und Schauspieler „The Rock“. Er beförderte ohne Hilfmittel die fertigen Fenster mühelos in den Laster. Somit war er für den letzen Arbeitsgang zuständig, die Fenster in die Fassung setzen, ankleben und die Sprossen vorknallen. Fertig. Hin und wieder setze auch ich die Scheiben für ihn ein. Endlich Verantwortung.

Am zweiten Tag bekam ich Handschuhe, weil ich das Pflasterfach im Erstehilfekasten leer gemacht hatte. Die Fensterscheiben haben, trotz ihrer Dicke, doch sehr scharfe Kanten. Die beiden Kollegen waren nett, die Arbeit war okey und auch sonst konnte man es hier gut aushalten. Es war das erste Mal, dass ich nicht ausrechnete wie viel ich mit jedem Handgriff verdiene. Das einzige was mich nervte, war der lange Hinweg. Ich begann im Dunkeln und fuhr im Dunkeln nach Hause. Es gab zwar reichlich Fenster in der Halle, aber man bekam trotzdem die Sonnendämmerung nicht mit. „The Rock“ schenkte mir seine Mitarbeiterkarte für den Getränkeautomaten und ich setze ab jetzt für ihn die kleineren Fensterscheiben ein und half ihm beim Einladen. Er kloppte mir auf die Schulter, wobei er sie fast abriss und meinte, wenn ich mal ordentlich was essen würde, könnte aus mir auch mal ein richtiger Kerl werden. Den Ratschlag befolge ich bis heute. Und, was soll ich sagen? er hatte Recht! In den drei Tagen bekam ich eine Vorstellung davon, dass ich es vielleicht doch bis zum Studienbeginn im März aushalten konnte. Ich hatte mich bewert, die Jobs wurden so langsam humaner. Die nächste Mission lief unter dem Decknamen: Müllabfuhr.

Teilzeit Part III - Brain Damage

"Rut mit´n Torf, hau rin und hohl rut, das matscht so schön und tut so gut" Torfrock

Meine dritte Mission führte mich an den Rand meines Orientierungssinnes. Ich wurde in einem Moorgebiet eingesetzt, eine Woche lang. Von den Torffeldern wurden Galeeren mit Torf zu der entfernten Verarbeitungsfabrik transportiert. Dort saß ich, direkt an den Schienen. Mein Job war es die Galeeren maschinell zu kippen, sodass der Inhalt in ein alles zermalmenden Moloch rutschte. Die erste Schicht bestritt ich noch begleitend mit einem Arbeiter. Obwohl ich nichts tun musste außer zuzuhören, wurde der Tag bezahlt, weshalb ich nervig gut gelaunt war und nicht zuhörte. Drei Knöpfe musste ich drücken, wie schwer könnte das schon sein? Das Stoppen, Einrasten, Kippen, Lösen der Raster und weiter fahren lassen der Galeeren hatte einen ganz bestimmten Rhythmus, damit die Maschine nicht verstopft. Falls das mal eintreffen sollte, musste ich die Maschinen stoppen und den Durchlauf reinigen. Immer wieder wurde mir von allen denen ich begegnete geraten niemals, wirklich niemals, die Hände in den Durchlauf hineinzustecken. Wieso sollte ich das tun?

Ab dem zweiten Tag wurde ich auf mich allein gestellt. 80 Wagen rollten in einer Schicht durch. Das entnahm ich dem Notizbuch, in dem jede Entleerung mit einem Strich notiert wurde. Ich hatte mir mein eigenes Buch mitgebracht.
Die Maschine verstopfte Stündlich. Als ich einen Besenstiel zum nachstopfen benutzte, wusste ich warum man niemals, wirklich niemals, seine Hände in den Durchlauf halten sollte. Der Besenstiel ist ein Gewesener, wie John Cleese sagen würde. So kleingehäckselt wie der Torf selber. Nicht nur das ständige Verstopfen der Maschine trieb meinen Durchschnitt in den Keller, sondern auch diverse Entgleisungen, Kettenrisse und Pinkelpausen. Außerdem fror ich mir den Arsch ab, was erschwerend hinzukam. Einmal habe ich während der Mittagspause eine Unterhaltung von zwei Mitarbeitern belauscht. Ich traf dort sonst niemanden und war deshalb sehr empfindsam für menschliche Stimmen. Es hieß, dass die Arbeiter auf dem Feld kaum Galeerennachschub bekamen. Meine Schuld, klar. Ich bog schnell in einen anderen Ruheraum ab. Weiter oben und weiter hinten. Der Raum war größer und schöner eingerichtet und immer leer. Seitdem verbrachte ich meine Mittagspausen nur noch dort. Leider teilte ich dieses Versteck mit einer der Putzfrauen. Sie erzählte mir immer grausige Geschichten über das Moor. Einmal soll ein Mann seiner Zukünftigen in einem Heißluftballon über dem Moor gerade einen Antrag gemacht haben, als dessen Brenner das Methan, das sich über dem Moor sammelt, entzündete. Alle tot. Sie erzählte von ihrem Sohn in meinem Alter und der beschissenen Wirtschaftslage, die schuld daran sei, dass ein so netter junger Mann wie ich hier arbeiten müsse. Von meinen Studienplänen habe ich ihr nichts erzählt. Ich genoss das Mitleid.

Am vierten Tag entdeckte ich, dass gegenüber von mir ebenfalls jemand die Wagen zum kippen brachte. Ein Kollege. Ein sehr behäbiger Kollege. Er wußte was er tat und fiel deshalb kaum auf. Hätte er den Blaumann gegen ein Weihnachtsmannkostüm getauscht, hätte er mit seinem Rauschebart und seiner Plauze auch den Weihnachtsmann geben können. Aber er meinte, wenn du Blähungen hast, bekommst du nirgends einen Job als Kaufhausweihnachtsmann. Da war was dran. Er machte sich über meine miese Quote lustig und gab mir ein paar Tipps. Ich sollte die Maschine leer laufen lassen usw.

Am fünften und letzten Tag wurde ich mit einem viel zu kurzem Besen in den Bauch jener Maschine geschickt. Alles war völlig mit Torfschnipsel übersät. Was ich da an einem Tag zusammenfegte, habe ich nicht in der gesamten Woche durch den Moloch gejagt. Wenigsten war es warm da unten. Und der Tag geht durch ehrliche Arbeit auch viel schneller rum.
Mein Auto war überdurchschnittlich verschmutzt. In jeder Ritze saß Torf. Selbst im CD-Player lag eine CD von Klaus Büchner. Neue Woche, neue Mission. Ich fühlte mich schon wie eine richtige Doppelnull.

Teilzeit Part II - A new Maschine

"I will always be here
I will always look out from behind these eyes
It's only a lifetime" Pink Floyd

Meine nächste Mission führte mich nach Hannover. Ich sollte mich vor der Ortsausfahrt mit jemanden treffen und eine Fahrgemeinschaft bilden. Ich kam extra früher und habe mein Auto im hintersten Eck geparkt.
„Sorry, ich wurde gebracht, Du kannst doch sicherlich fahren?“.

Ich wusste im voraus von unserem Chef, dem Menschenhändler, dass mein Mitarbeiter Auto und Führerschein hatte und theoretisch das Fahren übernehmen könnte. So ersparte ich mir unnütze Diskussionen. Fahrgeld wurde nämlich nur sehr spärlich gezahlt. Nach einer ruhigen Fahrt in Hannover angekommen, warteten wir erstmal eine halbe Stunde in einem unklimatisierten Raum. Unsere Aufgabe war es, für das Weihnachtsgeschäft Bestellungen verschiedenster Zusammenstellung zu verpacken und zu verladen. Ich war für das Zusammenstellen und Verpacken zuständig. Das „Ameise“-Fahren überließ ich anderen. Drei Typen arbeiteten fest im Lager der renommierten Firma, die Verantwortung über den Warenausgang hatten zwei ratlos wirkende Studenten.

Die drei Festangestellten Arbeiter hätten unterschiedlicher nicht sein können. Zum einen ein kleiner, dünner Lockenkopf, der ständig mit Kopfhörern rum lief, aber diese Riesendinger, wie sie Copiloten tragen. Er blätterte jede Pause in seinem Technik Katalog herum und murmelte so was wie: „Man, krass, Mini Disc wird das nächste große Ding“. Er zeigte mir aus einem seiner Kataloge einen Ohrensessel mit eingebauten Kopfhörern und einem integrierten Mini Disc Player. Darauf würde er sparen.
Zum anderen war das ein stummer Türke, den man nur hin und wieder durch die weit verwinkelten Gänge der Lagerhalle fluchen hörte. „Scheiße! Drecks Schnee“.
Gemeint war der Kunstschnee, den er über den kompletten Gang verteilt hatte. Aber der Beste und der heimliche Chef des Ganzen war der Dritte im Bunde. Fetti Fetti Fett Fett. Ich habe ihn so getauft, weil er kein Doppelkinn hatte, sondern ein Doppelgesicht. Eine durchgängige Wulst stülpte sich im Ansatz rund um über sein Erstgesicht. Außerdem war er der einzige, der den Gabelstapler fahren durfte. Ich hätte behauptet, er wurde in dem Stapler hineingeboren und wohnte jetzt in dem kleinen Gehäuse, wenn er nicht zu den Pausen mit uns am Tisch gesessen hätte. Er ersäufte einen Zwieback in seinem Kaffee und ließ ihn sich komplett mit der schwarzen Tunke voll saugen, daraufhin ließ er ihn in einem Haps dort verschwinden, wo ich seinen Mund vermutete. Ich muss abnehmen, kommentierte er den, sich bis zu 10-mal wiederholenden Ritus. Scheinbar dachte er, mein entsetzter Gesichtsausdruck galt der geringen Menge, die er sich einverleibte.

Fetti war deshalb der heimliche Chef, weil er uns immer wieder antrieb. Egal wie schnell wir arbeiteten, es langte nie. Als ich mit meinem Hubwagen unwissend auf einen der breiteren Zwischengänge geriet, hupte Fetti schon vom Weiten.
„Weißt du warum ich in diesem Stapler sitze und du diesen Einkaufswagen durch die Gegend kutschierst?“
Meine Theorie mit seinem Geburtsort und der Fettleibigkeit habe ich für mich behalten…
„Na, weil ich weiß, wie man damit umgeht! Hier ist eine gelbe Linie, das bedeutet nur für Stapler!“
Alles klar, ich trottete ab. Kurz darauf sah ich, wie er den Türken auf die Gabeln lud, um ihn, balancierend, etwas aus den höheren Regalen holen zu lassen.

Am nächsten Tag stand ein neuer Kollege am Treffpunkt. Pole, vielleicht fünf Jahre älter als ich. So ein bauernschlauer Berufsschulhof Coolio.
„Ey, können wir deine Karre nehmen, ich wurde gebracht.“
Verdammt, das war nicht nur meine Strategie, er besaß sogar die Dreißtheit sie gegen mich einzusetzen. Was sowas angeht, bin ich normalerweise beidfüßiger als Pele, aber ausgerechnet dieses mal entpuppte sich der linke Fuß als der Schwächere. Er musste Mitleid mit mir bekommen haben, so verschreckt wie ich da stand.
„Ach, egal, dann fahren wir mit meinem Karren.“
Es handelte sich dabei um einen tiefer gelegten BMW, mit allem Schnick Schnack. Er bretterte über die B6 und erzählte mir wie viele Menschen sich hier wegen der dummen Raserei totführen. Dabei war er während seines Monologes quasi nur auf der linken Fahrbahn, meine Fingernägel waren im Armaturenbrett. Ich fragte ihn, wie er sich das Auto leisten könne und vor allem, wieso er dann bei einer Teilzeitfirma maloche. Er beschiss das System. Offiziell hatte er gar keinen Schlurren. Er vertickte Versicherungen an junge Ehepaare auf Mallorca. Das wäre auch sicher was für mich, schwor er. Der Job war gemeint, nicht die Versicherung. Im Winter sei er dann bei der Teilzeitfirma, wenn er nicht krankmache. Ab dem Moment hörte ich ihm nur noch zu. Er erzählte von dem Autolackierer Job bei seinem Onkel. Worauf man achten muss, wenn man seine Karre pimpt. Wo er seine Musik runterlädt. Wie man sich um die Maloche drückt. Wie man mit der „Ameise“ umgeht und wie man unbemerkt über die gelben Linien gehen kann.
Als er mich wieder am Treffpunkt absetzte, sah er wie ich zu meinem Opel Corsa A ging, hupte und brüllte mir hinterher:
„Sag das nächste mal gleich, dass du so eine Schrottlaube fährst, dann hätten wir sofort meine Karre genommen.“
Ein nächstes Mal gab es nicht, ich hatte bereits eine neue Mission bekommen.

Mittwoch, 22. Oktober 2008

Teilzeit Part I - Welcome to the Maschine

"Welcome my son, welcome to the machine.
Where have you been? " Pink Floyd

Nach dem Fachabitur wurde ich zur Musterung geladen. Der Unterschied zu meinen Altersgenossen war, dass ich insgesamt dreimal zu den albernen Tauglichkeitstests aufgefordert wurde. Das Kreiswehrersatzamt konnte sich damals nicht entscheiden, ob sie mir meine Untauglichkeit für den Wehrdient abkaufen sollten oder nicht. Diejenigen, die sich am meisten wehren, ziehen sie am liebsten ein, mit diesen Worten beglückwünschte mich der Beamte zur meiner Ausmusterung. Die Einschreibefrist für das Sommersemester war bereits verstrichen und so verlor ich ein halbes Jahr.

Zeit zum Malochen, wie meine Eltern meinten. Also meldete ich mich bei einer Teilzeitfirma an. Die nehmen jeden! Und so war es dann ja auch. Ich war ab sofort Produktionshelfer. Die Klamotten (Blaumann und Sicherheitsschuhe) bekam ich von der Teilzeitfirma gestellt. Bereits bei der Anprobe wusste ich, dass ich in dem Laden nicht lange bleiben werde. Mein erster Arbeitstag war bei einer Firma, die die Innenverkleidung für den VW Golf herstellt. Ich wurde freundlich von einem Schlipsträger empfangen und schnell um das Hauptgebäude, Richtung Werkhallen geführt. Er fragte mich, was ich denn noch so in meinem Leben vorhätte. Ich erzählte von meinen Studienplänen, woraufhin er trocken antwortete: „Schön wenn man Träume hat“. Es klang so, als ob er das schon öfters gehört hätte, womöglich würde ich die Urheber dieses Satzes gleich persönlich kennen lernen. Er öffnete die schwere Brandschutztür, auf der von innen groß „Notausgang“ stand, und meinte, mich würde ein gewisser Herr Demetri einweisen. In der Halle war es lauter als der 2. Weltkrieg. Ich bummelte durch die riesigen Hallen und fand insgesamt fünf Demetris. Keiner wusste irgendetwas. Nach einer gefühlten Ewigkeit wurde sich mir jemand gewahr und stellte mich an ein Fließband am Ende der größten Halle ab. Ich war dafür zuständig die ausgestanzten Kunststoffverkleidungen vom Fließband auf einen Rollwagen zu packen. Mit System. Links und rechts von mir standen zwei Russen und lachten. Über mich. Da war ich mir sicher. Ich vermutete, dass die Maschine zu schnell eingestellt war. Ein Ritual, das an den Frischlingen praktiziert wird. Frühstückspause.

Zwischen Hallenwand und Fluchtzaun gab es einen schmalen Grünstreifen, der als Pausenraum gedacht war. Insgesamt zwei Gartenstühle für acht Personen. Ich nutzte die Gelegenheit, um mir meine neuen Kollegen mal genauer anzuschauen. Selbst Stevie Wonder hätte bemerkt warum wir hier waren. Wir waren Versehrte. Von einem habe ich erfahren, dass er einen schweren Motorradunfall hatte und kurz nachdem er im Krankenhaus aufgewacht war, sich hier wieder fand. Ansonsten drehten sich alle Gespräche um das brennen von Filmen. Die Spätschicht ging weiter. Es war alles so trist. Selbst der für uns vorgesehene Notausgang lag in fünf Meter Höhe und war somit unerreichbar. Nach meiner groben Einschätzung gab es hier noch nicht einmal genug Arbeiter, die erst gegen die Hallenwand hätten rennen müssen, damit wenigsten einer von uns lebend aus dieser Todesfalle hätte entkommen können. Acht Stunden später, endlich endlich war die Schicht vorbei. Man verliert bei Lärm und monotoner Arbeit vollkommen sein Zeitgefühl. Die Rückfahrt war die pure Erleichterung. Selten bin ich so gerne Auto gefahren.

Der zweite Tag war bereits ein Freitag, wieder Spätschicht. Dieses Mal habe ich alleine in die Halle gefunden und schaute mich genauer um. Ich suchte einen Ohropax Spender oder zumindest eine Kiste wo ich mein Gehirn hineinpacken konnte. Highlight des Tages war, dass ich erstmals mit einer „Ameise“ fahren durfte. Natürlich nur solange, bis mein Fahrstiel lauter als der durchschnittliche Maschinenlärm wurde. Ich eckte überall an. Das Resultat war die Verbannung zurück ans Fließband. Ich weiß noch, wie ich in der Pause mich mit den Worten „ich wünschte ich wäre tot“ vom Fußballtraining abmeldete. Die Schicht ging aufgrund des nahenden Wochenendes schneller von der Hand.
Als ich vor dem Drehkreuz zu den Parkplätzen stand, ließ dieses sich nicht drehen. Es war Winter und bereits dunkel. Kurz, ich erkannte das Problem nicht. Aus Verzweiflung kletterte ich über den Zaun. Oben angelangt, kam die Nachtschichttruppe mir entgegen und ging geradewegs durch das Drehkreuz unter mir. Auf dem Parkplatz fragte mich ein Nachzügler der Nachtschicht, ob ich meine Karte verloren hätte. Was für eine Karte? Die haben mir nie eine Karte gegeben. Wie sich herausstellte, war dies auch nicht nötig. Montag sollte es woanders hingehen. Die beiden Tage waren nur dafür da, um mich gefügig zu machen. Behaupte ich.

Samstag, 18. Oktober 2008

Meine Mutter ist Medium...

mein Vater extra Large.

"And when I get that feeling
I want Sexual Healing
Sexual Healing is good for me
Makes me feel so fine, it's such a rush
Helps to relieve the mind, and it's good for us" Marvin gaye

"Indigo here we go-ho" Moloko

Angefangen hat es womöglich mit einer verhüllten Frau in einem kleinen Wohnwägelchen und einer Glaskugel auf dem Rummelplatz. Diese Frau hat einem die Zukunft voraus gesagt oder war ein Medium, das mit den Toten sprach. Noch ganz amüsant. Heute ist das ganze so dermaßen inflationiert, dass das Spiel mit dem Aberglauben schon lange die Zigeunerszene verlassen hat. Auf Fernsehsendern werden Karten gelegt und das Universum befragt. Wer da anruft ist verzweifelt, richtig verzweifelt und glaubt alles was ihm erzählt wird. Wie die allgemeingültigen Antworten viel Spielraum für Interpretationen und Fantasie lassen, fällt den aussichtslosen Menschen nicht mehr auf. Andere Trommeln sich den Stress von der Seele oder Spenden viel Geld an Gurus, die daraufhin für die geplagten Seelen trommeln. Wie mit den Schicksalen der Menschen gespielt wird, ist schon sehr beschämend. Subtiler sieht der Beschiss bei dubiosen Lebenseinstellungen wie dem Feng Shui aus. In Asien haben die wenigsten jemals etwas von Feng Shui gehört! Der totale Humbug. Wem jetzt einfällt: „Aber dem Exmann von meiner Patentante, dessen ehemaliger Zimmerkollege, konnte plötzlich wieder schlafen nachdem er sein Bett vom Flur zurück in das Schlafzimmer geräumt hat“, dann glaube ich ihm das. Aber das ist kein Grund hunderte von Euros in Lektüre, Heilwässer und Duftstäbe zu investieren.

Endgültig hört der Spaß auf, wenn die Kinder fehlgeleiteter Eltern darunter leiden müssen. So werden aus Autistischveranlagten Kindern schnell Indigo Kinder gemacht, die mit einer besonderen Aura gesegnet sind und mit Delphinen und Engeln sprechen können. "Die brauchen keine therapeutische Hilfe, die sind ihrer Zeit einfach nur voraus.", wird von den einsichtslosen Eltern behauptet. Dass Geld eine wesentliche Rolle spielt, in Form von Seminaren und Sonstigem, brauch ich nicht zu erwähnen.

Menschen die für solche esoterischen Dinge anfällig und noch keiner Sekte beigetreten sind, glauben an die Kraft des Mondes. Auch schlimm, aber zum Glück harmlos, mal von dem eher geringen Kostenaufwand abgesehen. Ich habe mal eine Frau kennen gelernt, eine Sekretärin bei einem meiner Praktika, die legte bei Vollmond spezielle Steine in den Garten, die sie nach dem „aufladen“ in ihr Blumenbeet verbuddelte. Damit die Blüten besser aufgehen. Nach meinem Vorschlag, so einen Stein in mein Portemonnaie zu packen, damit dort die Blüten aufgehen, wurde ich tatsächlich für ernst genommen. Im Laufe der Zeit wurde mir von ihr ebenfalls ein Indigo Dasein attestiert. Das war dann wohl die späte Rache. Frauendomäne Esoterik.

Aufgrund meines schlimmen Rückens, kriege ich häufig Vorschläge zu hören, die von Akupunktur über Handauflegen bis Reiki allesamt schon Wunder bewirkt haben sollen. Aber nie bei ihnen selbst, sondern nur bei irgendwelchen Bekannten. Der Körper ist ein Tempel und sicherlich mit der richtigen Vorstellungskraft auch in der Lage dem Heilungsprozess entgegen zukommen. Placeboeffekt ist ja unumstritten. Es fühlen sich auch Leute betrunken, die unwissentlich den ganzen Abend nur Alkoholfreies Bier vorgesetzt bekommen. Ich glaube davon gar nichts. Das mag daran liegen, dass ich Ingenieur bin und Zahlen, Fakten und Mechanismen meine Welt sind. Da kommt ein: es funktioniert, aber fragen sie mich nicht warum, nicht so gut. Aber auch ich habe eine persönliche X-Akte in meiner Schublade liegen.

Moonwalkende Außerirdische! Tja, so bin ich.


Dienstag, 7. Oktober 2008

Comics


„Wir sind keine Bücherei, kauf es oder verschwinde!“ Apu Nahasapeemapetilon
"Comic ist der gängige Begriff für eine Form der sequenziellen Kunst, die in einer Folge von Bildern einen Vorgang beschreibt oder eine Geschichte erzählt" Wikipedia

In meinem Besitz befinden sich noch fast sämtliche Comics aus meiner ereignisreichen Kindheit. Darunter die geniale X-Men Serie „Die Zeit der Apokalypse“ und das Comicverleger Duell „Marvel vs DC“, sowie die nachfolgende Serie „Die Macht des Access“. Laut eBay viel Geld wert! Leider etwas sorglos von mir aufbewahrt. Ich hatte auch die ersten Simpsons Comics. Die waren aber eher schlecht. Comichefte gehörten für mich zum Alltag. Genau wie Buden bauen, Fußball spielen, Karussell Kassetten, Zeichentrickserien und Actionfiguren. Als Kind hatte ich soviel Fantasie, dafür wäre jeder Jugendliche direkt in die Anstalt gekommen. Als ich mir vor kurzem fest vorgenommen hatte für die Zugfahrt wieder mal ein Comicheft zukaufen, bin ich über den Preis gestolpert. Ein Comic kostet mittlerweile 5 €. Die Qualität kam mir nicht unbedingt gut vor. Auch wurde das ganze merkwürdig übersetzt. Blöder Zeitgeist. Es gab Comics von Futurama, Bart hatte seine eigene Serie und die Ludolfs auch! Was ist da denn passiert? Die coolsten Exemplare waren noch die Star Wars Comics. Spiderman und Konsorten wirkten nicht mehr so wie früher. Klar liegt das an mir, aber sicherlich auch an den Kinoerfolgen der Comicverfilmungen. Der typische Comiclook fehlte. Es wird sehr auf Mainstream getrimmt. Dann lieber Manga Hefte.
Dazu muss ich sagen, die Verfilmungen sind fast alle richtig gut geglückt. Bevor der Trend aufkam, gab es bereits Spawn als Film und dann kam Men in Black. Daraufhin war Hollywood in Goldgräber Stimmung. Die Spiderman Trilogie war gut, obwohl ich von Venom, dem Bösewicht aus dem dritten Teil, enttäuscht war. Den habe ich immer favorisiert. Einzig Hulk vom Regisseur Ang Lee war Müll. Kann auch sein, dass ich eine versteckte japanische Mythologie nicht verstanden habe. Den zweiten schaue ich mir erst gar nicht an. Fantastic Four lebte von der kurzen Nacktszene von Jessica Alba und der Schluss vom Silver Surfer war nur noch lächerlich. Die X-Men Teile waren wiederum genial. Wenn man sich die neuen Batman Filme anschaut, fühlt man sich vom neuen Superman etwas betrogen. Hell Boy, Sin City und 300 waren allesamt super Filme. Ghostrider habe ich wegen Nicolas Cage nie gesehen. Punisher kann ich auch empfehlen und Iron Man wird meine nächste Leih-DVD.
Anstatt einen Comic zu kaufen, habe ich einen Gutschein eingelöst. Auf meinem letzten Sechserträger war ein Gutschein für eine Sportbild aufgedruckt. Die rechnen nie damit, dass das wirklich jemand macht.

PS: Ich glaube, sogar der Wu-Tang Clan hat seinen eigenen Comic!

Freitag, 3. Oktober 2008

Cold turkey - ein andermal

„Er würde es allein schaffen oder allein untergehen. Dieser Gedanke erschreckte und begeisterte ihn zugleich, während er über ein Leben in Amsterdam nachdachte.“ Die letzten Sätze aus Trainspotting



„Contrôle“ Franck Ribéry



Die Reaktionen auf meinen Rücktritt als Bierbaron und stadtbekannten Trunkenbold waren allesamt sehr verhalten bis hin zum Spott. Unverständnis macht sich breit von Herford bis nach Nörten – Hardenberg. Und selbst so eine Lichtgestalt des geflissentlichen Handelns wie ich es sein möchte, ist etwas durcheinander. Das liegt einzig daran, dass einem der Grund des Verzichtes erst immer dann wieder aufkeimt, wenn es zu spät ist. Es ist wie mit Videotheken. Geht man da durch den Ausgang, fällt einem plötzlich ein was man sich eigentlich ausleihen wollte. Mich belasten erste Zweifel. Nein, noch krabbeln keine Babys kopfüber an meiner Zimmerdecke herum. Das was ich meine, sind die kultivierten Partys, Geburtstage, Hochzeiten oder Vernissagen zu denen man eingeladen wird. Besonders die Vernissagen sollten an dieser Stelle noch einmal besonders erwähnt werden.

Ist es nicht etwas blasiert, eine Einladung dankend anzunehmen und dann nichts zu trinken? Ein Schlag ins Gesicht für den Gastgeber? Früher haben sie in die Ecke gekotzt um den Gastgeber nicht zu beleidigen! Keine Panik, sei an dieser Stelle gesagt.

Ich habe für mich den Entschluss gefasst: wenn ich eingeladen bin, dann trinke ich auch.

Hier geht es ausschließlich um meine herausragenden Qualitäten als Gast, die ich pflegen möchte. Niemand soll unter meinen gedankenlosen Krisen leiden müssen. Oder anders formuliert: solange es nichts kostet, bin ich dabei. Das könnte man auch weiter ausbauen, bis hin zu einer Avantgarde des fast Verzichtes. Klappt mit dem anderen Kram ja auch. Scènes de la vie de Bohème.



Weshalb ich darum so einen Wind mache? Ich versuche dem Scheiß einen Sinn zugeben. Für mich. Sehr oft beobachte ich, wie Wochenendveranstaltungen nur vom Alkohol gestützt werden. Das Alternativprogramm für Fahrer und anders nüchterne (Gespräche, Fernsehen, Rumsitzen, Starren) animiert einem ja gerade zu zum saufen. Ich versuche den überflüssigen Partys (Gelage) aus dem Weg zugehen und dafür muss man scheinbar erstmal radikal werden. Dann aber wiederum beschleicht mich dieses geil selbst zerstörerische, arrogante „Was kostet die Welt“ Gehabe, das einem die Gallagher Brüder oder diverse popkulturelle Jungschriftsteller vorleben. Alles ausleben was den Rock´n`Roll ausmacht. Bis auf die Musik vielleicht. Das ist das schwerste an der „Endlich Nichttrinker“ Sache, es cool aussehen zulassen.

Auch am Strand zu sitzen und unterhaltsamen Quatsch zu reden, bis man sich, besoffen wie der Jever Mann, in die Dünen fallen lässt. Oder mal schauen was der Super Nintendo Kanal einem zu bieten hat. Das muss doch okey sein. Ich meine, es wird nur jedes Mal schwerer das als einen Event zu verkaufen. Schließlich ist es auch immer derselbe Quatsch, der da geredet wird. Das sollte man schon ausbalancieren… können. Don`t let the sun go down on me. Ich will nicht enden wie Udo Lindenberg.



Was ich schon immer mal sagen wollte: einmal Raucher, immer Raucher!

Donnerstag, 28. August 2008

Bruksen


„1 2 3 oh du wunderdschöne Loreley, endlich geht`s nach vorne“ Alexander Marcus

„Aber nichts desto trotz bring ich Hits en Masse und Scheiss dabei auf Himmelsrichtungen, wie'n Yps-Kompass“ Dendemann

Wieder ein Jahr vorüber und wieder war ich auf dem Brokser Markt. Es ist wenig verwunderlich, dass sich gewisse Automatismen in die lange Tradition des Marktes geschlichen haben. Zum Beispiel gehen wir jedes Jahr mit dem Bollerwagen zu Oma G und fahren von da aus mit der Bimmelbahn weiter Richtung Kirmes. Drei von fünf Tagen habe ich es dieses Mal über den Markt geschafft. Dabei war der Sonntag der beste Tag, nicht nur Wetter bedingt, sondern auch weil ich, frisch genesen, mich spontan bei Maria und Co ins Auto gezwängt habe. Sonntag war auch der Tag der Spielbuden. Ob nun Geschicklichkeitskran, aus dem ich übrigens auch mein Diplom habe, Pferderennen, Basketball oder Schießbude. Es macht ja schon einen riesigen Spaß. Beim Pferderennen haben wir zwei Elmo Masken gewonnen, welcher auch gleich zu meinem Alterego wurde, der Schlawiner.

Wenn man an den Neubauten der Schausteller vorbei geht, drängt sich der Gedanke an einen eigenen Stand nur so auf. Mein Beitrag als Marktbeschicker ist eine Kombination aus einem Liebestester und diesem Punchingballkraftmesserding. Man benötigt kein Personal dafür und nur wenig Stellfläche. Ich nenne den Apparat den „Ike Turner Liebestester“. Das Gerät dudelt die ganze Zeit "A Punchup at a Wedding" und "Getting Nasty" und zeigt Paaren an, wie lieb man sich hat und wie viel Starpotenzial in der Beziehung steckt. Einfach cool, wer da nicht draufhauen will ist dumm.

Der Dienstag begann um 5 Uhr 30. Englisches Frühstück bei Danny. Ab 7 Uhr stehen auf dem Brokser Pferdemarkt drei Pferde und wir. Sonst nichts. Etwas zu früh angefangen mit dem saufen. Es war spannend zu beobachten was erst alles passieren muss, damit der eine oder andere in den Tag findet. Zu privat um es hier aufzulisten. Wäre aber eventuell interessant für die Sendung mit der Maus. Warum ist das so?
Der Dienstagabend verlief dann eher uncool ab, kein Wunder nach über 16 Stunden Kirmes am Stück. Geld war leer und vielleicht messe ich einfach unwichtigen Dingen nicht genügend Bedeutung zu oder umgekehrt.
Nächstes Jahr wieder, hoffentlich wird dann mehr Alexander Marcus gespielt, wenn nicht sogar live. Apropos Live… habe ich das geträumt oder habe ich tatsächlich mit DJ Ötzi geredet??? Und noch was, seit wann heißt das Beck´s Zelt nicht mehr Beck´s Zelt??? Ich muss viel öfters mal noch oben schauen und unten mehr zuhören.
Bollerwagen Tour zu Oma G
mehr nach oben schauen

Ich & meine Maske, kurz vor Elmo
Junger Mann zum mitreisen gesucht

Mittwoch, 27. August 2008

Vasektomie

Ich habe mich über den Nachmittag ins Bett gelegt, um etwas Schlaf nachzuholen. Nebenbei habe ich den Fernseher laufen lassen, ein probates Schlafmittel. RTL glaube ich. Im Halbschlaf bekam ich eine Sendung über eine der weit verbreiteten Unterschichtenbanden, Teenie Familien, mit. Ein Baby heulte lautstark die gesamte Sendung durch und was machen die 16 jährigen Eltern in so einem Fall? Wäre das eine Kriminalserie gewesen, wäre es schnell wieder ruhig geworden, aber es schien sich um eine Dokumentation zuhandeln. Die Eltern schreien sich gegenseitig an. Ich war so dermaßen genervt, es fehlte nur noch das Geschnorre der Katze aus der Whiskas Werbung und ich hätte den Fernseher aus dem Fenster geworfen. Ein Tag später lag ich im Bett und schlafe so vor mich hin, das Fenster war geöffnet, da schreit eins der kleinen Nachbarskinder rum…

HAAALLOOO ICH HABE MICH AUSGESPERRT JAAAAN MACH MA DIE TÜR AUF EEEEYY EEEEYY JAAAAN JAAAAN JAAAAAN EEEEYYY EEEEYYYY MACH MA DAS FENSTER AUF (nervt schon etwas) JAAAN JAAAN EEYYY ICH VERSTEH DICH NICHT SAG MAL LAUTER WAAAAS WAAAAAS WAAAAS JAAAN MACH DOCH MAL DAS FENSTER AUF ICH SPIEL AUCH MIT DIR EEEYYY JAAAAN ICH HABE MICH AUSGESPERRT WAAAAS JETZT MACH DOCH MAL DAS FENSTER AUF (was würde Klaus Kinski jetzt tun? er würde wahrscheinlich mit dem Kind das Fenster einschmeißen). Irgendwann habe ich mein Fenster vom Bett aus zubekommen und morgen mache ich deren Trampolin kaputt und übermorgen ist das Planschbecken dran.

Mittwoch, 13. August 2008

Sie nannten ihn Mücke

„gerade eben zum Beispiel saust eine Mücke
ständig um mein Ohr. Ich grüße nett und fragte, mein
Freund, was hast du vor?“ Dendemann

Neben den Delphinen und manchen Menschen sind Mücken die intelligentesten Lebewesen.
Sie halten mich jetzt schon den gesamten Sommer wach. Durch eins der beiden Fenster oder durch die Zimmertür dringen sie unbemerkt im Gleitflug in mein Territorium ein. Der Grund könnten die hier vorherrschenden tropischen Temperaturen sein. Auf jeden Fall ist es nicht das Licht. Das ist ein Ammenmärchen um kleinen Kinder Angst zumachen, damit sie schön nachts das Licht auslassen. Sobald aber das Licht aus ist und die Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt haben, hört man automatisch genauer hin. Man hört immer nur eine Mücke, obwohl dutzende an den Wänden lauern. Sie fliegt provokant über das freie Ohr hinweg, wohl wissend, dass wenn man zuschlägt erstmal taub ist und mit dem Gleichgewicht zu kämpfen hat. Ich warte also bis das Summen verstummt und schätze Richtung und Entfernung ab. Der Lichtschalter befindet sich natürlich in Reichweite neben dem Bett. Die Lampen sind so ausgerichtet, dass Mücken an den weißen, schrägen Wänden lange Schatten werfen. Die Mücke sitzt genau hinter dem Kopfkissen am Bettende. Ihre Kollegen haben sich alle auf die einzige schwarze Wand gesetzt oder auf das schwarze Ché Poster (keines von Alberto Diaz Corda), das da schon viel zu lange hängt. Stehe ich, mit einer BILD Zeitung bewaffnet, vom Bett auf, knarrt dieses mehr als eine Kellertreppe in einem Horrorfilm. Die sensible Mücke hört das Knarren und fliegt weiter. Nicht weg. Ja, Mücken können hören. Sie sehen auch wenn ein Schatten auf sie fällt und machen sich aus dem reichlich vorhandenen Staub. Ich habe es auch schon mit diesen blauen -Mückenbruzzler- Licht versucht. Es bringt nichts, es macht nur blaues Licht wie Rambo sagen würde. Außerdem kann ich die bei mir nirgends aufhängen, also stehen sie auf einem Möbel in einer eher geringen Höhe. Dieses geile, befriedigende Geräusch, wenn eine Mücke verbrutzelt, habe ich noch nie live gehört. Genauso wenig hätte ich gedacht, dass ich dreimal in einer Woche das Wort Mückenbruzzler unterbringen kann. Wie gesagt, die Mücken scheißen auf das Licht. Sie agieren nur im Schutze der Dunkelheit.

Was machen die Mücken eigentlich in meinem Zimmer? Blutsaugen, das ist ihre einzige Passion! Im Gegensatz zu mir, wissen sie wie sie sich die Zeit vertreiben sollen bis die BILD Zeitung kommt und sie an die Wand klatscht. KRIEG steht auf der ersten Seite, habe ich mir extra gekauft.

Donnerstag, 7. August 2008

Fishing for... Nothing

„Na na na na na ANGELN!“ Homer Simpsons

„Meinetwegen können wir die Angel auch vom Balkon runter halten, Hauptsache es wird gesoffen.“ Herbert Knebel

Gib einem Mann einen Fisch und er hat für einen Tag etwas zu essen. Bring ihm das Angeln bei und du ernährst ihn ein ganzes Leben lang. Von wegen! Ich hätte lieber den Fisch gehabt! Mittwoch waren Fabian und der Mann mit dem Cowboy Kumpel Namen Danny am See angeln. Auf Friedfisch und Raubfisch. Ich habe nicht die große Ahnung von angeln, fasse auch nicht gerne Regenwürmer, Maden oder Fische an, aber ich bin sehr gerne dabei, wenn andere angeln und den Profischnack an den Tag legen und Rumphilosophieren. Alleine das Zeugs zum anfüttern der Fische ist so raffiniert, da kannste eine eigene Sendung auf DMax draus machen. Ich sage nur Vanille Zucker und Frolic. Mittels Schlauchboot und Echolot wurde erst die Tiefe des Sees und das Vorhandensein der Fische ermittelt. Dann nach Gefühl Fischpampe aus Sägemehl oder so ins Wasser geschleudert. Nichts passiert. Fünf Angeln werden ans Wasser gestellt. Auf Aal und Hecht und wie sie alle heißen und beißen. Diese Hightech Angeln haben akustische Signale (von Glöckchen bis Laser) an der Schnur befestigt, sodass man nicht mehr zu gucken braucht. Nur hinhören. Es wird gegrillt und Feuer gemacht.
Fische sind verflucht gerissene Viecher. Die hören alles, sehen alles und wissen angeblich im Voraus was wir planen! Aber warum sollte auch bei einem so großen See der Fisch ausgerechnet an den einen Wurm rangehen? Angeln ist ein Geduldssport, kommentiert Danny meinen, wie ich finde, berechtigten Einwand. Bis 7 Uhr morgens beißt nichts an, es schwimmt noch nicht einmal ein orientierungsloser Fisch gegen die Schnur, damit mal ein bisschen Action aufkommt. Es muss am Gewässer liegen! Zwischendurch schlafe ich am Feuer ein. Als ich wieder aufwache ist es hell. Kein einziger Fisch hat angebissen! Ist ja auch egal, wir haben einen ganzen Kasten und anderen Krams geleert und somit zumindestens eine Erwartung erfüllt.

Nächstes Mal wird mit einem Mückenbruzzler angefüttert, das zeigen die dann bestimmt auf DMax.

Warum bin ich so Frolic? Seehundköder

Feuerstuhl

Rock the Boat

Köder und Angel

hat alles nichts gebracht

Donnerstag, 17. Juli 2008

1000 Fragen

"No Questions, Please - Bitte nicht quetschen" Otto Waalkes

„1000 Fragen über Fragen, Fragen, doch die Lösung ist das nicht“ J-Luv

Wenn fragen etwas kosten würde, dann wäre ich reich.
Am Tag werden mir hunderte von Fragen gestellt. Es sind nie gute Fragen dabei, also Fragen über die man nachdenken müsste, Fragen, bei denen man sich fragt: „wieso habe ich mir das selber noch nie gefragt?“ Viele Fragen sind rhetorischer Natur, also überflüssig. Selbst wenn man diese Fragen provokativ so dermaßen falsch beantwortet, merken die Fragensteller gar nicht wie dämlich dieses Stilmittel von ihnen ist. „Wie geht es Dir?“ Ist mindestens so ernst gemeint wie eine Flasche Strothmann Weizen Korn als Geburtstagsgeschenk. Wenn man aber auf diese Frage nach dem Wohlbefinden mit „Total beschissen, vor mir tut sich die Hölle auf“ antwortet, kann man richtig die ansteigende Panik in den Augen seines Gegenübers erkennen - Der will mir doch jetzt nicht wirklich ein Gespräch aufdrängen und dann noch ein so ernstes…? steht da in den Augen. Es gibt Eisbrecher Fragen, die sich vom Inhalt her selbst beantworten, trotzdem fällt meine Antwort so dermaßen überschwänglich, übertrieben interessiert aus, als arbeitete ich bei der Kundenbetreuung eines Koks Barons.
Der fragt nie wieder nach der Uhrzeit.

Die fünf W-Fragen höre ich jeden Tag mehrmals. Nicht W für Weltfragen, sondern Wo, Wann, Wieso, Weshalb, Warum wer nicht fragt bleibt zwar dumm, ist mir aber tendenziell sympathischer. Wo willst du hin? Und warum? Und wann kommst du wieder? Und was willst du denn hier? Es kann unmöglich daran liegen, dass ich zuwenig von mir erzähle.

Ich werde ständig irgendeinen Quatsch gefragt und oft sind das Fragen nach meiner Meinung. Dabei habe ich immer die juristische Belehrung im Hinterkopf: Alles was sie sagen kann und WIRD gegen sie verwendet werden. Wie bei einem Verhör. Bei so einem Kreuzverhör, welches mein Alltag ist, kommt man schnell auf die Idee sich was zu recht zu lügen. Beängstigend wie diese Übertreibungen ihre Kreise ziehen. In die kleinste Ecke gelangt das. Nervösere Menschen könnten da schnell paranoid werden. Wie Wiglaf Droste schon auf Götz Alsmanns Ausspruch „Das ist ja eine unglaubliche Geschichte“, mit „Viel unglaublicher ist, dass es Menschen gibt, die das glauben“ entgegnete.

Natürlich gibt es auch alltagstaugliche Fragen und es kommt sogar mal vor, dass ich sie beantworten darf. Gute Konversation ist das stellen der richtigen Fragen. Wer sagte das noch mal? Fragen, die das Interesse an seinem Gegenüber durchschimmern lassen. Simpel aber effektiv sind: „Was hast Du heute vor?“; „Woran denkst du gerade?“; „Hast Du auch so einen Durst?“ Diese Fragen wären dann auch kostenlos, alles andere kostet ab jetzt einen Euro. Ob nun 1.000.000 nervige Fragen oder 15 richtige Antworten sind angesichts der Million dann auch egal.

Die häufigste Frage lautet übrigens: Hä?

Mittwoch, 16. Juli 2008

Schnapsöl

„Ich war immer nur der stärkste in der Schule“ Klaus Vogel

„Now throw your hands in the air
And wave 'em like you just don't care” Outkast

“Der schlechteste Abi-Schnitt bringt die Party mit und führt alle auf das Glatteis wie Kati Witt” Dendemann

Mit der Schule hatte ich nie sonderlich Probleme. Okey, zugegeben, ich habe mich den ganz großen Herausforderungen auch nicht immer gestellt. Ich saß rum, habe auf Stichwörter für meine halbwegs qualifizierten Zwischenrufer geachtet und habe geschmollt, wenn jemand schneller war als ich. Was dank jahrelanger Übung sehr selten vorkam. Schriftlich hatte ich halt so meine Stärken und Schwächen. Wie wohl jeder. Der Schlüssel zu guten Noten war damals „die mündliche Beteiligung“. Es gab Lehrer, die haben die aktive Unterrichtsbeteiligung tatsächlich zu 50 oder mehr Prozent in ihre Bewertung mit einfließen lassen. Wie Naiv. Konzentriert an die Tafel starren kann schließlich jeder und wie man so viele „Melder“ wie möglich auf seine Habenseite verbuchte, hatte man auch schnell raus.

Für alle jüngeren, die das hier lesen und die Schulbank drücken dürfen: Der Melde Guide!
Grundsätzlich sollte man sich auch immer melden wenn man schon etwas weiß. Soviel zum Handwerk, die Kunst ist es sich zu melden, wenn man nichts weiß.

  • Wenn eine Frage gestellt wird, die mehrere Antwortmöglichkeit bietet, nervige Aufzählungen oder so, dann sollte man zusehen, dass man als erstes drankommt. Die häufig lasche Einstellung der meisten Mitschüler hilft dabei. War man einmal dran, wird sich zwecks Nennung einer weiteren alternativ Antwort gemeldet. Diesmal nur etwas aufdringlicher, aufgestützt oder schnippend. Das wird nicht gerne gesehen und disqualifiziert Dich für eine weitere Antwort. Wichtig ist, dass sich mindestens ein weiterer, noch nicht drangenommener Mitschüler, ebenfalls meldet. Die angelernte Gleichberechtigung der Lehrer verbietet es ihnen Dich wieder zu nehmen, bevor nicht andere ihre Chance erhielten. Im Hinterkopf bleiben aber deine „Bemühungen“.
  • Bei Fifty / Fifty Antworten, Ja / Nein Fragen immer melden, auch bei völliger Ahnungslosigkeit. Sollte man drankommen, ist es wichtig total seriös, ruhig und selbstsicher zu antworten. Es darf sich nicht wie eine Entscheidung anhören. Ist die Antwort richtig, heimlich feiern. Ist die Antwort falsch: skeptisch gucken. Fifty / Fifty Fragen sind Geschenke. Man muss nur mitzählen, wie oft man bei welchem Lehrer bereits falsch lag.
  • Bei leichten Fragen, bei denen sich eh mehrere melden, schon alleine um sich nicht zu blamieren, sich ruhig schön nervig anbiedern. „Nehmen sie mich! Ich weiß alles, ich bin sooo klug!“ Für diese Nummer wird man nie aufgerufen, aber es wertet die Leistung der anderen ab. Der Lehrer kann ja selber einschätzen wie schwer die Frage war.
  • Das Gegenteil sind die Monsterfragen, bei denen, wenn überhaupt, die Finger sehr langsam hochgehen. Sollte man die Antwort wissen, nicht melden, sondern ganz lässig ausplaudern. Reaktion vom Lehrer: richtig, wäre aber schön gewesen, wenn Du Dich auch gemeldet hättest. Wenn man so etwas schon weiß, dann sollte man sich auch zu cool zum melden fühlen. Lenkt außerdem vom Streberimage ab. Die Pluspunkte bekommt man eh, dafür ist der Lehrer zu sehr Profi.
  • Akustisches Melden kam irgendwann so in der 10. Klasse bei mir auf. Man macht das Geräusch eines Buzzers nach oder das eines Tieres. So wie man das von Otto Waalkes kennt, wenn er eine Rufumleitung oder ähnliches simuliert. Es hat sich leider nicht durchgesetzt. Ebenfalls nicht durchgesetzt hat es sich, den Tischnachbarn zu kneifen, dieser ruft „Aua“, der Lehrer schaut, sagt deinen Namen und du beantwortest schnell die Frage. Genial sollte man meinen, wurde aber irgendwie oft fehlinterpretiert.
  • Im Studium wird Lehrern erzählt, die Schüler sollten die Antworten selber erarbeiten, also raten bis es stimmt. Egal ob man sich sicher ist oder nicht, hier ist wichtig irgendetwas rein zu rufen, damit der eh schon langweilige Unterricht nicht, wie NEO im minder langweiligen Film Matrix 3, in einem Zeittunnel stecken bleibt. Schnellraterunde heißt das auf   9Live. Der Scheiß nimmt kein Ende, bevor nicht die richtige Antwort genannt wurde.
  • Manchmal wollen Lehrer einem Schüler mit besonders niedrigen oder hohen Zahle Schocken. Sie stellen eine rhetorische Frage, was man denn annehme wie viel oder wie wenig etwas sei. Man kann ja ungefähr einschätzen in welcher Dimension sich die Antwort abspielt und übertreibt völlig, indem man diese mal 1000 nimmt.
Frage: „Was meint ihr denn, wie viel CO2 der Deutsche im Jahr produziert?“ (ca. 10 Tonnen)
Antwort [exorbitant enthusiastisch]: „Zehntausend Tonnen!
Nach der Korrektur durch den Lehrer ein enttäuschtes „tzz“ von sich geben.
Die überdimensional falsche Zahl hat den Reiz schon vorweggenommen, der geplante „Uih-Effekt“ bleibt aus. Was das bringen soll weiß ich nicht, mich hat es aber immer beruhigt, wenn der Lehrer wusste, dass ich ihn nicht ernst nehme.
Epilog

Diese Tipps verbessern die mündliche Beteiligung locker um eine Note und wenn nicht, dann bleiben ja noch das Hausaufgabenheft und die Mappenführung. Anstatt farblich abgestimmter Mappen aus umweltfreundlicher Pappe, hatte ich immer nur einen einzigen voll geschriebenen College Block. Einen Block für alle Fächer sozusagen und Lee Majors sang die Titelmelodie. Nicht. Die Seiten blieben schön im Ringordner. Waren die ersten 80 Blatt voll gemaltschrieben, wurden sich neue Blätter, unter Androhung dies sei jetzt aber wirklich das aller letzte Blatt das man sich leihen könnte, geschnorrt. Hier konnte ich endlich mit den Tiergeräuschen trumpfen. Hieß es dann bei der Mappenabgabe: „Gebt bitte die Mappen ab.“, habe ich mit Edding (war damals zurecht im Unterricht wegen Schnüffellei verboten) auf den überquellenden Block fett DIE MAPPEN geschrieben. Das wurde sogar stellenweise akzeptiert! Schließlich war ich so gut im Mündlichen, dass die Mappen eh nicht mehr ins Gewicht fielen. Dort wo das nicht der Fall war, hat das einzig attraktive Mädchen in der Klasse, die dazu noch gleichzeitig meine Tischnachbarin war, die Zettel nach Unterrichtsfächern sortiert und in meine leeren, echten Mappen weggeheftet! No Cadillac, no perms, you can't see, that I'm a motherfucking P-I-M-P.

Dienstag, 8. Juli 2008

Kraft mal Weg

"Ich guck noch mal in die Flasche wie spät das ist" Brösel

"Wenn Arbeit hier nicht Kraft mal Weg ist, widerleg es!
Denn als nächstes bewege ich Träges als wäre es Tetris" Aphroe

Im Oktober und November 2007 habe ich die Gelegenheit bekommen ein wenig Geld zu verdienen. Endlich wieder. Ausgemalt habe ich es mir schon... ich betrete die Bank und knall ein Bündel Scheine auf den Tresen. Daraus wurde zwar eher eine heimliche Überweisung vom Automaten aus, dennoch wurde ein Kasten Bier gekauft und angestoßen. Die Zahlungsmoral war gut und überschau - Bar. Schuldenfrei und Spaß dabei, trotzdem hatte ich daraufhin kein Geld zur Verfügung. Auch die Hoffnung, das Verschwinden des Solls schlägt sich positiv auf meine Gefühlslage nieder trat nicht ein. Ich habe wahrscheinlich nicht fest genug daran geglaubt.
Ich war Handlanger / Gerüstkellner und (Achtung Wortspiel) Bewehrungshelfer auf einem Bau. Einfamilienhaus. Wer jetzt schlimme Wortspiele erwartet (s.o) ist hier an der falschen Adresse. Wortspiele wie Mörtel Kombat oder Kalk Fiction sind gemeint. Ich arbeitete mit den Maurern zusammen. Nee, ich arbeitete für die Maurer. Maurer sind die Diven des Baus. Alles muss denen in die Hand gelegt werden. Nur das Bier holen sie sich hin und wieder selber. Ich brauchte nie auf die Uhr zu schauen, ich machte anhand der verbleibenden Bierflaschen im Kasten klar, wie lange noch gearbeitet wurde. Schön Kasten Herforder Handgranaten 27 Flaschen. Früher 30 Flaschen. Früher hätte ich länger arbeiten müssen. Ich selber trank nichts. Bei dem Tempo in den frühen Morgenstunden hätten die mich am Feierabend jedes Mal aus der Regenwassertonne fischen können. Der 11 Uhr Zug war mir ja bekannt, aber die eindutzend Sonderfahrten waren mir neu. Jedes Mal, wenn der Bauherr vorbeischaute, wurde der Ton etwas schärfer und man sollte plötzlich drei Dinge auf einmal erledigen, unter anderem die leeren Bierflachen einsammeln und verstecken. Dabei kam mir der Herr Bauherr überhaupt nicht streng oder wie ein Lehrer vor, eher sehr unentschlossen und unstetig. Ständig mussten Änderungen vorgenommen werden.
Alles hier, außer mir, hatte einen Kosenamen bekommen. Die große Steinsäge hieß zum Beispiel: „das Moped" und der Bolzenschneider hieß: „Mattenschere". Ich habe mir nicht alles merken können, aber Mörtel hieß jedenfalls: „Mucks".

- „Ma`ma Mucks!" hörte ich oft.

Egal voran ich drehte oder rüttelte, irgendwer drehte und rüttelte ein zweites Mal daran und sagte: „SO!" Das machte wenig Spaß. In den Pausen wurden Geschichten vom Bau erzählt. Von spektakulären Unfällen und unangekündigten Kontrollen vom zuständigen Amt war da die Rede. Es erinnerte stark an den Film „Was nicht passt, wird passend gemacht".
Ansonsten lallten (die Maurer), nuschelten (ich) wir herum und der Mischer knatterte so laut, dass ich mich nicht mehr denken hören konnte. Trotzdem verstanden sich alle offensichtlich prima.

- „Kannst... rüttel, schramm ...von draußen... Schepper, Schepper ...schnell holen?"
- „Yo!"

Ich hatte Blasen an den Füßen. Ich sollte öfters privat meine Arbeitsschuhe tragen und Frühaufstehen üben. Aber das Wetter war toll. Goldener Oktober

kaputt malocht

Die fünf wichtigsten Benimmregeln auf dem Bau:

- Nirgends anlehnen
- Mit einem gepressten „YO" antworten. Das klingt immer schwer beschäftigt.
- Hölzer, besser noch Metall, immer knallen oder scheppern lassen. Das klingt noch mehr nach Beschäftigung.
- Mittrinken
- Imperativ

Montag, 23. Juni 2008

Golden Girls & Boys

„Living my life like it´s golden“ Jill Scott

Vielleicht kommt das hier 40 Jahre zu früh oder wie im Falle der Rolling Stones auch 40 Jahre zu spät. Womit soll man sich beschäftigen, wenn man sich als Rentner mal langweiligen sollte. Im Garten stehen und Bäume fällen? Dann müsste ich jetzt schon mal anfangen welche zu pflanzen. Nur wo? Keine gute Idee, Garten an sich ist keine gute Idee. Rente wird es nicht geben, also bleibt eine kriminelle Laufbahn nicht aus. Von der Rentnergang habe ich ja bereits berichtet. Es darf sich übrigens beworben werden. Nörgelnde Opis, die mit Kissen auf der Fensterbank kopfüber aus dem Fenster lehnen und Autounfälle kommentieren, die sie kurz vorher selbst verursacht haben, nerven nur und rauchen anscheinend noch nicht genug, sonst wären sie keine Rentner geworden. Es Arthur Spooner gleich zutun ist eine tolle Alternative dazu. Andere gründen eine Zweitfamilie, aber das wird aufgrund des zu hohen Grundwasserspiegels in Niedersachsen nicht so einfach funktionieren.

Ich habe mir überlegt, im hohen Alter nur noch gut, also richtig gut, zu essen. Dann hat man auch die Zeit sich da rein zu lesen, bedacht einzukaufen, zu kochen und zu kauen. Essen wird zum Mittelpunkt werden und das Diebesgut, welches die Rentnergang abwirft, wird für ausschweifende Restaurante Besuche auf den Kopf gehauen. Das halte ich für einen gelungenen Lebensabend. Außerdem lässt es sich gut mit dem Hobby Weinanbau verbinden. Zumindest kann man zum Selbsterklärten Weinkenner werden. Dann könnte man sich, gesellschaftlich abgesichert, zu jeder Mahlzeit ordentlich einen reinverhelfen.

Solche Gedanken machen es jedenfalls leichter…

PS: wußtest ihr, dass man Rentner vorwärts wie rückwärts schreiben kann?

Samstag, 21. Juni 2008

A - Team

Dienstag, 20. juni 2008, 23.00 Uhr, A-Team - Kult

Das „A – Team“ kommt, genau wie „Eine himmlische Familie“, zu unchristlichen Zeiten. Beides konnte ich aktuell nicht sehen. Ich schreibe einfach ein paar Zeilen aus dem Gedächtnis. Entschieden habe ich mich übrigens, wie man der Überschrift entnehmen kann, für die Serie A – Team. Die Serie habe ich damals auf unserem ersten Fernsehgerät geschaut. RTL hatten wir nur krisselig rein bekommen, weil wir weder eine Schüssel, noch Kabel hatten. Egal, für Knight Rider, Ein Colt für alle Fälle und das A – Team hat es gereicht.

Das absolut coolste an jeder Folge war, wenn dem A – Team, aus unerfindlichen Gründen, genug Zeit gegeben wurde etwas aus Schrott zu basteln. Eine Waffe oder ein improvisierter Panzer. Was man halt so in Vietnam lernt. Sowieso war die Truppe super besetzt, da war für jeden etwas dabei. Col. John Smith a.k.a. Hannibal, der Anführer. Er liebt es wenn ein Plan funktioniert. Heute dürfte bestimmt kein Held mehr im Fernsehen kubanische Zigarren rauchen und dabei Erpresser aus ihren Cadillacs schießen.

Lt. Templeton Peck a.k.a. Faceman, a.k.a. Starbucks, ein Schönling der einem früh beibrachte: wenn du gut aussiehst, dann nimm es dir einfach. Mir ist erst ganz spät aufgefallen, dass Dirk Benedict blöd guckt, als im Vorspann ein Zylone an ihm vorbei geht!
Capt. H.M. Murdock hat den verrückten Piloten gegeben. Er und B.A. hatten die Gags in der Serie. Meiner Meinung nach war der gar nicht verrückt, er hat sich nur gerne den Arsch nachtragen lassen.
Der letzte ist der Muskel- und Quotenneger B.A. Baracus a.k.a der nie alternde Mr. T. Er war der McGyver der Superlative. Keiner schweißt ein schweres Geschütz so schnell zusammen wie er. Mr. T hat mehr Ketten als ein Fahrradhändler. Ich habe nie verstanden warum er nicht seine Goldketten versetzte und in Rente ging. Irgendwohin, wo ihn Colonel Roderick Decker und Murdock nicht finden würden.

Jede Serie begann gleich. Hannibal hat sich kompliziert verkleidet und einen fadenscheinigen Auftrag irgendeiner Zivilperson angenommen. Meist hatte der Klient eine hübsche Tochter oder war selber die hübsche Tochter, naja, jedenfalls musste Faceman seiner Rolle gerecht werden und rumbuhlen. Aber vorher hieß es für ihn erstmal Murdock aus der Klapse zu holen. Der hatte wie üblich einen neuen Tick für sich entdeckt. Er redete mit einer Socke oder war als Superheld verkleidet. B.A. regte sich tierisch darüber auf, dazu hatte der schwarze Mann Angst vorm fliegen und der Verrückte war auch noch der Pilot. Hannibal machte B.A. bewusstlos und ab ging es in die Ferne. Wenn nicht geflogen wurde, heizte das Team in einem coolen schwarzen Bus durch die Gegend. Das Teil hatte eine Abhörstation, Monitore, Sitzplätze für 6 Leute und eine Waffenkammer untergebracht. Die Reifen quietschten selbst auf Sandboden und die Karosserie war scheinbar auch Kugelsicher. Ständig wurde geballert und nie wurde dabei ernsthaft ein Mensch verletzt. Respekt, das war wohl der Preis dafür, dass geraucht werden durfte. Es gibt Internetseiten, die sich nur mit den physikalischen Wundern in der Serie beschäftigen. Gerade das und die coolen Sprüche haben das A – Team für mich ausgemacht. Ein echter Gangster muss Anzug tragen und in Erpressung machen!
Meine Lieblingsfolge war die, als B.A. gegen Rocky Balboa kämpfte… oder nicht?